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Der Vollverstärker Atoll IN 300
Der Atoll IN 300 ist ein sehr solide verarbeiteter und exzellent klingender Vollverstärker mit eingebauten DACs. Sein Preis liegt bei 2.800 Euro (Foto: H. Biermann)

Test Atoll IN 300: DAC-Amp mit Kraft und Feindynamik

Lange Zeit etwas abschätzig betrachtet, entwickelt französisches HiFi/High End in den letzten Jahren auch bei der Elektronik eine erstaunliche Zugkraft. Man könnte sagen: en marche! Devialet, Micromega und nicht zuletzt Atoll sorgen für richtig viel Bewegung im Markt. Nachdem wir  kürzlich den DAC/Streaming-Amp Micromega M One 100 feiern konnten, hat sich nun LowBeats Autor Andreas Günther mit dem Vollverstärker Atoll IN 300 einen eher klassischen Vertreter der neuen französischen Power-Generation vorgenommen. Hier ist sein Bericht:

Meine Güte, ist der  schwer. Die 17 Kilo des Atoll IN 300 sind ein Machtwort. Die meisten Vollverstärker seiner Klasse sind deutlich leichter. Wie kommt’s? Es ist zum einen das ausgesprochen solide Gehäuse mit der fast 5 Millimeter starken Aluminium-Front. Sie ist dick genug, dass die Franzosen dort eine optische Welle haben einfließen lassen können.

Die Front des Atoll IN 300
Zwei große Knöpfe, ein gut lesbares Display: Die Front des Atoll IN 300 wirkt elegant und sehr aufgeräumt (Foto: Atoll)

Aber erst der Blick unter die Haube zeigt die ganze Wahrheit: Hier waltet nicht nur ein Ringkerntrafo seines Amtes, sondern deren zwei. Gleich hinter dem Frontdisplay beginnt der Kraftweg. Ganz salopp formuliert: Wir könnten eine Kettensäge nehmen und den Atoll IN 300 in der Mitte aufteilen – das Gesamtbild der Schaltungen ist überaus symmetrisch. Das ist bestes, doppeltes Mono-Layout.

Der Aufbau des Atoll IN 300
Der Aufbau des Atoll IN 300 ist komplett dual mono. Das heißt: der linke und der rechte Kanal sind strikt getrennt (Foto: H. Biermann)

Hinter den identisch großen Ringkerntrafos steht ein ganzer Wald aus Kondensatoren und stabilisiert die beiden Netzteile. Die Kondensatoren sind vom Feinsten und stammen von Mundorf und Vishay.

Die Netzteil-Kondensatoren des Atoll IN 300
Die Netzteil-stabilisierende Bank an Kondensatoren (blau) kommt vom Spezialisten Vishay (Foto: H. Biermann)

Die Kraft kommt von MosFETs, die für einen substanziellen, warmen Klang stehen und die Atoll mit jeweils einem eigenen Kühlköper versieht. Das sieht bildschön aus, ist aber absolut notwendig: Schon nach kurzer Zeit werden sie richtig warm. Hier hat sich jemand einen Kopf gemacht und sehr genau darüber nachgedacht, wie ein Vollverstärker der Moderne aussehen kann.

Die MosFETs des Atoll IN 300
Die MosFETs sitzen wie üblich direkt auf den Kühlkörpern. Der Atoll In 300 hat sechs pro Kanal, die ihn  immerhin zu 2 x 150 Watt Sinus an 8 Ohm befähigen (Foto: H. Biermann)

Hinter dem Konzept stehen die beiden Brüder Stefane und Emmanuel Dubeuil. Gedacht und gefertigt wird da, wo Asterix die freie Welt verteidigt – in Gallien.

Schöner kann ein doppelter Mono-Aufbau nicht aussehen. Funktional stehen wir vor einem Amp, der die Vorstufe in einem Class-A-Aufbau belässt und für die Leistung eine Class-A/B-Stufe hinterher schiebt. Nominell stehen 150 Watt an acht Ohm zur Verfügung. Wir haben experimentiert: Einen Lautsprecher, den dieser Amp nicht anzutreiben vermag, haben wir nicht gefunden.

Der By Pass Modus des Atoll IN 300
Über die „By-Pass“-Einstellung lässt sich der Atoll IN 300 auch in ein Mehrkanal-System integrieren. Die Vorstufe mit Lautstärkeregelung wird dabei übersprungen; es werden dann nur noch die beiden Endstufen genutzt. Die Lautstärkeregelung passiert dann in der AV-Vorstufe (Foto: H. Biermann)

Auch das Bedienlayout überzeugt. An der Front gibt es nur zwei Drehknöpfe für die bekannten Aufgaben: Auswahl der Quelle und Lautstärke. Die Details dazu werden von einen herrschaftlich-brillanten OLED-Display wiedergegeben. Wer die schöne Einfalt sucht, hier wird er fündig. Der Blick auf die Rückseite zeigt die Gegenwelt: Insgesamt fünf analoge Cinch-Eingänge können hier verwaltet werden, dazu noch ein symmetrischer XLR-Eingang.

Lautsprecher- und XLR-Anschlüsse des Atoll IN 300
Der Atoll IN 300 verfügt über erfreulich stabile Lautsprecher-Anschlüsse sowie ein Paar XLR-Eingänge. Und sollte die Leistung der eingebauten Endstufen nicht reichen, ließe sich über den Pre-Out-Ausgang auch noch andere Endstufen ansteuern (Foto: H. Biermann)

Darüber hat Atoll einen Baustein mit unterschiedlichen Digital-Eingängen gruppiert. Wir kommen in den Amp über zwei koaxiale und zwei optische Eingänge hinein.

Die Digitaleingänge des Atoll IN 300
Die Digitaleingänge des Atoll IN 300. Links neben dem Digitalkabel von Goldkabel steckt unter der schwarzen Haube der Bluetooth-Empfänger (Foto: H. Biermann)

Zudem gibt es eine USB-Schnittstelle, die bis 32 Bit und 384 Kilohertz feinrastern kann. Das ist die Champions League der digitalen Ausbeute. Als ob dies noch nicht genug wäre, gibt es noch DSD bis 5.6MHz (DSD128) obendrein.

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