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Die Front des McIntosh MA 7900 AC
Der McIntosh MA 7900 AC ist das Sinnbild von einem kraftvollen Vollverstärker: Er ist groß, schwer und leistet 200 Watt pro Kanal. Sein Preis: 8.950 Euro (Foto: McIntosh Labs)

Test McIntosh MA 7900 AC – Power & Passion

Der McIntosh MA 7900 AC ist nicht einmal das größte Gedeck im Programm und doch einer der beeindruckendsten Vollverstärker, die im HiFi zu haben sind. Ein Vollverstärker-Statement, das mit seinen fast 20 Zentimeter Höhe über 34 Kilo wiegt. Eine Maschine, die schon auf der Front zeigt, was sie alles kann und ihre Leistungsabgabe mit den großen, bezaubernden blauen VU-Metern mitteilt. Ein Kraftwerk, das von oben aussieht wie der V8 Motorblock eines 7er BMW unter der Motorhaube. Nur, dass hier keine Haube vorhanden ist: Der McIntosh MA 7900 trägt alles öffentlich zur Schau, auf der Phalanx seiner verkapselten Bauelemente stehen halbe Romane. McIntosh ist eben besonders. Und für Leute wie mich mit meiner HiFi-Biografie auch besonders schön. Zu Einstimmung hier eine Slideshow mit einigen ästhetischen Aufnahmen aus dem Fotostudio eines befreundeten Fotografen:

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Der McIntosh MA 7900 AC von vorn
Der McIntosh MA 7900 AC von vorn (Foto: S. Herx)
Der McIntosh MA 7900 AC von hinten
Der McIntosh MA 7900 AC von hinten (Foto: S. Herx)
Der McIntosh MA 7900 AC von oben
Der McIntosh MA 7900 AC von oben (Foto: S. Herx)
Der McIntosh MA 7900 AC von innen
Selbst der Platinenaufbau hat etwas Ästhetisches: Der McIntosh MA 7900 AC von innen (Foto: S. Herx)
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Auch die stattliche Grundfläche von 44,5 cm (Breite) x 56 cm (Tiefe) ist außergewöhnlich und macht deutlich, dass man den McIntosh MA 7900 AC nicht irgendwo im 08/15-Regal verräumen kann: Er verlangt nach sehr viel Platz. Der Zusatz „AC“ ist übrigens eine rein deutsche Geschichte. Der hiesige Vertrieb Audio Components (AC) veredelt die Macs – unter Zustimmung von McIntosh – mit einzelnen Kondensatoren an klangsensiblen Stellen sowie mit den sehr gut klingenden, auch optisch auffälligen (blauen) Shunyata Netzkabeln.

Die Abmessungen des McIntosh MA 7900 AC
Die Zeichnungen zeigt die ungewöhnliche Bautiefe des McIntosh MA 7900 AC (Skizze: McIntosh Labs)
Die Ausstattung des McIntosh MA 7900 AC ist derartig propper, dass ich mir fast nicht vorstellen kann, wie man alles nutzen soll. Neben 6 Cinch-Eingängen gibt es auch einen XLR-Eingang sowie einen optischen und einen koaxialen Digitaleingang. Und auch für den Anschluss eines Computers ist alles gerichtet. Die auf der Rückseite befindliche USB-Buchse, der dritte Digitaleingang, unterstützt Signale bis zu 32/192, ist allerdings nicht DSD-fähig. Für den Betrieb mit Apple Rechnern sind die Treiber schon vorinstalliert, den entsprechenden Treiber für Windows-Geräte gibt es auf der Website von McIntosh Labs. Als Apple User musste ich diesen Schritt nicht gehen, sondern konnte einfach einstöpseln. Das klangliche Ergebnis ist über jeden Zweifel erhaben. Man kann über die Traditionalisten von McIntosh sagen, was man will: Die Digitalsektion ist zwar von der Auflösung her nicht auf allerletztem Stand, aber klanglich  seit vier, fünf Jahren erste Sahne. Jedenfalls klangen die auf meinem Rechner gespeicherten HiRes-Aufnahmen wunderbar natürlich, offen und substanziell-souverän. So muss es sein.
Der MA 7900 AC von hinten
Der MA 7900 AC von hinten zeigt die ganze Anschluss-Vielfalt. Auffällig die insgesamt acht Lautsprecheranschlüsse  (Foto: McIntosh Labs)


Auch die Phonostufe ist ambitioniert. Sie ist sowohl für MM- wie MC-Systeme umschaltbar und eröffnet die Möglichkeit, die jeweiligen Tonabnehmer anzupassen. Das Ergebnis ist so gut, dass man auf externe Phonstufen durchaus verzichten kann: Der Klang der Mac-Phonostufe ist substanziell-relaxed – im Grunde so, wie der gesamte Verstärker klingt. Das letzte Quäntchen Auflösung liefern allerdings andere Top-Komponenten noch überzeugender… Drei weitere Ausstattungsmerkmale halte ich für erwähnenswert: 1.) Den „pass through modus“, der den McIntosh MA 7900 AC und die angeschlossenen Stereo-Lautsprecher per Knopfdruck zu einem wichtigen Teil eines AV-Systems macht. 2.) Der 5-Band-Equalizer auf der Front. Als ich den Mac auspackte, habe ich mich auf nichts mehr gefreut, als endlich einmal wieder an den Reglern eines solchen Equalizers zu drehen. Und tatsächlich ist es irgendwie auch ganz nett, aber man muss nicht glauben, mit diesem EQ ernsthaft akustische Raumprobleme oder Ähnliches lösen zu können.

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Die Einsatzbereiche des 5-Band EQs des MA 7900 AC
Die Einsatzbereiche des 5-Band EQs des MA 7900 AC (Simulation: McIntosh Labs)
Der Frequenzbereich wichtiger Instrumente und die Einsatzfrequenzen des 5-Band EQs  (Quelle: McIntosh Labs)
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Im LowBeats Hörraum habe ich lange damit experimentiert, aber wirklich besser wurde es nicht. Die Dröhnfrequenzen, die in deutschen Wohnräumen am häufigsten auftreten und am meisten stören, sind jene zwischen 60 und 80 Hertz. Die erwischt man mit dem EQ des McIntosh MA 7900 AC nur am Rande. Den EQ nutzte ich vor allem, um alte Cassettenaufnahmen und LPs aus den frühen 1980er Jahren aufzumöbeln; dafür ist die Funktion klasse. Fehlen noch 3.) die Vorstufenausgänge. Braucht ein derart kräftiger Vollverstärker tatsächlich Vorstufenausgänge, um daran noch kräftigere Endstufen anzuschließen? In der McIntosh Welt offenkundig schon. Immerhin haben die Amerikaner auch Endstufen mit 2.000 Watt (MC 2KW) im Programm. Und außerdem kann man bei zwei Vorstufenausgängen auch herrlich mit Bi- oder Tri-Amping experimentieren.
Der McIntosh MA 7900 AC begnügt sich angeblich mit 200 Watt pro Kanal. Sinus natürlich. Und das an jeder Impedanz-Last zwischen 8 und 2 Ohm. Angeblich deshalb, weil alle McIntosh Verstärker bei allen Leistungs-Messungen immer weit oberhalb ihrer Angaben liegen. Es ist wie bei Rolls Royce in den 1970er Jahren, wo die Frage nach der Leistung immer mit „genug“ angegeben wurde. Dass der 7900er seine Leistung so konsequent stabil an allen Impedanzen bereitstellt, liegt vor allem an zwei Bauelementen, die in seiner beeindruckenden Architektur von oben gut zu sehen sind: die Autoformer.

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