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Die besten CDs zum Schluss – Merry Christmas!

Die besten CDs zum Schluss (2)

Van Morrison Keep Me Singing

Die besten CDs zum SchlussVan Morisson: "Keep Me Singing"
Van Morisson: Keep Me Singing (Cover: Amazon)

Was zunächst nur als ein weiteres, streng nach dem selbsterlassenen musikalischen Reinheitsgebot gebrautes Album des Grantlers aus Belfast wirkt, entpuppt sich als Van Morrisons seit langem positivstes Werk – und als eines seiner besten. Ein betörend gelassener Swing führt durch Songs, auf denen nichts Grüblerisches lastet und Streicher, Bläser und Piano einander in schmetterlingshafter Leichtigkeit umkreisen. Spätestens nach dem gospelgefärbten „Holy Guardian Angels“ fragt man sich dann, welche Glücksdroge der Kerl hier bloß geschluckt hat – und genießt diesen Mix aus Celtic Soul, Blues, Pop und Jazz als Antidepressivum in schwierigen Zeiten. Vielleicht ist Keep Me Singing die beste aus der Serie Die besten CDs zum Schluss.

Das Beste zum Schluss: Van Morrison

Van Morrison Keep Me Singing ist erschienen bei Caroline/Universal und erhältlich als Audio-CD, Vinyl LP und MP3-Download.

 

Drangsal Harieschaim

Die besten CDs zum Schluss Drangsal: Harieschaim
Drangsal Harieschaim (Cover Amazon)

Max Gruber alias Drangsal wandelt auf schmalem Grat. Sprüche zu klopfen gehört ganz unbedingt zum Konzept des 23-jährigen Nachtschattengewächses aus dem rheinland-pfälzischen Herxheim. Das klingt manchmal durchaus amüsant. „Donald Trump ist Präsident, Leonard Cohen ist gestorben – und Jennifer Rostock haben eine neue Platte gemacht“, fasste Deutschlands derzeit vielleicht meistgehypter Indiepopper kürzlich bei einem seiner Konzerte die aktuellen Tiefschläge des Weltgeschehens zusammen. Genauso oft redet Gruber allerdings, ausgestattet mit viel Chuzpe und Spontaneität, aber noch etwas wenig Demut und positiver Besonnenheit, auch etwas neben der Spur. Dann werden seine Sprüche zu Phrasen und seine sympathisch ungelenken Gesten zu ungewollt eitlen Posen. Genau so widersprüchlich klingt auch seine Musik: Sein Debütalbum Harieschaim (der altgermanische Name für Herxheim übrigens) ist ein knietief in den 80ern watender, dunkel grundierter, aber farbenfroher Retro-New-Wave-Hybrid, der ab und an etwas sehr viel Make-up aufträgt, manchmal auch Geschmacksgrenzen streift (klingt das Intro von „Allan Aligne“ nicht schwer nach „Like Ice In The Sunshine“?)– der aber auch viel Spaß macht, ganz nach dem Motto: Demut? Besonnenheit? Hey, dafür ist auch in 20, 30 Jahren noch Zeit. Lieber packt Drangsal jetzt mit wohltuend jugendlicher Atemlosigkeit das Beste aus Frühachtziger-Gitarren- und Spätachtziger-Synthiepop unter einen Hut und macht daraus ein Stück Schwarzkittel-Musik par excellence. Flotte Dreiminüter, die auf jedem Eighties-Mixtape zwischen The Cure und The Smiths, zwischen Depeche Mode und Human League eine gute Figur machen, gibt es hier jedenfalls zuhauf – man höre nur (trotz des Intros) „Allan Aligne“ oder „Love me or leave me alone“.

Das Beste zum Schluss: Drangsal

Drangsal: Harieschaim ist erschienen bei Caroline/Universal und erhältlich als Audio-CD, Vinyl LP und MP3-Download.

 

Frightened Rabbit Painting Of A Panic Attack

Die besten CDs zum Schluss Frightened Rabbit "Painting of Panic Attac"
Frightened Rabbit Painting Of A Panic Attac (Cover Amazon)

Das hochverehrte Publikum bleibt ein unberechenbares Tier. Warum es den einen sein Herz schenkt und andere links liegen lässt: Man versteht es mitunter einfach nicht. Man nehme etwa dieses schottische Quartett. Seit über zehn Jahren musizieren Frightened Rabbit nun schon in Schlagdistanz zu großartigen (und eben hocherfolgreichen) Kollegen wie Elbow – sind aber jenseits des Kanals nur wenigen, außerordentlich gut informierten Indiepop-Fans ein Begriff. Auf Album Nummer 5 sind stilistische Ähnlichkeiten zwischen diesen beiden Bands weiterhin vorhanden – auch die Band um die Brüder Scott und Grant Hutchinson. Frightened Rabbit spielt mehr Art-Pop als Chart-Pop; simpel gestrickte „music to take away“ sucht man vergebens auf dem fünften Album dieser feinen Band. Neben Gemeinsamkeiten gibt es indes auch Unterschiede. Mit hart angeschlagenen Keyboards, sehnigen Gitarrenakkorden und viel perkussiver Wucht klingt das Gefühlskino von Frightened Rabbit etwas rockiger, dynamischer und jünger als der Sound von Guy Garvey & Co.

Die nachdenklichen, aber nicht zu introvertierten Gitarren-Piano-Songs auf Painting Of A Panic Attack atmen dabei die emotionale Schwere ihrer Heimatstadt, der „raintown“ Glasgow, ebenso wie sie einen ziemlich desaströsen Aufenthalt von Scott Hutchinson in Los Angeles reflektieren. Die Bilanz nach 45:15: ein Klasse-Album ohne Schwächen – und mit drei wahren „Leuchtturm-Tracks“: „An Otherwise Disappointing Life“, „Lump Street“ und „400 Bones“ gehören zu den schönsten Popsongs die dieses Jahr in England geschrieben wurden. Wie gesagt: Die besten CDs zum Schluss.

Das Beste zum Schluss: Frightened Rabbit

Frightened Rabbit Painting Of A Panic Attack ist erschienen bei Warner Music und erhältlich als Audio-CD, Vinyl LP und MP3-Download.