Wenn man Kabelklang insgeheim für überschätzt hält, leuchtet die Idee eines Dreiervergleichs – noch dazu vom selben Hersteller – erstmal nicht so ein. Bei den Zavfino-Phonokabeln siegte aber doch zuerst die Neugier, und dann der Hörgenuss.
Da ich nicht reflexartig „hier!“ schreie, wenn es Kabel zu testen gibt, stößt man in meinem Hörraum überwiegend auf gut abgehangene Drähte. Bei den Phonokabeln sind das Linns eigenes „Silver“-Kabel, das Van den Hul D-501 Silver Hybrid, sowie das nur noch antiquarisch zu findende Sunwire Phono Reference, das der einstige Mark-Levinson-Vertrieb Sun Audio herstellte – mit Madrigal-Steckern, Mumetallschirm, GoreTex-Teflondielektrikum und Silberleitern seinerzeit ein Hammerkabel, das ich sowohl in Cinch- als auch in XLR-Konfektionierung besitze. Als preiswertes Konsenskabel im zweistelligen Bereich kommt noch das Pro-Ject Connect-it E dazu. Zeit, mal was Neues auszuprobieren? Auf jeden Fall. Denn bei Phonokabeln sind Vergleiche technisch recht einfach und haben zudem eine höhere Chance auf signifikante Ergebnisse. Vor allen anderen Kabelgattungen – Lautsprecher, Strom, Hochpegel, Digital – höre ich bei Phono erfahrungsgemäß die deutlichsten, relevantesten Unterschiede.
Was nicht ausschließt, dass es in Analogketten oft erstmal wichtigere Baustellen gibt: Ganz klassisch haben Laufwerk, Tonarm und Tonabnehmer Vorrang, solange keine völligen Versager-Verbinder schnellen Ersatz verlangen. Aber selbst, wenn man eigentlich hochzufrieden damit ist, wie zuhause die LPs klingen, kommt man manchmal nicht um die Auswahl neuer Kabel herum. So wurden und werden meine existierenden Kabel durch den teils jahrzehntelangen und täglichen Testeinsatz außergewöhnlich intensiv genutzt. Auch die besten Zugentlastungen, die UV-resistentesten Ummantelungen, die stabilsten Stecker und die schönsten Lötstellen machen irgendwann Bekanntschaft mit dem Zahn der Zeit. Bei handelsüblichem „Beipack-Lakritz“ passiert das meist sogar viel früher, weil dessen Stecker maschinell angespritzt werden und die hauchdünnen Innenleiter auf Knick und Zug recht bald mit Litzenbruch reagieren.

Des Weiteren gibt es ja immer mehr Plattenspieler, die ab Werk gar kein Kabel mitbringen. Wo der Kabelkauf also zeitgleich stattfinden muss und nicht erst später, wenn die Upgrade-Lust sich meldet. Der Technics SL-1000R ist so ein Kandidat. Oder auch sämtliche gehobenen Thorens-Modelle aktueller Produktion. Wer sich eine neue Phonostufe geleistet hat und diese auch mal symmetrisch anschließen will, macht das ebenfalls am besten mit einem neuen Kabel, statt am existierenden herumzulöten. Genau hinzuhören lohnt sich, Wunderohren braucht man indes nicht: Bei Phonokabeln „passiert“ klanglich mehr als bei anderen Strippen. Was vielleicht den winzigen Signalpegeln geschuldet ist, die aus Tonabnehmern herauskommen: Wenn ein MC-System schon an den lautesten Stellen einer LP nur 200-300 Mikrovolt Amplitude generiert, bewegen sich die leisesten Signale, selbst wenn wir „nur“ 60dB Dynamik zugrunde legen, bereits im Zehntelmikrovoltbereich. Hirnströme, die man bei einem EEG mit Elektroden auf der Kopfhaut misst, sind stärker.
Über den Sinn von Phono-Kabeln
Aber warum überhaupt „Phonokabel“ als eigene Disziplin? Cinchkabel hat man doch eh meist herumliegen, und ein Stück Klingeldraht für die zusätzlich nötige Massenverbindung findet sich in jedem Keller, oder? Manchmal klappt das. Meist aber nicht. Selbst dann nicht, wenn der Spieler ein Cinch-Anschlussfeld hat, wie viele neuere Pro-Ject, Thorens oder Technics. Tatsächlich sind die meisten gewöhnlichen – und erst recht die meisten „audiophilen“ – Cinchkabel für den Dienst am Plattenspieler nicht ideal oder gar gänzlich ungeeignet. Schirmung und Massenführung spielen hier eine wichtigere Rolle, hinzu kommt die Forderung nach möglichst geringer Kapazität. Viele NF-Kabel würden an MM-Systemen zu hässlichen Frequenzganganomalien führen, weil sie schlicht zu hochkapazitiv sind und mit der Induktivität des Systems eine elektrische Resonanz im Hochton ausbilden.
