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Logo Space Optimisation (Grafik: Linn)
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Ratgeber: Linn Space Optimisation

Moden-Schau Wenn Kickdrum-Beats und Bass-Licks das Musikzimmer nicht nur mit Druckwellen, sondern mehr noch mit nervigem Gedröhne erfüllen, sind definitiv sogenannte Raumresonanzen oder Raumeigenmoden (für Näheres hier klicken) im Spiel. Für diese gilt: Je größer der Raum, desto tieffrequenter die Raummoden. Im Vergleich zu großen Konzertsälen oder -hallen sind deshalb gerade übliche Wohnzimmer hinsichtlich Raumresonanzen sehr kritisch: Bei ihnen nämlich fallen die ersten, besonders energiereichen Raumeigenmoden abmessungsbedingt genau in den Bereich von Bass- und Grundtonwiedergabe und können hier klanglich ziemliches Unheil anrichten. Nicht nur im eigenen Wohnzimmer, denn auch die Nachbarn haben an wummernden Bässen wenig Freude.

Ein möglicher Weg, Raumresonanzen zu verhindern, besteht darin, sie erst gar nicht anzuregen: Das gelingt beispielweise durch die Wahl kleinerer Kompaktlausprecher mit von Haus aus eingeschränkter Tieftonwiedergabe – freilich mit der Schattenseite, dass man dadurch eine sehr wichtige musikalische Dimension opfert. Eine weitere Möglichkeit ist, die raumabhängigen, dröhngefährdeten Frequenzen im Audiosignal gezielt im Pegel zu reduzieren. Diese Methode funktioniert jedoch strenggenommen nur für einen definierten Hörplatz bei einer gleichfalls festgelegten Lautsprecher-Position. Genau diesen Ansatz verfolgt Linn mit seiner Space Optimisation.
Im Visier: Tieffrequente Raumresonanzen Wegen ihres massiven Einflusses auf den Klang konzentriert sich Linn Space Optimisation (LSO) bewusst auf die Unterdrückung störender Raumresonanzen im Frequenzbereich unter 200 Hertz. Es handelt sich also nicht um einen herkömmlichen Klangsteller, vielmehr um eine Anordnung feinfühlig einstellbarer, hochselektiver Kerbfilter zum Ausmerzen der Raummoden. Drei Wege gibt es, sich LSO zu nähern: Wenn Sie eine Linn-Komponente mit Space Optimisation neu erwerben, übernimmt Ihr autorisierter Händler kostenlos das Einrichten des Gerätes sowie alle notwendigen Einstellungen bei Ihnen zuhause. Natürlich können Sie zum akustischen Optimieren auch selbst Hand anlegen: Dazu finden Sie hier alle notwendigen Informationen – allerdings nur in Englisch und zudem in einer für Newcomer eher verwirrenden Welt aus Linn-Begrifflichkeiten. Für einen besonders komfortablen Einstieg zeigt LowBeats daher im Folgenden, welche Möglichkeiten Space Optimisation bietet und wie sich damit in der Praxis arbeiten läßt. Die Muster-Konfiguration erfolgt an einem Linn Majik DSM/2, ist jedoch grundsätzlich auf alle Linn-Modellreihen mit LSO übertragbar.

Erfreulich bei Space Optimisation ist zunächst mal, dass es alle Komponenten der Linn-Serien DS, DSM und Exakt bereits an Bord haben. Auch erfordert das Verfahren weder Messmikrofon noch Computer-Interface, sodass keinerlei Kosten anfallen. Das einzige, was Sie benötigen, ist ein Maßband für das erforderliche, genaue Ausmessen Ihres Hörraums. Als bequeme und genaue Alternative empfiehlt LowBeats hierfür einen Laser-Entfernungsmesser, der mittlerweile schon für unter 100 Euro erhältlich ist.

