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Der Rotel A14 im LowBeats Hörraum
Der Rotel A14 im LowBeats Hörraum. Der mit 1.280 Euro teuerste der drei Rotel Vollverstärker zeigte sich standesgemäß als der klanglich überlegene (Foto: H. Biermann)

Test Rotel A14 – Vollverstärker der Moderne

Wir sind ganz oben – und sehen es kaum. Der Rotel A14 wirkt inner- wie äußerlich wie die direkte Kopie des A12. Angeblich sollen sich 20 Watt mehr, also insgesamt 80 Watt aus der Schaltung heraus holen lassen. Ansonsten gleichen sich die Bilder der beiden Brüder auffällig. Der größte Unterschied ist hinten zu erkennen: Wir kommen auch mit einem Ethernet-Anschluss in den A14 hinein. Das macht ihn zwar nicht Streaming-fähig, aber ermöglicht dem Besitzer, den Rotel A14 über eine entsprechende Steuerung in ein Multiroom-System einzubinden.

Der Rotel A14 von hinten
Der Rotel A14 von hinten zeigt die ganze Vielfalt seiner Anschlussmöglichkeiten. Der einzige, sofort erkennbare Unterschied zum sehr ähnlichen A12 ist der Ethernet-Anschluss oberhalb der Lautsprecherausgänge (Foto: B&W)

Zugleich legt die Feinheit der digitalen Ausbeute zu. Hier hätten wir einen AKM Wandler-Chip, der bis 32 Bit und 768 Kilohertz auflöst; der Wolfson Chip des A12 kommt bis maximal 24 Bit und 192 Kilohertz. Aber der Rotel A14 ist ja auch der neueste und modernste Rotel Amp: Das ist also standesgemäß.

Rotel A14
Auch das analoge Ausgangsfilter für den DAC-Chip beim Rotel A14 ist mit Einzelbauteilen, also diskret aufgebaut (Foto: J. Schröder)

 

Und natürlich hat auch der A14 den AptX-fähigen Bluetooth-Anschluss, die erstaunlich gute Phono-(MM-) Platine sowie den ebenfalls sehr guten Kopfhörer-Ausgang. Den allerdings – wie auch A12 und A10 – ohne Impedanzanpassung.

Als Konsument muss ich mir also überlegen: sind die 20 Watt mehr und der bessere D/A-Wandler tatsächlich ausreichend für einen Kaufanreiz? Denn alles weitere kann ja auch der kleinere A12 für 300 Euro weniger: Die Steuerung der Klangfeinheiten erfolgt über das Display. Jeder weitere Knopf ist an der gleichen Stelle wie beim A12. Der Blick unter die Haube zeigt ebenfalls den hohen Verwandtschaftsgrad zum A12. Auch hier liegt hinten links ein wuchtiger Ringkerntransformator. Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass dieser noch einen Tick größer ist als der des A12. Auch hier sind mittig die Kühlrippen nach dem Kaminprinzip angeordnet und mit acht Sanken Transistoren bestückt. Die zentrale Platine ist vollbestückt. Wir erkennen zudem symmetrische Elemente – hier wurden lange Strecken nach dem Prinzip der doppelten Mono-Architektur gestrickt. Alles natürlich als Class-A/B-Schaltung ausgelegt.

Die Bauteile des Rotel A14
Die Bauteile des Rotel A14 auf einen Blick: Trafo (unten rechts) und Netzteil-Kondensatoren (links daneben) sind sogar für Rotel gelabelt. Ganz links unten: die erstaunlich substanzielle aufspielende Phonostufe mit ganz kurzen Signalwegen (Foto: B&W)

Der Rotel A14 im Hörtest

Covert Art "Sgt Peppers" von den Beatles
Eines der originellsten Alben der Musik-Geschichte neu remastered: Sgt. Peppers von den Beatles. Hörenswert! (Cover Amazon)

Gibt es wirklich Klangunterschiede zum Rotel A12? Doch, sie sind da, aber fein. Ich habe meine Lieblingsaufnahme unter den Singer/Songwritern aufgelegt. Christian Kjellvander singt und begleitet sich auf der Gitarre. Was diese Aufnahme so besonders macht: Die Tontechniker von Stockfisch Records haben sie mit dem besten Equipment eigefangen und einen Super-Mix vorgelegt. Der Rotel A14 schuf daraus eine besondere Atmosphäre. Das war alles auf den Punkt genau, jede angerissene Saite hatte Format und das, was die Profis die „Kugelgestalt“ des Klangs nennen. Dazu die Souveränität in der absoluten Tiefe. Paul McCartney lässt beispielsweise seine „Pipes of Peace“ mit Kriegsgedonner beginnen. Das geht enorm in den Basskeller hinab, so mancher Verstärker verschluckt sich daran und verliert dann den Nachdruck als auch die Kontrolle. Nicht so der Rotel A14. Das war noch souveräner als am kleineren Rotel A12.