Auch rein mechanisch eignet sich nicht jedes Kabel: Während man normale Geräte zur Not auch mit starren, kiloschweren Trossen verbunden bekommt, wehren sich Plattenspieler – vor allem solche mit Subchassis – vehement gegen mangelnde Flexibilität und exzessives Gewicht, die ihre Entkopplung kompromittieren. Wer ein Phonokabel nicht nur an Besitzer begehbarer Phono-Bohrinseln verkaufen will, tut also gut daran, es eher schlank, leicht und biegsam zu gestalten. Selbstverständlich ohne dabei Kompromisse bei der Qualität zu machen. Bei Subchassis ist zudem zu berücksichtigen, dass sich das Kabel ständig mitbewegen muss und diese Bewegung keine Störungen – etwa durch triboelektrische Effekte – erzeugen darf. Triboelektrizität? Ist überall, wenn Dielektrika aneinander reiben, stört aber meist nicht. Mit 70dB Verstärkung, wie sie bei MC üblich sind, können betroffene Kabel aber beim Biegen hörbar rascheln. Oder auch nicht, wenn man, wie Zavfino es macht, Antistatikfasern ins Dielektrikum einarbeitet.
Über Zavfino
Zavfino-Gründer Will Tremblett hat das Kabelhandwerk von der Pike auf gelernt. Als Zulieferer produziert sein kanadisches Unternehmen „1877Phono“ seit vielen Jahren die Tonarm-Innenverkabelung und Anschlusskabel für Plattenspieler und Tonarme etlicher High-End-Hersteller. Womöglich besitzt man also bereits Kabel von ihm, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die unter der Marke Zavfino angebotenen Kabel erwecken dann auch auf Anhieb den Eindruck höchster Professionalität: Solche Verbinder lötet niemand mit Hobbyequipment in irgendeiner Garage zusammen, und das Rohmaterial dafür gibt’s auch nicht in dicken Rollen bei AliExpress. Zavfino extrudiert, verdrillt und verseilt das Rohmaterial auf eigenen Maschinen, um es anschließend in Handarbeit zu konfektionieren.

Dieser Eindruck, ein vollständig durchdachtes, vom Fünfpolsteckerkontakt bis zum Cinchpin proprietäres, authentisches Produkt in der Hand zu halten, macht den Klang zwar per se erstmal nicht besser. Aber er schafft Vertrauen. Auch die Stecker fertigt Zavfino übrigens selbst. Wer wie ich viel umstöpselt, weiß zu schätzen, wie saugend-präzise sie in und über ihre zugehörigen Buchsen am Tonarm und am Phonoeingang gleiten: Nicht zu schwer oder gar störrisch, zugleich aber fest und verbindlich – und das unverändert auch nach hundertfachem Gestöpsel.

Zavfino The Coven T1 / The Majestic Mk2 / The Highland Mk2
Drei Kabelmodelle aus drei Preisklassen habe ich gemeinsam mit dem deutschen Zavfino-Vertrieb aus dem umfangreichen Programm ausgesucht. Den Einstieg bildet das Zavfino The Coven, das zuvor The Cove hieß. Warum die Weiterentwicklung hier nicht wie bei den größeren Modellen durch ein „Mk2“ kenntlich gemacht wird? Keine Ahnung. Vielleicht war der ursprüngliche Name ja bereits bei einem anderen HiFi-Hersteller in Verwendung. Jedenfalls kostet das Coven 159 Euro für das Standardset in 1,2 Metern Länge. Erhältlich ist es wahlweise mit geradem oder rechtwinkligem Fünfpolstecker auf der Spielerseite, den Kontakt zum Vorverstärker stellen Cinchstecker her. Alle Stecker sind Zavfino-Eigengewächse mit vergoldeten, präzise ausgeformten Kontaktflächen und einem Dielektrikum aus massivem Teflon. Die vier Innenleiter bestehen aus OFHC, also sauerstofffreiem, hochleitfähigem Kupfer, das unter anderem wegen seiner umständlichen Herstellung unter Schutzgas erheblich teurer ist als „normales“ OFC. Der Vorteil in der Leitfähigkeit ist gegenüber OFC eher symbolisch, aber OFHC ist auch besser umformbar, weniger spröde und potenziell langlebiger.