Key Player: Die Software Linn Konfig

Da die Programmierung der Raummoden-Filter nicht am Gerät selbst, sondern Software-basiert erfolgt, müssen Sie Ihre Linn-Komponente zunächst in Ihr Heimnetzwerk einbinden – wenn diese als Musik-Streamer nicht ohnehin schon integriert ist. Anschließend laden Sie hier die aktuelle Version der kostenlosen Software Linn Konfig (erhältlich für Mac und PC) herunter und installieren diese auf Ihrem Rechner – der natürlich ebenfalls Teilnehmer in Ihrem Heimnetzwerk sein muss. Die Software Konfig ist nicht nur für das allgemeine Geräte-Setup, sondern auch für Space Optimisation zuständig: Hier tragen Sie die Abmessungen Ihres Raumes ein und legen Lautsprecher- und Abhörpositionen fest. Nach erfolgter Daten-Eingabe berechnet Konfig mit hoher Genauigkeit die Modenlandschaft für Ihre gewählte Konstellation und übertrrägt die ermittelten Filter-Korrekturwerte in Ihr Linn-Gerät, wo sie in einem „Field Programmable Gate Array“ (FPGA) abgespeichert werden.
Ausschließlich über Konfig erfolgt auch das Ein- oder Ausschalten von Space Optimisation – direkt an Gerät oder Fernbedienung findet sich dafür derzeit leider keine Möglichkeit. Sinnvollerweise arbeitet Space Optimisation ausschließlich im direkten Signalpfad für die Lautsprecher – sprich den Lautsprecher- oder Vorstufenausgängen: Aufnahme- und Kopfhöreranschluss geben daher ebenso wie S/P-DIF- oder HDMI-Anschlüsse stets ein unbeeinflusstes Signal aus.
Grundsätzlich empfiehlt LowBeats, Konfig mit Hilfe der mitunter täglich eintreffenden Updates stets auf dem neuesten Stand zu halten.

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Bild 1: Über die Konfig-Software erreichen Sie nicht nur das Setup-Menü für Ihre Geräte-Einstellungen, sondern über die Registerkarte rechts oben auch die Benutzeroberfläche von Space Optimisation (Bild: LowBeats)
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Bild 2: Software-Updates für Konfig treffen regelmäßig, beinahe täglich, ein. (Bild: LowBeats)
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Bild 3: So präsentiert sich in Konfig die Benutzeroberfläche von Space Optimisation. Wurden noch keinerlei Eingaben gemacht, ist keiner der Filter gesetzt. Wurde bereits optimiert, werden die aktuell im Gerät programmierten Filter geladen. (Bild: LowBeats)
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Lautsprecher verschieben – manuell oder virtuell?

Bevor es losgeht, müssen Sie zunächst festlegen, ob Sie Lautsprecher und Hörplatz in Raumlängs- oder Raumquerachse ausrichten wollen. Anschließend heißt es, die in Ihrem Hörraum optimalen Standorte für die Lautsprecher und natürlich auch den Hörplatz zu ermitteln: Diese unumgängliche Maßnahme schafft nicht nur höchstes Klangpotenzial für Ihre Anlage, sondern bildet auch die Grundlage für optimales Arbeiten von Space Optimisation: Es liegt auf der Hand, dass die Filter-bedingten Eingriffe bei günstigen Standorten naturgemäß besonders gering ausfallen.
Um beim Lautsprecher- und/oder Sesselrücken zu klanglich besten Resultaten zu kommen, schlägt Linn ein Verfahren namens Tune Dem vor, dass wir Ihnen (hier) ausführlich vorstellen. Tune Dem beschränkt sich dabei nicht allein auf das Bewerten raumakustischer Klangeinflüsse: Vielmehr stellt es ein ganzheitliches Verfahren dar, das sich ausschließlich an der musikalischen Wiedergabefähigkeit der Anlage ausrichtet. Sie können Tune Dem daher auch zur allgemeinen Beurteilung von HiFi-Komponenten heranziehen – es stellt sozusagen die „Linn-Bibel für besten Klang“ dar.

Als äußerst attraktive, praxisnahe und erheblich schnellere Alternative zu Linn Tune Dem empfiehlt LowBeats den Lautsprecherrechner von Dr. Jörg Hunecke, den Sie kostenlos unter http://www.hunecke.de/de/rechner/lautsprecher.html online nutzen können. Nachdem Sie auch bei diesem Ihre Raumabmessungen eingegeben haben, können Sie via Mausklick per Drag und Drop die günstigsten, akustischen Positionen von Lautsprechern und Hörplatz in Ihrem Raum auf optischem Wege ermitteln – und das sogar in Echtzeit.

