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Der Vollverstärker Exposure 2010 S2D in Silber
Der Vollverstärker Exposure 2010 S2D in Silber und von vorn. Der Mittlere der drei Exposure Vollverstärker leistet 2 x 75 Watt an 8 Ohm und kostet in der Basisversion 1.250 Euro (Foto: Exposure)

Test Exposure 2010 S2D: Der Puristen-Verstärker

Der Exposure 2010 S2D ist der Mittlere der drei Vollverstärker und wird wie der große 3010 S2D per Handarbeit in Sussex/Südengland gefertigt – siehe auch Exposure Übersichtsbeitrag. Nicht verwunderlich ist deshalb das sehr ähnliche Auftreten mit der stabilen Front aus gebürstetem Aluminium und den beiden großen Bedienelementen rechts darauf. Auch beim 2010 S2D folgte Exposure dem Glaubenssatz: viel Ausstattung ist unnötig, Klang ist wichtig. Nur fünf klassische, analoge Hochpegeleingänge stehen daher zur Wahl; einen davon kann man mit zusätzlicher MM- oder MC-Platine (plus 150 Euro) zu einem Phono-Eingang umbauen. Ein sechster Eingang (AV) ist – weil mit einem Festpegel versehen – nur bedingt einsetzbar. Mit diesem Eingang kann man den Exposure 2010 S2D und die angeschlossenen Stereo-Lautsprecher in ein Mehrkanal-System integrieren. Die Lautstärke wird dann über den angeschlossenen Mehrkanalprozessor gesteuert – nicht über den Regler des Exposure 2010 S2D.

Das Innere des Exposure 2019 S2D Vollverstärkers
Das Innere des Exposure 2010 S2D Vollverstärkers. Gut zu sehen sind der Ringkerntrafo von Toroid und die beiden großen Netzteil-Elkos (schwarz) links davon. Verborgen unter der Platine sitzen die Endstufen-Transistoren. Sie werden über die gesamte Bodenplatte gekühlt (Foto: H. Biermann)

Ein Blick unter den Deckel zeigt, dass Exposure auch beim 2010 S2D konsequent der Philosophie der kurzen Leitbahnen und der hohen Stromlieferfähigkeit folgt. Das Netzteil sorgt für wenigstens 2 x 120 Watt an 4 Ohm. Für einen klassisch diskret aufgebauten Vollverstärker dieser Preisklasse ist das gar nicht übel. Integrierte Schaltungen (ICs) sind bei Exposure Chef Tony Brady schlecht gelitten, deshalb verzichtet er darauf, wann immer es geht. Nicht zu sehen sind die bipolaren Endstufen-Transistoren, die unter der Platine sitzen und über die ganze Fläche des Bodenblechs gekühlt werden. Da muss man übrigens keine Bange haben: Der ganze Verstärker wird maximal handwarm.

Der Exposure 2010 S2D von hinten
Der Exposure 2010 S2D von hinten: 6 Eingänge (Cinch) und ein Vorstufenausgang für Bi-Amping oder den Anschluss stärkerer Endstufen (Foto: Exposure)

Wie auch in der größeren Serie 3010 gibt es passend zum Vollverstärker einen CD-Player (2010 S2 CD, 1.250 Euro) und eine Stereo-Endstufe namens 2010 Stereo Power (Preis: 1.000 Euro). Die Endstufe ist exakt das Modell aus dem Vollverstärker und könnte – so die favorisierte Idee der Briten – für ein Bi-Amping System genutzt werden. Klangliche Vorteile hat eine solche Verdoppelung der Endstufen fast immer. Nur die Lautsprecher müssen geeignet sein. Heißt: sie müssen ein Bi-Wiring-Terminal besitzen.

Doch im LowBeats HiFi-Hörraum musste sich der Exposure 2010 S2D ohne Bi-Amping Verstärkung beweisen. Zuerst gegen seinen kleinen Bruder 1010 S2, den er mit sehr viel mehr Kraft, Dynamik und punktgenauem Timing auf Abstand hielt. Allerdings blieb der Abstand nicht sehr groß, denn der 1010 S2 ist einer der besten seiner Preisklasse und betört den Zuhörer mit einem wunderbar natürlichen, samtigen und sehr weiträumigen Klangbild. Mit seiner Grundtonwärme und dem eher satten denn straffen Bass steht der 1010 S2 fast schon im Gegensatz zum kernig dynamischen Klangcharakter seiner größeren Brüder. Und der Exposure 2010 S2D übertreibt diesen Hang zum Kernigen auch noch etwas. Aufnahmen wie von Jan Gabarek mit dem Hillard Ensemble (Chor plus Saxophon) hatte über den 2010 S2D recht viele Härten, sodass ich mich öfter dabei ertappte, leiser zu drehen. Denn der kleine 1010 S2 machte das besser: Zwar nicht ganz mit dem lebendig-natürlichen Erlebnischarakter seines Bruders, doch aber mit mehr Ruhe und der Gelassenheit, die dieser kirchlichen Musik angemessen ist.

Verglichen mit dem Verstärker aus der Anlage des Monats Oktober, dem Marantz HD AMP 1, der vom tonalen Wesen dem 1010 S2 sehr ähnlich, aber doch etwas kräftiger ist, ergab sich das gleiche Bild. Der Exposure spielte viel dynamischer, lebendiger, irgendwie „schneller“ und viel klarer auf den Punkt. Doch die Geschmeidigkeit, der schöne, warmherzige Ton ist seine Sache nicht. Der 2010 S2D verlangt nach dynamischen Aufnahmen. Mit dem Exposure hatte ich bei Zappas Live in New York den Eindruck, mitten im Schlagzeug zu sitzen. Das ist auch eine Kunst, die Musik so hautnah zu präsentieren…

Die meisten Hörtests liefen an den überragenden Kompaktboxen Dynaudio Contour 20, die mit ihrem Preis von 4.500 Euro aber sicherlich nicht die perfekte Ergänzung für den 2010 S2 sind. Eine andere LowBeats Lieblingsbox aber spielte in Kombination mit dem mittleren Exposure ganz hervorragend: die KEF LS 50. Im Bass- und Grundtonbereich, wo die KEF etwas nachlässig agiert, hat der Exposure genau die richtige Schnelligkeit und Kontrolle, um beeindruckende Live-Erlebnisse zu schaffen.

Fazit: Der Exposure 2010 S2 ist mit seinen fünf analogen Hochpegeleingängen nicht sonderlich gut ausgestattet und kann lediglich mit einer optionalen Phonoplatine ergänzt werden. Aber immerhin bietet er sich mit einem AV-Eingang zur Einbindung als Zweikanal-Teil in ein Surround-System an. Klanglich polarisiert der Mittlere der drei Exposure Verstärker am stärksten, denn er setzt das bekannte Exposure Klangideal des dynamisch-lebendig-Kernigen etwas raubeinig um und ist deshalb nur für jene ein Tipp, die Musik am liebsten krachledern-lebendig hören.

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Exposure 2010 S2D

2016/12
Test-Ergebnis: 3,8

 GUT – SEHR GUT

Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Dynamisch-kerniger, lebendiger Klang
In ein AV-System integrierbar
Härten im Klangbild
Puristische Ausstattung

Vertrieb:
High Fidelity Studio
Dominikanergasse 7
86150 Augsburg
www.high-fidelity-studio.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Exposure 2010 S2D: 1.250 Euro