3 Phonokabel im Vergleich: Zavfino The Coven T1
Bei der Herstellung durchlaufen die Drähte noch ein reinigendes Ultraschallbad, bevor sie mit ihrer PE-Ummantelung, dann einem Folienschirm aus aluminiumbeschichtetem Mylar mit Ableitung aus versilbertem Kupfer, einer PVC-Hülle und schließlich dem schicken Nylongeflecht vermählt werden. Auf den letzten 20 Zentimetern teilt sich das Kabel in kanalgetrennte Peitschen. An der Gabelung entspringt auch das extralange OFC-Massekabel, das in einem vergoldeten Kupfer-Kabelschuh mündet. Manche Onlinebilder zeigen hier noch die zuvor verwendete Krokodilklemme, die zwar schneller anzubringen ist, aber nicht so sicher hält wie ein gut festgeklemmter Schuh.

Die gesamte Qualitätsanmutung des Coven lässt den Preis schon vor dem ersten Ton zumindest adäquat erscheinen. Schon die Stecker würden solo einen erheblichen Teil des Gesamtpreises kosten. Das gilt ganz besonders für den Fünfpol-SME-Stecker. Das SME-Original kostet, wenn man es überhaupt bekommt, mehr als hier das ganze Kabel. Es ist aber nicht stabiler und eher weniger kontaktsicher als die Zavfino-Version. Und dann muss diese Stecker ja auch noch irgendjemand konfektionieren. Was speziell beim SME-Stecker ein Job für geübte Lötkünstler ist und selbst in routinierter Serienfertigung eine Menge Handarbeit, Geduld und Schrumpfschlauch erfordert.
Apropos: Websites und Preislisten bezeichnen den SME-Stecker – nicht nur bei Zavfino – meist als „DIN“, was aber vermutlich nicht ganz richtig ist. Die Ähnlichkeit zum tatsächlichen 5-Pol-DIN-Verbinder, wie er zum Beispiel bei Naim-Geräten verwendet wird, ist zweifellos da. Maße und Pin-Anordnung weichen aber deutlich ab. Fest steht, dass dieser SME-Stecker bei Phonokabeln wohl die gefragteste Terminierung ist: Das Coven wird gar nicht erst anders angeboten. Wer z.B. einen aktuellen Pro-Ject, Thorens oder Technics mit RCA-Anschlussfeld besitzt und folglich ein Phonokabel in RCA-Enden auf beiden Seiten braucht, muss eine Preisstufe höher beim Spirit T1 schauen, das mit versilberten OFHC-Kupferleitern 40 Euro über dem Coven liegt.
3 Phonokabel im Vergleich: The Majestic Mk2
Unser nächstes Testkabel ist aber noch etwas teurer: Das Zavfino The Majestic Mk2 steht mit 399,90 Euro in der Preisliste und wäre an einem SL-1200GR vielleicht schon etwas übertrieben. Bei einem G-Modell sähe das schon anders aus – ebenso bei meinen beiden Testspielern, die eher der fünfstelligen Preiszone angehören. Vehikel Nummer eins ist der Luxman PD-191A mit seinem serienmäßigen Zehnzollarm und dem hauseigenen LMC-5. Als zweiter Spieler kommt der SME Model 10 zu Ehren, dessen von unten frei zugänglicher Arm für Kabelvergleiche nachgerade ideal ist. Im 10er-Originalarm, einem engen Verwandten des SME 309, habe ich für die Hörvergleiche ein Transrotor Figaro mit extrazarten 0,25mV Ausgangsspannung montiert – getreu dem Motto „je leiser das Signal, desto relevanter das Kabel“.

