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Smudos Porsche Cayman GT4CS vom Team Four Motors
In diesem Jahr startet Smudo mit einem brandneuen Porsche Cayman GT4CS. (Foto: Jaqueline Kroll)

Mit Smudo beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring

Smudo tritt gerne in Gruppen auf. Mit den Fantastischen Vier auf der Konzertbühne und bei „The Voice Of Germany“ zumindest im Doppelpack mit dem Band-Kollegen Michi Beck. Wer jetzt in seinem neuen Porsche Cayman GT4CS nach einem Doppelstuhl sucht, wird enttäuscht. Beim 24h-Rennen in der Eifel gibt Smudo ein Solo am Steuer des 385 PS starken Rennwagens.

Aber nur temporär, denn um die 24 Stunden des legendären Langstreckenrennens vom Nürburgring durchzuhalten, braucht der rasende Rapper Unterstützung. Am Lenkrad wechselt sich der Wahl-Hamburger mit Teamchef Thomas von Löwis of Menar (Reutlingen), Daniel Schellhaas (Filderstadt) und Axel Duffner (Hornberg) ab.

Und in der Box unterstützt ihn beim 24h-Rennen das Team Four Motors aus Reutlingen, gemeinsam mit dem Einsatzteam von W&S Motorsport aus Ofterdingen.

Team Four Motors beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring
Ready to race: unsere Fahrer Daniel Schellhaas, Smudo, Thomas von Löwis of Menar und Axel Duffner (v.l.) mit ihrem neuen Porsche Cayman GT4 CS vor dem 24h-Rennen in der Box (Foto: S. Schickedanz)

Was die Truppe hinter den Kulissen beim diesjährigen 24h-Rennen auf die Beine gestellt hat, ist vielleicht nicht ganz so extrem „bio“ wie in der Vergangenheit, dafür aber richtig schnell.

Mit dem neuen Arbeitsgerät aus Zuffenhausen sind niedrige 9:30er-Rundenzeiten ein Klacks. Und trotz der mangelnden Bereitschaft der Autohersteller, sich gemeinsam mit Four Motors für die Verwendung von Karosserieteilen aus nachwachsenden Rohstoffen im Rennsport zu engagieren, prangt ein mächtiger Heckflügel aus Biofaser-verstärktem Kunststoff auf dem Heck.

Die eigentliche Fortführung der gemeinsam von Four Motors und Smudo vor 13 Jahren ins Leben gerufenen Idee des Bioconcept-Cars findet allerdings von außen unsichtbar im Motor statt. Mit Unterstützung von Crop Energies, einem der größten europäischen Hersteller von nachhaltig erzeugtem Bioethanol, hat das Team den Benzin-Motor zum Alkoholiker gemacht.

Er verbrennt E20-Sprit mit 20% Bio-Ethanolanteil – eine Sorte, die zwar praktisch von jedem Benzinmotor vertragen wird und auch ein Optimum an Leistung und Umweltverträglichkeit ermöglicht, die aber in Deutschland noch nicht an der Zapfsäule ausgeschenkt wird.

Team Four Motors beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring
Gleich geht’s los. Beim 24h-Rennen gab es hinter den Kulissen auch schon vor dem Start einen Marathon (Foto: Martin Meiners)

Vielleicht ist es in fünf Jahren soweit. Doch wann und ob es dazu kommt, hängt auch von der Stimmung unter den Autofahrern und ganz besonders von den Medien ab.

Da gilt es Vorurteile wie der vermeintlichen Konkurrenz von Teller und Tank bei Agrarerzeugnissen auszuräumen, obwohl laut Expertenmeinung nur das im Tank landet, was eh nicht auf den Teller käme – und Deutschland auch trotz E10 reichlich Agrarprodukte exportiert.

Viel stärker entscheidet letztlich aber die Verbrauchermeinung, die von einigen Medien vor der Einführung der CO2-freundlichen Mischung mit Horrormeldungen von der „E10-Plörre“ vergiftet wurde.

Und hier sieht Four Motors eine Möglichkeit, dem Nachhaltigskeitsgedanken Nachdruck zu verleihen. Das Team tritt wie schon im Vorjahr unter dem Motto „Care for Climate“ an und verwendet im Rennen erstmals auch die nach einem exklusiven Verfahren aufwendig recycelten und veredelten Hochleistungsöle des Titelsponsors Puraglobe.

Gala mit dem Nürburgring-Botschafter

Einen Etappensieg beim 24h-Rennen können die ewig als Öko-Rebellen belächelten Außenseiter bereits am Vorabend erzielen: In einer feierlichen Gala vor 300 geladenen Gästen im Ringwerk bekommt Smudo den Nürburgring Award als Botschafter des Jahres für die zwischenzeitlich von Krisen gebeutelte Rennstrecke.

Er befindet sich damit in direkter Gesellschaft von Formel-1-Legende Michael Schumacher, dem in Abwesenheit – in Vertretung seiner Sprecherin Sabine Kehm – ein Award für sein Lebenswerk überreicht wird.

Smudo kann sich nach der Laudatio von Sophia Thomalla – wir dachten, die junge Dame steht auf Heavy Metal – in seiner Dankesrede einen Seitenhieb auf die Springer-Presse wegen ihrer Meinungskampagne gegen E10 an der Tankstelle nicht verkneifen.

Es sei ihm ein innerer Vorbeimarsch, jetzt mit Beteiligung eben jenes Verlags für seine Bio-Botschaften vom Nürburgring geehrt zu werden. Er widmet den von der Kölner Künstlerin Verena Metzen gestalteten Award seinem Team und seinem Unterstützer Thomas von Löwis of Menar, dem alten DTM-Haudegen.

Team Four Motors beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring
Schneller auf dem Schweller: Smudo startete auf dem Nürburgring mit dem LowBeats Logo. Und wir konnten ausgiebig hinter die Kulissen schauen (Foto: S. Schickedanz)

Dieser Moment macht mich auch ein wenig Stolz, denn ich darf als Presseonkel des Teams und Vertreter von LowBeats – unser Logo klebte beim 24h-Rennen fett auf den beiden Schwellern – die Kunde von dieser späten, aber nachhaltigen Anerkennung in die Welt posaunen.

Bis zum Eintreffen der Jungs von BMW Motorsport, die abgesehen von DTM-Pilot Timo Glock in Teamkleidung einliefen, schämte ich mich etwas, weil ich statt wie alle anderen im Abendanzug, im feschen, aber nicht feierlichen Four Motors Dress im Ringwerk zur Nürburgring Night erschienen war.

Es sollte ein toller Abend werden, der allerdings höchste Anforderungen an meine Kondition und Disziplin stellte. Das Hotel liegt mehr als 30 Kilometer entfernt, ich muss mit dem eigenen Auto fahren und am nächsten Tag wartet eine Herkulesaufgabe auf mich: Auch für einen Pressemann bedeuten die 24 Stunden vom Nürburgring eine weitgehend schlaflose Nacht.

Das ändert aber nichts daran, dass sie tolle Live-Musik spielten und ich den Drang zum Feiern und Tanzen verspürte. Also mache ich mich über die Vorräte an alkoholfreiem Radler und Red Bull her und halte bis lange, lange nach Mitternacht durch.

Beim Blick auf TV Moderator Norbert Haug kann ich mir das Schmunzeln nicht verkneifen: Er war wie ich selbst auch mal bei der Motor Presse Stuttgart als Redakteur angestellt, was mich zur Erkenntnis brachte: „Je später der Abend, desto höher steigt der relative Anteil an ehemaligen MPS-Mitarbeitern“, was Haug mit einen Lachflash erwiderte.

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