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audiophile Strommasten im Garten
Takeo Morito nicht ohne Stolz vor seinem audiophilen Strommast. Er ist einer jener Highemder, bei denen der audiophile Klang nicht erst an der Steckdose beginnt.

High End extrem: audiophile Strommasten

Gerade hat die High End 2017 ihre Pforten geschlossen und ja: schön war’s. Viele, zum Teil extrem teure Komponenten gab es zu bestaunen. Bei manchen Ketten war jedes Bauteil bis hin zur Steckdose maximal konsequent ausgeführt: armdicke Stromkabel und Steckdosenleisten, die  wie ausgewachsene Verstärker aussahen. Und doch nimmt sich selbst dieser Aufwand ziemlich belanglos aus, gegen das, wie einige japanische  HiFi-Freunde ihren Anspruch umsetzen: audiophile Strommasten.

Yukio Yoshihara vor seinem audiophilen Strommast
Yukio Yoshihara vor seinem audiophilen Strommast im Garte

Richtig gelesen: Die klugen Japaner haben den Strom als Sündenfall der Moderne entdeckt und sparen auch nicht mit Metaphern. „Elektrizität ist wie Blut. Ist es verunreinigt, wird der ganze Körper krank“, sagte der inzwischen 83-jährige Takeo Morita bereits im vergangenen Jahr gegenüber dem Wallstreet Journal. „Egal wie teuer die ganze Anlage war, sie wird niemals gut klingen, wenn das Blut verschmutzt ist“, ist sich der Rechtsanwalt im Ruhestand sicher.

Er muss es wissen, denn seine Theaterlautsprecher und 60.000 Dollar teuren Endstufen sind mit feinsten Gold- und Silberkabeln verbunden. Ebenso sein analoges Laufwerk. So orderte er bei der „Izumi Denci Corp (IDEC)“ eigene audiophile Strommasten mit Transformator. Kosten: 10.000 Dollar.

„Nun fühlt es sich an, als sei Freddy Mercury nur für mich in diesem Raum“, schwärmt der Queen-Fan. „Rock Grandpa“ wird Morita von seinen Freunden genannt. Und spätestens seit er den 12 Meter hohen Masten im Garten stehen hat, ist er endlich zufrieden mit Gesangsstimmen, die seiner Meinung nach niemals so echt klangen wie jetzt.

Wer jetzt denkt, na ja, der ist ja Rechtsanwalt gewesen, der kann sich das leisten, liegt richtig und falsch zugleich. Das Hobby High-End kann schließlich jeder betreiben und sei es durch Verzicht auf andere, nicht so wichtige Dinge. Wie etwa Yukio Yoshihara.

Der 63-jährige, ehemalige Bankangestellte lebt in einer 25-Quadratmeter-Wohnung. Allein seine Lautsprecher haben 100.000 Dollar gekostet. Will er jedoch an seinen Kühlschrank, muss er sein Sofa vorschieben, um zum Beispiel ein Getränk herausholen zu können. Auch Yoshihara hat audiophile Strommasten mit Transformator, dies allerdings schon seit fünf Jahren.

Er hat damals für die Gesamtinstallation 40.000 Dollar bezahlt. Gegenüber dem WSJ sagte er, dass er nach dem ersten Probehören Tränen in den Augen hatte: „Es klang so frisch und lebendig, als spielten sie direkt vor mir.“

Seine Frau Reiko sieht das Ganze etwas nüchterner: „Das ist etwas, was sich meinem Verständnis entzieht“, gesteht sie, lässt ihn aber machen. „Würde ich ihm das wegnehmen, würde er seinen Lebenssinn verlieren.“

Yukio Yoshihara und audiophiel Strommasten
High-End-Fan Yukio Yoshihara vor seiner ambitionierten Anlge aus Esoteric-Komponenten in seinem 25 qm Hörraum

Tatsächlich ist so eine „Aktion audiophile Strommasten“ recht aufwändig, wie man sich denken kann. Zudem kann man die Teile nicht in den gewünschten Farben ordern, wie Katsuhiro Hirano, Präsident eines Bauunternehmens, feststellen musste.

Auch musste der hiesige Stromanbieter erst überzeugt werden, den Mast zu genehmigen. Zwei Monate hat das Verfahren gedauert, dann wurde das Teil in dreitägiger Arbeit eingegraben und aufgerichtet.

Oder umgekehrt. Seinen Nachbarn gegenüber mochte sich der 61-jährige nicht offenbaren und erfand die Ausrede, dass sein fensterloser HiFi-Raum ein Warenlager sei, das zusätzliche Kühlung brauche. Schade eigentlich, die Nachbarn hätten bestimmt auch gern mal den reinen Sound gehört. Hirano jedenfalls ist natürlich ebenfalls vollkommen überzeugt vom sauberen Strom beziehungsweise Klang.

Vor allem bei Vinyl sei der Klangunterschied riesig. Eine seiner Lieblingsscheiben: Keith Jarretts Köln Konzert. Nun könne er das Klavier, den Atem des Pianisten und die Geräusche des Publikums jeweils für sich wahrnehmen, schwärmt er. „Es ist, als seist du beim Konzert und weißt ganz genau, wo Keith Jarrett ist.“ Ja, der Japaner weiß eben, wo der Hammer hängt, wenn es um den richtigen Klang geht.

Und was lernen wir daraus? Gartenzwerge zu Strommasten? Tatsächlich gibt es eine Alternative. Ab und an sind sie auch auf der High-End-Messe, sind weniger auffällig als ein Strommast, kosten dafür aber mehr. Wir sprechen von unabhängiger Stromversorgung nur für HiFi-Komponenten.

Zum Beispiel von der deutschen Firma „Stromtank“. Der S5000 könnte was für Sie sein, wenn sie anlagenmäßig bereits das Limit ausgeschöpft haben. Er hat eine Speicherkapazität von 5.000 Wh und besteht aus Lithium-Metall-Phosphat-Zellen. Preis: 30.000 Dollar.

Wir schließen daher mit den Worten des bengalischen Philosophen Rabindranath Tagore, der einst weissagte: „Der Strom der Wahrheit fließt durch Kanäle von Irrtümern.“

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