Detailverliebt: Die Gabelung ist beim Majestic Mk2 mit CNC-gefrästem Alu verstärkt, die kanalgetrennten Einzelkabel mit Glasfaser-Silikon (Foto: B. Rietschel)
Das Majestic Mk2 teilt mit dem Coven seinen Grundaufbau – aber nur diesen. Es gibt also auch hier zwei verdrillte Leiterpaare in einem gemeinsamen Schirm, der sich etwa 30 Zentimeter vor dem Ziel in zwei Mono-Schläuche (aus besonders zugfestem, silikongetränktem Glasfasergewebe) und einen Massedraht teilt. Hier bestehen die Leiter nun aber nicht mehr „nur“ aus hochleitfähigem, ultraschallgereinigtem und geglühtem Kupfer. Sondern aus monokristallinem OCC-Kupfer. OCC ist schon im Rohzustand teuer, weil es in einem speziellen, kontinuierlichen Schmelzverfahren entsteht (Ohno Continuous Casting). Das Kupfer bildet dabei perfekte Einkristalle, die mehrere hundert Meter lang werden können. Davon profitiert die Leitfähigkeit und Verzerrungsarmut, aber auch die Duktilität (Verformbarkeit) des Metalls in der Drahtherstellung. Bevor die Drähte ihre farbige Polyethylenhülle erhalten, müssen sie aber noch etliche Stunden in klirrender Kälte verbringen: Zavfino unterzieht alle höherwertigen Kabel einer Kryobehandlung. Dabei wird der rohe Draht auf Temperaturen um -190 Grad Celsius abgekühlt und nach etlichen Stunden langsam und kontrolliert wieder auf Raumtemperatur gebracht. Der Prozess soll die Kristallstruktur des Kupfers und anderer Metalle verbessern und wird auch außerhalb der High-End-Welt beispielsweise im Werkzeugbau verwendet.

3 Phonokabel im Vergleich: The Highland Mk2
Als teuerstes Kabel im Test habe ich das The Highlands bestellt, dessen Leiter aus Reinsilber bestehen. Der doppelte Folien- und Geflechtschirm erinnert an den des Majestic, ebenso die mehrschichtige Isolation aus PVC und Antistatikfasern. Konfektioniert wird das Highlands mit Zavfinos OCC-Cinchsteckern und Premium-Fünfpolstecker. Letzterer unterscheidet sich in seinem funktionalen Teil nicht (jedenfalls nicht erkennbar) vom auch schon sehr schönen Stecker des Coven: Die gleichen direktvergoldeten Federhülsen, eingelassen im gleichen massiven Teflonzylinder. Dieserlässt den Hülsen ganz bewusst etwas Beweglichkeit, um mechanischen Stress beim Konfektionieren zu minimieren. Nur das CNC-gefräste Alu-Steckergehäuse ist bei den teuren Kabeln griffiger geformt und trägt einen Kohlefaser-Zierring.

Am anderen Ende jedes Phonokabels steht ein Phono-Preamp. Der SME spielte am SPL Phonos Duo mit vorgeschalteter Pro-Ject MC Step Up Box DS3B: eine absolut rauschfreie, hochdynamische und fein auflösende Kombination, die gerade aus extraleisen MCs wie dem Transrotor Figaro prachtvollen, nuancenreichen Klang herausholt. Für den Luxman kam ein nagelneuer Preamp ins Spiel, den ich einige Tage zuvor frisch ausgepackt hatte: Der Thorens MC-1600, ein nur moderat teurer (2200 Euro), verblüffend offen und breitbandig spielender Phono-Pre, der diesseits von Übertragerlösungen zum Rauschärmsten gehört, was ich je in meinem Hörraum hatte.
Hörtest
Nach einigen Wochen, in denen die Kabel ohne direkte Vergleiche einfach im Alltag mitgespielt hatten (und dabei jedenfalls nicht negativ auffielen), begann ich die konkreten Testdurchgänge mit dem Majestic: Van den Hul weg, Zavfino dran. The End Of Days von Matt Elliott (Ici D’Ailleurs – IDA 158 LP) bleibt auf dem Teller, der Tester im Sessel festgenagelt: Reine, konzentrierte Schwermut, getrieben von unterschwelligem Zorn, die sich hier ihren Weg durch die Instrumente und Elliotts Bariton-Stimmbänder bahnt. Das Intro auf der Konzertgitarre klingt wie französische Folklore, Produzent und Studioinhaber David Chalmin kommt dazu und lässt dezente Akkorde aus dem Flügel schweben, dann Elliotts tiefer Gesang und im Hintergrund… Vogelgezwitscher, das höchstwahrscheinlich echt ist, weil Chalmins Studio „La Fabrique Des Ondes“ ein umgebautes Bauernhaus im paradiesischen Nirgendwo des französischen Baskenlands ist. Man hört den hohen, weiten Aufnahmeraum, die geöffneten Fenster nach draußen, den milden Luftzug – mit dem Majestic wirkt das alles noch etwas duftiger und frischer als über das Van den Hul (das als Originalkabel bei SME-Spielern dabei war und ist). Auch ganz unten tut sich was: Da tritt Jeff Hallam mit seinem Kontrabass ein vorsichtiges Stückchen weiter in den akustischen Fokus. Aber der Bass wird nicht einfach fetter, sondern sondiert mit seinem Nachhall die Wände des akustisch eher lebendigen Studios noch suggestiver.