Und wieder das remasterte Beatles Ausnahme-Album Sgt. Pepper’s als Testmusik. Der neue Mix ist rasant gut geraten. Das wunderschöne „Within You Without You“ glänzt in komplett neuer Präsenz. Die Klänge von Sitar und Tabla sind brillanter, die Stimme von George Harrison dringt sehr viel deutlicher als bei der Ur-Aufnahme aus der Boxenachse. Über allem liegt ein heller Schimmer, den schlechte Vollverstärker nicht auferstehen lassen können. Der A14 konnte es in unserem Hörtest. Er gab ein Fest der vielen kleinen Informationen.

Cover Art Diana Krall Turn Up The Quiet
Ein überragendes Album und auch als HiRes FLAC 192 : Diana Krall Turn Up The Quiet (Cover: Amazon)

Wie hält es der Rotel A14 mit Klassik? Wir haben eine echte Herausforderung aufgelegt: Lorin Maazel dirigiert die Wiener Philharmoniker bei den gesammelten Symphonien von Jean Sibelius. Das ist Wundermusik. Vor allem wunderbar frisch remastered von den Tontechnikern der Decca. Ein Amp muss sich bei dieser Musik entscheiden, ob er den Fokus auf die Einzelinstrumente legt oder lieber das große Panorama ausstellen will. Der goldene Weg liegt in der Mitte. Genau das beherrschte der A14 vorbildlich. Das war satt und kraftvoll, präsent und punktgenau. Von Seiten Rotel ist dies ein großer Wurf. Den auch beim Test des A12 zum Vergleich herangezogenen Vollverstärker Exposure 2010 S2D hielt der A14 mit noch mehr Feinsinn auf Distanz.

Aber nun die Gretchenfrage: Klingt der AKM-Chip des Rotel A14 mit zugespielten HiRes-Files hörbar besser als der Wolfson im A12? Ja. Wir haben die CD der Kalenderwoche 21, Diana Krall Turn Up The Quiet beim Spezialisten für hochauflösende Musik, highresaudio, heruntergeladen und mit beiden Rotel Verstärkern angehört. Man muss diese Musik nicht mögen, jedoch zugestehen, dass man auf dieser Aufnahme eine Menge hört: die ganzen Feinheiten von Kralls dahingehauchter Stimme, eine sehr genaue Positionierung der einzelnen Instrumente. Und ja: Der Rotel A14 brachte die Aufnahme noch lebendiger, feiner, müheloser an die Lautsprecher.

Apropos: Wir haben einen Großteil der Hörtests mit den überragenden Dynaudio Contour 20 durchgeführt. Mit denen hört man fast alles und wenn die Preisdifferenz (Contour 20: Paarpreis 4.500 Euro zu Rotel A14: 1.280 Euro) nicht so stattlich ausfiele, wäre das ein ernstzunehmender Tipp. Auch die KEF Q950, die uns am A12 so gut gefallen hat, spielt natürlich auch mit dem A14 überragend gut zusammen. Mit den richtigen Aufnahmen entstehen hier ganz große Klangbilder.

Und dann tun wir es doch: eine Kombinations-Empfehlung mit einer B&W-Box. Und zwar mit der B&W CM 683 S2. Ich habe die Dreiwegebox mehrfach mit dem A14 bei Händlern gehört. Das ist alles sehr stimmig und spielt auch an den Frequenz-Enden sehr überzeugend. Der Begriff, der mir dazu sofort einfiel war: klanglich und optisch absolut mehrheitsfähig. Zudem macht B&W auf ihrem Webportal „die gute Anlage“ gerade ein höchst interessantes Angebot zu diesem Thema…

Fazit Rotel A14 – der Modernste und Beste

Der Rotel A14 ist für alle, die einen in allen Belangen modernen Verstärker wollen. Im Kern spielt der Rotel A14 in der gleichen Liga wie sein kleinerer Bruder A12. Und trotzdem gibt es entscheidende Zugaben: 20 Watt mehr, der bessere Digital/Analog-Wandler und der Zugang per Ethernet. Das macht den Rotel A14 zum modernsten, komplettesten und klanglich überlegenen Vollverstärker der Familie. Standesgemäß. Und einfach noch zu günstig, um den kleineren A12 ernsthaft zu bevorzugen.

Lesetipps:
Familientest Rotel Vollverstärker A10, A12 und A14 – die Übersicht
Test: Rotel A10
Test: Rotel A12

Test Exposure 2010 S2D
Test Edel-Kompaktbox Dynaudio Contour 20
Test: Koax-Standbox KEF Q950

Rotel A14
2017/06
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Druckvoller, feiner, offener Klang
HiRes fähig bis 32/384 kHz
Integrierbar in Multiroom-Systeme
Sehr günstig

Vertrieb:
B&W Group Germany GmbH
Kleine Heide 12
33790 Halle / Westfalen
www.bowers-wilkins.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Rotel A14: 1.280 Euro