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Die Oberfläche der Heco Direkt Dreiklang
Die Heco Direkt Dreiklang ist eine große Box mit 40 cm Tieftöner und viel Dynamik-Headroom für 10.000 Euro pro Paar. Klanglich ein schwer beeindruckendes Erlebnis (Foto: H. Biermann)

Test Heco Direkt Dreiklang: Musikerlebnis mit 120 dB

„Respekt, wer es trotzdem macht“ möchte ich in Abwandlung eines bekannten Baumarkt-Slogans sagen und hier gleich einmal den Hut ziehen. Die Heco Direkt Dreiklang ist ein mutiger Lautsprecher. Einer, der eben nicht in unsere durchgestylte Zeit passt – und eigentlich auch nicht in den Heco Katalog. Folgt man gängigen Konventionen, haben Lautsprecher von heute klein oder wenigstens schlank zu sein. Und von beidem ist die Heco Direkt Dreiklang meilenweit entfernt: Volumen: 140 Liter, Gewicht: 68,4 Kilo, Abmessungen 124 x 70 x 35 cm (H x B x T). Eine allein ist schon beeindruckend, aber beide zusammen machen schon echt was her.

Heco Dreiklang als Wall Of Sound
1,4 Meter breit, 1,24 Meter hoch: Die beiden Heco Direkt Dreiklang nebeneinander als Wall Of Sound im LowBeats Hörraum (Foto: H. Biermann)

Akustisch aber macht ein solches Format durchaus Sinn, denn die meisten von diesen modern-schlanken Lautsprechern haben einen äußerst schlechten Wirkungsgrad. Schlecht heißt: um die 3%. Man muss also sehr viele Watt hineinpumpen, um wenigsten einen gehobenen Pegel zu erzeugen. Die Dreiklang ist das genaue Gegenteil: Ihre Treiber und ihre extrem breite Schallwand sorgen für einen – im HiFi – höchst seltenen Wirkungsgrad von 94 Dezibel (1 Watt/1 Meter). Damit ist sie etwa doppelt so laut wie die meisten der oben beschriebenen (schlanken) HiFi-Standboxen. Und ihre ebenfalls enorme Belastbarkeit sorgt dafür, dass ihr Maximalpegel an 120 Dezibel heranreicht.

Zur Erinnerung: 120 Dezibel entspricht auf der bekannten Lautheitsskala einem startenden Jumbo Jet. Oder lebensnäher: einem Metallica-Konzert direkt vor den PA-Lautsprechern. Auch ein großes klassisches Orchester kann Pegel in dieser Größenordnung erzeugen. Ein Ohrenarzt würde verzweifelt abraten, aber Musik so laut und unverzerrt zu erleben, ist eine besondere, sehr faszinierende Art des Hörens. Eine, die süchtig machen kann.

Vielleicht hat der eine oder andere Leser schon einmal das große Trio Hornsystem von Avantgarde Acoustic gehört. Vielleicht eine JBL Everest 67000 mit mehr als 1.000 Watt im Rücken, eine Backes & Müller Line 100 oder die von mir hoch geschätzte Tannoy Canterbury GR. Auch mit diesen Lautsprecher kann man wunderbar laut und lebensecht-dynamisch Musik hören und geradezu physisch erleben. Aber das ist dann nicht wirklich günstig.

Bei Heco gibt es Leute, die ebenfalls Freude an dieser Art des Hörens haben – allen voran der Leiter der Produktentwicklung, Shandro Fischer (hier im LowBeats Video-Interview), und der Entwickler Christian Gather, der die Dreiklang auch weitgehend konzipierte. Und weil Heco nun einmal Heco und nicht Avantgarde Acoustic ist, sollte das klangliche Ergebnis zwar ähnlich beeindruckend sein, der Preis aber deutlich niedriger liegen.

Dieses Ziel haben die beiden erreicht. Die Heco Direkt Dreiklang ist der einzige mir bekannte HiFi-Lautsprecher, mit dem man derart herrlich laut und unverzerrt hören kann und für den man „nur“ 10.000 Euro auf den Tisch legen muss. Bei dem Satz sträubt sich fast die Tastatur, denn natürlich sind 10.000 Euro immer noch sehr viel Geld. Aber ich habe im Laufe meines bisherigen Tester-Lebens sehr viele Lautsprecher in den Fingern gehabt, bei denen die Preis/Gegenwert-Relation erheblich schlechter war…

Die Heco Direkt-Familie
Die mächtige Dreiklang als Mittelpunkt der Direkt-Familie: links Einklang (mit Breitbänder), rechts die Zweiwege-Kombination Zweiklang (Foto: H. Biermann)

Ausgangspunkt für das Konzept der Heco Direkt Dreiklang war die kleinere Ur-Direkt (Paarpreis: 3.000 Euro), die jetzt Zweiklang heißt und bei LowBeats seit ihrem Test im Januar 2016 eine Art Referenzstatus hat. Mit diesem Zweiwege-Standlautsprecher hatten die beiden aber wohl – so scheint’s – nur geübt. Die Dreiklang ist die konsequente Erweiterung der Direkt-Idee nach oben: hoher Wirkungsgrad, große Dynamik, breite Schallwand, Röhren-geeignet.