Der Wechsel vom Majestic zum Highlands bringt in diesem ersten Durchgang zwar eine merkliche Veränderung des Klangs. Einen klaren Vorteil bringt das Kabel an dieser Stelle – zwischen SME/Transtotor Figaro und dem Eingang des Übertragers – aber nicht. In manchen Bereichen ist das Silberkabel überlegen: Der Raumeindruck wirkt insgesamt präziser, die Instrumente konturenschärfer, aber auch nicht ganz so saftig, plastisch und körperhaft wie mit dem Majestic. Das sich in dieser speziellen Kombination zu meinem klaren Favoriten unter den drei Zavfinos entwickelt. Daran ändern auch die Hermanos Gutiérrez nichts, deren Album El Bueno Y El Malo (Easy Eye Sound – EES-027) uns schlagartig in staubige Cowboystiefel und auf ein müdes Pony steckt, das uns in irgendeiner lateinamerikanischen Steppe in den Sonnenuntergang schaukelt.
Objektiv zu hören gibt es kaum mehr als zwei elektrische Gitarren und etwas Hall. Aber vor dem geistigen Auge läuft ein Film, ein Low-Budget-Western vielleicht, in herrlichen, hitzigen Vintage-Farben. Das Majestic zelebriert diese Farben. Das Highlands lässt dafür die Latin-Rhythmen noch schärfer aus den mit der Handkante bedämpften Stahlsaiten hervorschnalzen. Auch sehr schön, und letztlich eine Frage der Gesamtbalance: Meine Tannoys, aktuell versorgt von der phänomenalen neuen Rega-Amp-Kombi Mercury/Solis, haben keine Nachhilfe in Sachen Timing nötig, scheinen aber die Sinnlichkeit des Majestic-Sounds besonders zu lieben.

Dass sich die Kabel überhaupt so nachvollziehbar unterscheiden, überrascht auch mich. Zumal der Grundaufbau aller drei Testlinge sehr ähnlich ist und auch die elektrischen Eigenschaften vergleichbar sind. Dank sehr niedriger Kapazität (deutlich unter 100pF in allen Fällen) finden sich die mit MC beobachteten Einflüsse auch bei MM- und MI-Systemen, von denen ich repräsentativ das Nagaoka MP-700 und das Audio-Technica VM745XML ausprobierte. Dennoch habe ich mehr mit MC gehört – weil die Unterschiede da einfach leichter herauszuhören sind, und weil ich Moving Coils unterm Strich einfach als noch mitreißender empfinde.
Das Coven als preiswertestes Kabel scheint anfangs den Drive und die Dynamik der Tonabnehmer sogar noch zu unterstreichen. Mit We Are Sent Here By History von Shabaka & The Ancestors (Impulse! – 00602508645631) entpuppt sich die Bonus-Vitalität aber als zweischneidiger Effekt. Etwa auf Darkness Will Pass am Ende der B-Seite, wo eine Klarinette und zwei Saxofone sich in rasanten Soli ablösen. Das Figaro gleitet durch das schwierige Material, ohne auch nur zu blinzeln – und präsentiert über das Highlands einen vollendet natürlichen, ebenholzduftigen Klarinettenton, von dem ich gar nicht genug bekommen kann. Das funktioniert im Ansatz auch schon mit dem Coven, das dem Ton aber einen Anflug von Strenge mitgibt, der dem Majestic gänzlich fremd zu sein scheint. Der Fairness halber muss man sagen: auch das Van-den-Hul-Originalkabel performt hier praktisch makellos, mit einem gegenüber dem Majestic etwas kompakteren Grundton, aber letztlich weder unter- noch überlegen. Das ändert sich, als das Highlands ins Spiel kommt: Die Klarheit und Transparenz die damit möglich sind, lassen sich mit den anderen Kabeln nicht im gleichen Maß erzielen.
