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Vom Kabelklang Profi: HMS-Elektronik Armonia LS
Das Ergebnis aus mehr als zwei Jahrzehnten Kabelforschung: Lautsprecherkabel HMS-Elektronik Armonia LS (Foto: J. Schröder)

Kabelklang im HiFi – Mythos oder Realität?

Wohl kaum ein HiFi-Thema wird so kontrovers diskutiert wie der Einfluss von Kabeln auf die Klangqualität. Nicht ganz zu Unrecht: Denn hinsichtlich klanglicher und technischer Versprechen lehnen sich viele Audiokabel-Hersteller ganz schön weit aus dem Fenster – speziell, was das Ausmaß der mit Kabeln erzielbaren, klanglichen Verbesserungen betrifft. 

Wer jedoch frei von Dogmen kritische Hörtests mit Kabeln durchführt, wird feststellen, dass es sich hierbei keineswegs nur um Hirngespinste abgehobener Audiophiler handelt. Nicht umsonst ist dieses Thema mittlerweile selbst in der hinsichtlich Kabelklang bislang äußerst skeptischen Tonstudio-Szene angekommen. Wer je hörte, wie „richtig“ gute Kabel klingen können, wird denn auch kaum mehr minderwertige verwenden wollen.

Quantitativ betrachtet, fallen die durch Kabel verursachten Klangunterschiede jedoch vergleichsweise gering aus. Taxiert man beispielsweise die zweifellos klangprägendste „Beziehungskiste“ innerhalb der Wiedergabekette, die Interaktion von Lautsprecher und Hörraum, auf ein Einflussvermögen von rund 90 Prozent, so erreichen die gesammelten Kabeleinflüsse (Lautsprecher, Kleinsignal- und Netzkabel) sicherlich nicht einmal die 5-Prozent-Hürde. So wird kaum jemand von sich behaupten können, ein bestimmtes Kabel bereits beim Betreten des Hörraums zu erkennen, wenn die Musik spielt (außer vielleicht der Entwickler persönlich) – was jedoch nicht heißt, dass das Thema Kabelklang damit „vom Tisch“ ist: Schließlich arbeitet das menschliche Gehör vorzugsweise relativ, also vergleichend bezogen auf vorausgehende oder folgende Hörereignisse, und weniger basierend auf absoluten Werten.

Hinsichtlich der quantitativen Größenordnungen, aber auch von den hörbaren Auswirkungen her ist Kabelklang am ehesten vergleichbar mit den Einflüssen unterschiedlicher Digitalfilter, wie man sie bei vielen CD-Spielern oder D/A-Konvertern umschaltbar vorfindet. Und diese können ja bekanntermaßen durchaus ein klangliches K.O.-Kriterium bei der Kaufentscheidung für oder gegen ein Gerät sein. Das gleiche trifft auch für Kabel zu: Auch wenn ihr klanglicher Einfluss seriös betrachtet relativ gering ist, können sie sehr wohl für ein „Gefällt mir“ oder „Gefällt mir nicht“ bei der Wiedergabe (oder der Aufnahme) entscheidend sein.

Eher skeptisch stehe ich jedoch zur häufig vorgeschlagenen Methode, über die klanglichen Eigenheiten bestimmter Kabeltypen eventuelle Schwächen in der vorhandenen Anlage kompensieren zu wollen. Kann man natürlich machen – aber es ist und bleibt eine Art Fehlerverdeckung. Kabel verhalten sich analog zu Glasscheiben – je besser, je durchlässiger. Und wollen Sie wirklich eine gelb getönte Fensterscheibe, um das Blau Ihrer Tapete ein bisschen grünlicher erscheinen zu lassen?

Kabelkauf ist Vertrauenssache

Ein großes Problem bei Audio-Kabeln ist, dass man von außen praktisch nicht erkennen kann, was sie klanglich taugen. Tatsächlich lassen sich bei identischem Material- und Herstellungsaufwand sehr gute oder auch weniger gute Ergebnisse erzielen – einzig und allein abhängig vom Knowhow des Entwicklers. Die Tatsache, dass ihre eigentliche Funktion auf den ersten Blick geradezu trivial anmutet und sie ja auch stets mehr oder weniger gut „funktionieren“, verführte in der Vergangenheit jedoch so manchen Trittbrettfahrer dazu, ins Audiokabel-Business einzusteigen – in der Hoffnung auf leicht verdiente Euros. Daher gilt: Der Kauf von Audiokabeln ist Vertrauenssache – weltweit gibt es vielleicht ein Dutzend Hersteller, die wirklich genau wissen, warum sie „was“ tun.

Aus dem vergangenen Absatz lässt sich leicht und zu recht schlussfolgern, das gute Kabel kein Vermögen kosten müssen. Doch wie bei allen anderen Konsumgüter-Bereichen gibt es auch hier Luxusprodukte, die das absolut Machbare anstreben: Verwendet man beispielsweise homogenes Reinsilber als Leitermaterial oder trägt als Isolator schon beinahe erkaltete PTFE-Paste auf, um der glatten Leiteroberfläche den Hitzestress zu ersparen, so wird es naturgemäß richtig teuer – schließlich muss man erst mal einen Hersteller finden, der solche exklusiven Fertigungsprozesse überhaupt beherrscht. Und so ist es denn bei teuren Kabeln wie bei anderen Top-Produkten auch: Die Frage, ob es sich lohnt, für noch ein Quäntchen mehr an Klang das Zigfache auszugeben, kann nur jeder für sich selbst beantworten.

Kleinsignalkabel-Legende Mogami 2803
Unscheinbare Kabel-Legende: Bereits seit mehr als 20 Jahren gehört das Mogami 2803 nach wie vor zu den weltbesten asymmetrischen Kleinsignalkabeln – mit Wirbelstrom-optimierten, koaxial auf einem Blindkern geführten Leitern sowie der Polyethylen-Außenhaut auch heute noch eine kompromisslose Konstruktion (Foto: J. Schröder)