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Bild 4: Der Lautsprecherrechner von Dr. Jörg Hunecke erlaubt optimales Positionieren von Boxen und Hörplatz Maus-gesteuert in Echtzeit. Grüne Bereiche stellen akustisch günstige Standorte für Hörplatz und Lautsprecher dar. Im Frequenzgang-Diagramm oben links lassen sich sogar die entsprechenden Raummoden und ihre Intensität ablesen. (Bild: LowBeats)

Doch egal, ob via Linn Tune Dem oder Dr. Huneckes Lautsprecherrechner ermittelt – die gefundenen, optimalen Lautsprecher- und Hörplatz-Standorte sollten Sie sorgfältig notieren, denn diese bilden die Ausgangsdaten für die Option „Ideal Speaker Positioning“ in Linn Space Optimisation.
Häufig kommt es jedoch vor, dass sich akustisch ideale Lautsprecher-Positionen nicht mit optischen oder alltäglichen Gegebenheiten in Einklang bringen lassen, weil so beispielsweise ein Durchgang unmöglich wird. In diesem Falle bewegen Sie Ihre Lautsprecher, ausgehend von der idealen Position, an eine Stelle, wo diese gerade eben nicht mehr im Weg stehen oder aber sich optisch deutlich besser einfügen. Auch diese Positionen sollten Sie notieren, denn sie bilden die Ausgangsdaten für die Option „Practical Speaker Positioning“ in Space Optimisation.

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Bild 5: Im Room Setup geben Sie Ihre möglichst genau ermittelten Raumabmessungen ein. Auch die Flächen für vorhandene Türen oder Fenster sowie die Baumaterialien werden hier abgefragt. (Bild: LowBeats)
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Bild 6: Space Optimisation unterscheidet zwischen idealer und praxisgerechter Lautsprecherposition. Dabei lässt sich wählen, welche von beiden als Grundlage zur Dimensionierung der Filter dient. (Bild: LowBeats)
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Sorgt für Präzision: die Lautsprecher-Datenbank

Während ein frequenzmäßiges Bestimmen von Raumeigenmoden mathematisch relativ einfach ist, erfordert das Berechnen ihrer an den unterschiedlichsten Stellen im Raum jeweils herrschenden Schalldruckpegel deutlich mehr Rechenaufwand – schließlich gehen hier nicht nur die Positionen, sondern auch die technische Daten der Lautsprecher in das Ergebnis ein.
Für eine möglichst präzise Berechnung der Kerbfilter greift LSO daher auf eine umfangreiche Lautsprecher-Datenbank zurück, die derzeit etwa 1.000 gemessene Modelle der unterschiedlichsten internationalen Hersteller umfasst. Gemessen bedeutet, dass Linn ihre Abmessungen, ihre Chassisanordnungen sowie deren Positionen auf der Schallwand ebenso erfasst hat wie ihren Impedanzverlauf, aus dem sich die Tieftonwiedergabe-bestimmenden Thiele-Small-Parameter ableiten lassen.
Zusätzlich zu Raumabmessungen und Lautsprecher- und Hörplatz-Standorten müssen Sie daher bei Space Optimisation auch Ihr Lautsprechermodell aus der Bibliothek auswählen, wobei gemessene Schallwandler durch ein Lineal-Symbol gekennzeichnet sind.
Bei dem weltweit beinahe unüberschaubaren Lautsprecher-Angebot ist es natürlich möglich, dass Ihr Lautsprecher derzeit messtechnisch noch nicht erfasst ist: In diesem Falle erfolgt eine vereinfachte Filter-Berechnung über das Modell einer Punktschallquelle.