Beim Wechsel auf den Luxman PD-191A gewinnt das Highlands noch an Vorsprung. Die insgesamt wuchtigere, basskräftigere Balance und die opulente Raumweite des Spielers wirken mit dem (relativ) teuren Kabel am eindrucksvollsten. Bei der kanadischen Band Kepler kann man sich noch problemlos mit dem Beipackkabel des Luxman anfreunden. Das ist erkennbar von einfacher Machart im konventionellen Koax-Stil mit angespritzten Cinchsteckern, aber offensichtlich gut ausgewählt. Attic Salt stammt aus dem Jahr 2005, erlebte aber erst 2014 auf dem deutschen Minilabel Oscarson (osc 03) seine Vinylveröffentlichung – mit liebevoll leinengebundenem Booklet und in homöopathischer Auflage. Die vornehmen, fein konstruierten Post-Indierock-Stücke beschwören Assoziationen zu Low, American Analog Set oder Karate herauf und wirken auch heute, über 20 Jahre nach den Aufnahmen, zeitlos, freundlich und spannend. Wobei die Schlagzeugbecken einfach am ästhetischsten auf der virtuellen Bühne schaukeln und die Gitarrenamps ihre Klirrsignaturen am feinsten ausbuchstabieren, wenn eben nicht das Serienkabel, sondern das Highlands die Signale zum Thorens MC-1600 vermittelt.
Wer das selbst nachhören will, kann Attic Salt immer noch günstig neu bekommen. Wobei die Restbestände des Labels vermutlich auch nicht weniger verwellt sind als mein Exemplar: Das dicke, aber kleinformatige Booklet in der linken Gatefold-Seite scheint das gegenüber steckende Vinyl bei längerer Lagerung zu deformieren. Auf Spielern mit Reflexklemme, wie sie SME oder auch Avid serienmäßig bauen, liegt die Platte dennoch flach wie ein Pfannkuchen. Ansonsten – oder auch ergänzend – muss man sich nach einem AFI Flat.Duo oder einem ähnlichen Plattenbügler umschauen.
Fazit 3 Phonokabel im Vergleich
Ich bin kein Fan von Kabeltests: Wenn ich mir meiner Höreindrücke nicht wirklich sicher bin, schreibe ich lieber nichts darüber. Auf dem ersten Meter nach dem Tonabnehmer – besonders bei MC – bin ich mir aber sicher: Hier lohnt es sich, unterschiedliche Kabel auszuprobieren. Zwischen dem Coven T1 und dem Majestic Mk2 zum Beispiel liegen keine Welten, und doch wirkt das teurere Kabel hier weicher, verzerrungsärmer und breitbandiger. Auch das schon richtig teure Highlands Mk2 klingt trotz sehr ähnlichem Aufbau eben nicht wie eine Kopie des Majestic, sondern noch etwas straffer und konturenschärfer. Ich würde es nicht blind kaufen, bei wirklich teuren Laufwerken aber auf jeden Fall mit in die Auswahl nehmen. Wenn es so gut passt wie in meinem Test mit dem Luxman PD-191A, kann man die 250 Euro Aufpreis guten Gewissens ausgeben.
[/bewertungen]| | Hochauflösender, konturenscharfer Klang für große, breitbandige Anlagen |
| | Ohne Aufpreis als symmetrisches Kabel mit hochwertigen XLR-Steckern erhältlich |
| | Stabile Konfektionierung, exzellente Stecker |
| | Massedraht könnte etwas dicker sein |
| | Klang wirkt sehr geschmeidig, weich und verzerrungsarm |
| | Gerade und gewinkelte SME-Stecker erhältlich, ebenso RCA auf beiden Seiten |
| | Edle, perfekt sitzende Cinch- und SME-Stecker |
| | Massedraht könnte etwas dicker sein |
Bewertungen
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Etwas teurer als Standard-Phonokabel, aber klanglich eindeutig besser |
| | Mit geradem oder gewinkeltem SME-Stecker lieferbar |
| | Sehr saubere Konfektionierung |
| | Satt sitzende, wertige Stecker, extralanger Massedraht vereinfacht den Anschluss |
Vertrieb:
IAD GmbH
Johann-Georg-Halske-Str. 11
41352 Korschenbroich
www.zavfinoaudio.com
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Favfino The Coven T1, Länge 1m: 159,90 Euro
Favfino Majestic Mk2, Länge 1m: 399 Euro
Favfino Highlands MK2, Länge 1m: 649 Euro
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