Die Treiber für ein solches Produkt fallen auch bei Heco nicht von der Stange. Tieftöner im 40 Zentimeter-Format sind im HiFi so gut wie ausgestorben. So laute Mitteltöner ebenfalls. Der Tief- wie auch der 21 Zentimeter Mitteltöner sind daher komplette Neuentwicklungen – speziell für dieses Hochwirkungsgrad-Konzept entwickelt. Der Hochtöner stammt aus der kleineren Zweiklang. Doch was für die kleinere Schwester noch perfekt war, war für die Dreiklang weder gut noch laut genug. „Wir haben alles an Magneten drangehängt, was noch sinnvoll war“, sagt Entwickler Christian Gather augenzwinkernd. Man glaubt es ihm: Drei Magnetringe hintereinander habe ich bei einem Hochtöner noch nie gesehen.

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Der Hochtöner der Heco Direkt Dreiklang
Der Hochtöner der Heco Direkt Dreiklang ist wie Mittel- und Tiefton auf hohen Wirkungsgrad gezüchtet. Man sieht es an den drei Magnetringen, die die Gewebekalotte auf über 95 db/Watt/Meter bringen. Das ist ein exzellenter Wert (Animation: Heco)
Der Tieftöner der Heco Direkt Dreiklang
Der Mitteltöner der Heco Direkt Dreiklang ist ein richtiger Mitteltöner ohne Tiefbass-Ambitionen und auf hohen Pegel gezüchtet. Die Membran besteht aus festem, so genannten Kraftpapier (Zeichnung: Heco)
Der 15 Zoll Bass der Heco Direkt Dreiklang
Der Tieftöner der Heco Direkt Dreiklang hat einen Außendurchmesser von 39,5 Zentimeter und eine Membran aus sehr festem, aber leichtem Kraftpapier. Festgehalten wird der Bass – wie auch der Mitteltöner – von einem polierten Ring aus Aluminium (Zeichnung: Heco)
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Noch einmal Christian Gather: „Wir konnten beim Tieftöner nicht einfach einen unserer Subwoofer-Bässe nehmen. Die sind auf möglichst viel Tiefbass aus kleinen Gehäusen ausgelegt und haben eine sehr hohe bewegte Masse. Da spielt der Wirkungsgrad keine Rolle. Den 15 Zöller der Dreiklang habe ich auf „Speed“ getrimmt; da sind andere Aspekte wie wenig bewegte Masse wichtig.“

Deshalb hat beispielsweise der große Tieftöner „nur“ eine Schwingspule mit 75 Millimeter Durchmesser. Normal in dieser Größenordnung sind 100 Millimeter. Aber die sind halt auch schwerer. Und weil die Membran ebenfalls so leicht und steif wie möglich sein sollte, verwendet Gather auch beim Bass das so genannte Kraftpapier. Das ist das Papier mit der höchsten Festigkeit.

Die Basshgröße der Heco Direkt Dreiklang
Manchmal braucht man einen Maßstab: Gegen den gewaltigen Bass ist das CD-Cover doch vergleichsweise klein… (Foto: H. Biermann)

Schraubt man den Tieftöner aus dem Gehäuse heraus, wird der Blick auf die Frequenzweiche frei, die mehr oder minder direkt hinter dem Bass sitzt. Bei solchen Konstruktionen habe ich immer Bedenken: Zum einen sind die Bauteile im Feld des kräftigen Bass-Magneten, zum anderen im Druckbereich seiner Schallwellen. Doch Gather beruhigte mich: Er hätte alle nötigen Versuche dazu unternommen. Seiner Meinung nach klingt der Lautsprecher mit der Weiche an dieser Stelle genauso wie an einer weiter entfernten Position.

Weil die Schallwand der Dreiklang so groß ist und Gather ein unnatürlich großes Klangbild vermeiden wollte, begrenzt die Frequenzweiche den  Tieftöner bereits oberhalb 200 Hertz; das für das Ohr klanglich wichtigste Geschehen kommt somit ausschließlich von Mittel- und Hochtöner, die eng bei einander sitzen. So bleibt das Klangbild kompakt.

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