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Manger MSMs1 Scene
Aktivlautsprecher Manger MSMs1; ab 15.200 Euro das Paar (Foto: Manger Audio)

Test: Aktiver Standlautsprecher Manger MSMs1

Wohl kaum ein anderer Lautsprecher in der HiFi-Welt zeigt mehr Eigenständigkeit als einer aus der Manufaktur Manger Audio, ansässig im fränkischen Mellrichstadt. Musterbeispiel hierfür ist ohne Frage der hier vorgestellte, aktive Standlautsprecher Manger MSMs1 – zu allererst mal optisch, denn sein ausgesprochen ästhetisches Erscheinungsbild ist schlichtweg umwerfend: Genau so etwas möchte man als anspruchsvoller Kunde bei sich zuhause im Wohnzimmer vorfinden – und ist schon allein deshalb auch gern bereit, die dafür erforderlichen 15.200 Euro aufzubringen.
Der elegante, optische Auftritt des Manger MSMs1 sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei ihm um einen stattlichen Standlautsprecher handelt. Das äußert sich weniger in den ausgesprochen wohnraumfreundlichen Abmessungen als vielmehr in seinem – gemessen an der Größe – erstaunlich hohem Gewicht von immerhin 48 Kilogramm pro Einheit. Die formale Leichtigkeit im Zusammenspiel mit seiner unerschütterlichen Massivität schafft dabei einen reizvollen Kontrast, dem man sich kaum entziehen kann – nicht umsonst also ist der Manger MSMs1 mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet worden.

Manger MSMs1
Mit seiner ästhetischen Formensprache macht der Manger MSMs1 in jedem Farbfinish eine gute Figur (Foto: J. Schröder)

Außergewöhnlich auch seine Verarbeitungsqualität: So bereitet es ein ebenso optisches wie haptisches Vergnügen, wo immer man auch hinschaut oder hinfasst. Umso erfreulicher deshalb auch, dass Manger als Manufaktur in der Lage ist, den MSMs1 im nahezu beliebigem Outfit anzufertigen. Ob Nextel-beschichtet, in RAL-Farbtönen seidenmatt lackiert, ob furniert oder gar in UltraHigh Gloss – Sonderanfertigungen sind sozusagen eine Spezialität des Hauses. 
Drum ist man bei Manger denn auch zu Recht stolz darauf, dass es sich beim MSMs1 vom Scheitel bis zur Sohle um ein Produkt „Made in Germany“ handelt. So werden die „Herzstücke“, nämlich die Manger-exklusiven Wandlersysteme, von erfahrenen Fachkräften in der Mellrichstädter Manufaktur gefertigt. Was sich hier so lapidar liest, ist in Wahrheit echte Präzisionsarbeit, die mehr an Uhrmacherkunst denn an Schallwandlerbau erinnert: Selbst das Manger-typische, elastische Membranmaterial wird im eigenen Betrieb nach einer streng gehüteten Rezeptur hergestellt. In Mellrichstadt erfolgen auch die finale Montage der Lautsprecher sowie der individuelle Abgleich mitsamt der Endkontrolle.

Manger MSMs1: die Technik

Hinter jedem „Outstanding Product“ verbirgt sich stets auch eine ebensolche Idee – im Falle des Manger MSMs1 ist es der exklusive Manger-Schallwandler (MSW), benannt nach seinem Erfinder und Firmengründer Josef W. Manger, der im Oktober 2016 im Alter von 87 Jahren verstarb. Als einstiger Importeur von Musiker-Equipment und Beschallungsanlagen war der querdenkende Perfektionist mit deren Qualität keineswegs zufrieden. Eingehende Untersuchungen brachten ihn schnell zur Erkenntnis, dass die Ursache hierfür gehörphysiologischer Natur ist. Evolutionsbedingt reagiert das menschliche Ohr auf die erste Zeitspanne eines Schallereignisses besonders sensibel – bereits wenige Mikrosekunden reichen aus, um die dazugehörige Schallquelle einwandfrei zu orten und größenmäßig einzuordnen.

Was dem Menschen einst als Lebensversicherung diente, lässt ihn heute die Schwächen üblicher Lautsprecher erkennen. Denn mit herkömmlichen Kolbenstrahlen wird die gehörphysiologisch eigentlich erforderliche, korrekte Impulswiedergabe kaum gelingen: Aufgrund ihrer Eigenschaft als Feder-Masse-System haben Kolbenstrahler stets mit mehr oder weniger langen Ein- und Ausschwingvorgängen zu kämpfen – solche verfälschten Schalldruckverläufe irritieren und ermüden Mangers Ansicht nach das Gehör und sind Ursache für einen „typischen Lautsprecherklang“.