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Bild 7: In der Lautsprecher-Bibliothek finden sich bislang etwa 1.000 Modelle aller wichtigen Lautsprecherhersteller. Das Lineal-Piktogramm zeigt an, dass dieses Modell messtechnisch für Space Optimisation komplett erfasst ist – nicht gekennzeichnete Modelle werden etwas weniger genau als Punktschallquelle gerechnet. (Bild: LowBeats)

Eins draufgesetzt: Space Optimisation+

Alle Linn-Geräte mit der hauseigenen Exakt-Schnittstelle erlauben einen verlustfreien, digitalen Signaltransfer bis unmittelbar zu den Lautsprecherendstufen, was kompromisslose, aktive Mehrwege-Systeme mit digitalen Frequenzweichen ermöglicht. Hier kann Space Optimisation noch eine zusätzliche Einflussgröße berücksichtigen, nämlich die unterschiedlichen Laufzeiten der von den einzelnen Chassis wiedergegebenen Frequenzbereiche – und genau das macht Space Optimisation+. Prinzipbedingt ist eine solche Laufzeit-Korrektur bei Passiv-Boxen mit ihren unterschiedlichsten Frequenzweichen-Konfigurationen auf externem rechnerischen Weg kaum realisierbar, sodass Space Optimisation+ ausschließlich in Verbindung mit Exakt-tauglichen Frequenzweichen, Mehrwege-Endstufen oder Aktiv-Lautsprechern funktioniert.

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Bild 8: Space Optimisation+ ermöglicht zusätzlich die Laufzeitkorrektur der einzelnen Chassis bei Mehrwege-Systemen. Voraussetzung hierfür ist dabei die digitale Exakt-Schnittstelle zur digitalen Frequenzweiche in der Mehrwege-Endstufe oder Aktivbox. (Grafik: Linn)

Fazit: Was Linn Space Optimisation kann – und was nicht

Tieffrequente Raumresonanzen gehören ohne Frage zu den größten raumakustischen Übeltätern. Auf diese hat es Linn Space Optimisation denn auch besonders abgesehen – und das sogar ausgesprochen konsequent. Wie wir mit einem professionellen Raummodenrechner überprüft haben, bestimmt es die tieffrequente Modenlandschaft im Raum sehr präzise und trifft zudem bei der Berechnung und Dimensionierung der Filter die richtigen Entscheidungen. Da Linn Space Optimisation auch Abmessungen und elektroakustische Parameter der Lautsprecher in das Rechenergebnis mit einbezieht, kann die Pegelkorrektur sozusagen minimal invasiv und damit besonders klangschonend ausfallen.
Um den Rechenaufwand nicht ausufern zu lassen, geht Linn Space Optimisation wie bei solchen Systemen üblich von quaderförmigen Räumen als akustischem Grundmodell aus: Wer sich intensiver mit LSO befasst, kann mit den vorgeschlagenen Annäherungsverfahren (hier klicken) jedoch auch nicht reckteckige Räume oder solche mit Dachschrägen hinsichtlich Raummoden optimieren. Darüber hinaus ist individuelles, manuelles Feintuning aller durch Konfig errechneten Filtereinstellungen jederzeit möglich.

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Bild 9: Nach Betätigen der Optimise-Funktion errechnet Konfig die zur Raummoden-Unterdrückung benötigten Filterkoeffizienten und liest sie automatisch in die Linn-Komponente ein. Die einzelnen Filter lassen sich dabei individuell aufrufen und über das Eingabefeld feinfühlig auf manuellem Wege editieren. (Grafik: LowBeats)

Ob manuell, automatisch oder Mikrofon-gestützt – wie für sämtliche Verfahren, die mit steilflankigen Kerbfiltern Raumresonanzen zu Leibe rücken, gilt auch für Linn Space Optimisation: Die Raummoden-Optimierung erfolgt prinzipbedingt ausschließlich für einen bestimmten Hörplatz bei einer festgelegten Lautsprecher-Aufstellung – einen halben Meter entfernt kann das Ergebnis bereits wieder ganz anders ausfallen. Auch ermittelt LSO weder die optimalen Standorte für Ihre Lautsprecher und den Hörplatz, noch wirkt es beeinflussend auf die Nachhallzeit bei mittleren und hohen Frequenzen.

Linn Space Optimisation kann und will also den erfahrenen Raumakustiker keineswegs überflüssig machen. Allerdings ist es ein sehr effizientes, zudem kostenloses Mittel, um auch unter ungünstigen akustischen Bedingungen Musik an einem definierten Platz sehr wohl „anhörbar“ zu machen – was sonst nur mit aufwändigen und teuren „Bassfallen“ möglich wäre. Der besondere Reiz von LSO liegt zudem nicht nur in dem, was es kann, sondern auch, wie smart Linn es in seinen Komponenten verwirklicht hat.