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Die besten CDs zum Schluss – Merry Christmas!

Drangsal: Harieschaim

Die besten CDs zum Schluss Drangsal: Harieschaim
Drangsal: Harieschaim (Cover Amazon)

Max Gruber alias Drangsal wandelt auf schmalem Grat. Sprüche zu klopfen gehört ganz unbedingt zum Konzept des 23-jährigen Nachtschattengewächses aus dem rheinland-pfälzischen Herxheim. Das klingt manchmal durchaus amüsant. „Donald Trump ist Präsident, Leonard Cohen ist gestorben – und Jennifer Rostock haben eine neue Platte gemacht“, fasste Deutschlands derzeit vielleicht meistgehypter Indiepopper kürzlich bei einem seiner Konzerte die aktuellen Tiefschläge des Weltgeschehens zusammen. Genauso oft redet Gruber allerdings, ausgestattet mit viel Chuzpe und Spontaneität, aber noch etwas wenig Demut und positiver Besonnenheit, auch etwas neben der Spur. Dann werden seine Sprüche zu Phrasen und seine sympathisch ungelenken Gesten zu ungewollt eitlen Posen. Genau so widersprüchlich klingt auch seine Musik: Sein Debütalbum Harieschaim (der altgermanische Name für Herxheim übrigens) ist ein knietief in den 80ern watender, dunkel grundierter, aber farbenfroher Retro-New-Wave-Hybrid, der ab und an etwas sehr viel Make-up aufträgt, manchmal auch Geschmacksgrenzen streift (klingt das Intro von „Allan Aligne“ nicht schwer nach „Like Ice In The Sunshine“?)– der aber auch viel Spaß macht, ganz nach dem Motto: Demut? Besonnenheit? Hey, dafür ist auch in 20, 30 Jahren noch Zeit. Lieber packt Drangsal jetzt mit wohltuend jugendlicher Atemlosigkeit das Beste aus Frühachtziger-Gitarren- und Spätachtziger-Synthiepop unter einen Hut und macht daraus ein Stück Schwarzkittel-Musik par excellence. Flotte Dreiminüter, die auf jedem Eighties-Mixtape zwischen The Cure und The Smiths, zwischen Depeche Mode und Human League eine gute Figur machen, gibt es hier jedenfalls zuhauf – man höre nur (trotz des Intros) „Allan Aligne“ oder „Love me or leave me alone“.

Das Beste zum Schluss: Drangsal
LowBeats Bewertung Drangsal: Harieschaim. Erschienen bei Caroline/Universal