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Typische Sprungantwort eines üblichen 3-Wege-Lautsprechers mit Kolbenstrahlern auf ein Rechtecksignal. Deutlich zu erkennen die zeitversetzten Reaktionsmuster der einzelnen Chassis (Grafik: Manger Audio)

Folglich ersann Manger einen Schallwandler, der die Feder-Masse-Problematik üblicher Lautsprecher geschickt umgeht. Zur Erläuterung an dieser Stelle eine Analogie zur Fahrzeugtechnik: Die Federung dient dazu, den Insassen eventuelle Unebenheiten der Fahrbahn zu ersparen. Das Abfangen der Stoßenergie übernehmen dabei die Federbeine. Diese sind so auf das Fahrzeuggewicht (Masse) abgestimmt, dass sich ein „träges“ Gesamtsystem (Tiefpass mit sehr niedriger Grenzfrequenz) ergibt: Unebenheiten oder Rauigkeiten werden quasi „weggefiltert“ und dringen daher kaum bis zum Fahrgastraum durch (Einschwingphase).
Je nach seinem Gewicht sowie der Nachgiebigkeit der Federbeine wippt das Fahrzeug jedoch eine gewisse Zeit auf und nieder, bis es nach einem Schlagloch wieder den endgültigen Ruhezustand erreicht (Ausschwingphase). Der Extremfall tritt ein, wenn periodisch auftauchende Fahrbahnunebenheiten das Fahrzeug in den Resonanzzustand bringen: Dann nämlich kann es buchstäblich von der Straße hüpfen.

Um das zu verhindern, besitzen Fahrzeuge neben Federbeinen auch Stoßdämpfer: Diese bringen einen definierten Anteil Reibung in das Feder-Masse-System (Federbeine und Fahrzeug), und stellen damit sicher, dass es sich nicht ungehindert aufschaukeln kann. 
Natürlich wirken sich die Stoßdämpfer nachhaltig auf die Fahreigenschaften aus: Je mehr Reibung sie aufweisen, desto straffer, direkter, aber auch kontrollierter reagiert das Fahrzeug: Zwar werden Fahrbahnunebenheiten stärker spürbar, aber das lästige Nachwippen entfällt und somit auch das gefährliche Aufschaukeln. Stoßdämpfer stellen quasi mechanische Absorber dar, welche die von den Rädern eingeleitete Stoßenergie in Wärme umwandeln – diese aber nicht wie Feder und Masse speichern.

Genau das ist der Knackpunkt, denn ohne gespeicherte potenzielle oder kinetische Energie entstehen auch keinerlei Ein- oder Ausschwingvorgänge. Und damit sind wir wieder beim Manger-Wandler: Anstelle einer üblichen, Feder- und Masse-gehemmten Kolbenmembran verwendet der MSW eine Widerstands-gehemmte, zäh-elastische plane Fläche. Diese reagiert auf die sie anregende Schwingspule quasi wie ein Stoßdämpfer – und ist damit prinzipiell frei von jeglichen Ein- und Ausschwingvorgängen. Setzt man eine ultraleichte Schwingspule voraus, erfolgt die Membranauslenkung praktisch verzögerungsfrei proportional zum die Schwingspule durchfließenden Strom – und genau das war es, was Manger wollte.

Step responses im Vergleich
Sprungantworten im Vergleich: Im Gegensatz zum herkömmlichen Dreiwege-Kolbenstrahler (unten rechts) liegt der Manger MSW (unten links) sehr dicht an der theoretisch idealen Impulsform (oben rechts). (Grafik: Manger Audio)

Entsprechend flott reagiert der MSW denn auch tatsächlich auf sprunghafte Eingangssignale – beispielsweise eine Rechteckschwingung. Manger gibt die Anstiegszeit mit gerade mal 13 Mikrosekunden an. Schon intuitiv liegt damit nahe, dass der MSW in der Lage ist, auch hohe Frequenzen wiederzugeben. Und richtig: Die einfache, mathematische Beziehung zwischen Anstiegszeit und Bandbreite (0,35/Anstiegszeit) attestiert dem MSW denn auch eine obere Grenzfrequenz (-3dB) von immerhin 27 Kilohertz, sodass er selbst oberhalb von 30 Kilohertz noch nennenswerten Schaldruck erzeugen kann.

Manger MSW Explosionszeichnung
Explosionszeichnung des MSW: Gleich 15 kräftige Neodymum-Magneten sorgen im Luftspalt für eine hohe Flussdichte von 1,3 Tesla. Der Antrieb muss Prinzip-bedingt ohne Zentrierspinne auskommen, was eine ultrapräzise Fertigung erfordert (Foto: Manger Audio)

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