Deutschland renommiertester Kabel-Hersteller, namens HMS (steht für: Hans Manfred Strassner), feiert Ende dieses Jahres sein 50. Firmen-Jubiläum. LowBeats nahm den runden Geburtstag zum Anlass, drei XLR-Kabel aus dem runderneuerten Programm einem ausführlichen Test zu unterziehen: Das HMS Concertato, das HMS Armonia Carbon und das HMS Gran Finale 50.
Eine schöne Geschichte, die ich immer wieder gern erzähle: Ende der 1990er Jahre war ich in Hongkong auf einer HiFi-Show und traf einen begeisterten Händler der chinesischen Metropole. Wir plauderten ein wenig und er fragte mich, welches denn aus meiner Sicht die großen deutschen Marken seien. Ich nannte Burmester, Canton, T+A – eben das, was so vorzeigemäßig für deutsches HiFi steht. Er hatte alle Namen schon gehört, aber seine Euphorie hielt sich in Grenzen. Erst als ich „HMS“ sagte, begann er zu strahlen. „Ah, best german engineering.“ Hans Strassner hatte damals schon auf der anderen Seite der Welt mit seinen No-Nonsens-Kabeln einen exzellenten Ruf. Weil er genau diesen Typus deutschen Ingenieur verkörperte, den die Asiaten schätzen. Wenn er ruhig, natürlich Pfeife rauchend und immer bodenständig-ruhig seine Konstruktionen und die Theorien dahinter erklärte, wurde alles verständlich. Immer Physik, nie Voodoo. Das schätzte man rund um den Erdball. Wie auch seine Seriosität. Dass er beispielsweise in seine Netzleisten – Strom war ja immer ein großes Thema bei HMS – die sinnvollen Strom-Einschaltbegrenzer einbaute (um zu verhindern, dass die Sicherung rausfliegt) ohne das im Katalog groß zu erwähnen, ist so ein Punkt, der viel über das Wesen von Strassner selbst, aber auch über seine Produkten sagt.

Wenn eine Firma 50 Jahre alt wird, darf man unterstellen, dass auch der Firmengründer nicht mehr ganz jung ist. Hans M. Strassner hat deshalb vor ziemlich genau zwei Jahren seine Kabelschmiede verkauft – und zwar an jemanden, der über Kabel genauso viel weiß, wie er selbst: Die Rede ist von Edwin Rynveld, CEO und Chefingenieur von IAH, der Dach-Organisation von Siltech und Crystal Cable. Die beiden verstanden sich auf Anhieb. Der Verkaufsprozess von HMS Elektronik war die Jahre davor von Rückschlägen geprägt, doch mit Rynveld ging alles ganz einfach und schnell. Und Strassner befand: „Edwin ist ein wirklich würdiger Nachfolger. Mit dieser Lösung fühle ich mich sehr wohl“
Seitdem hat das IAH-Team das Programm ordentlich gestrafft, die Kabel jedes für sich analysiert und überarbeitet. Damit stellt sich die Gretchenfrage: Wie viel HMS ist aktuell noch in HMS? Doch Edwin Rynveld beruhigt. „Die Konstruktionen von Hans Strassner wurden beibehalten. HMS stand immer für Kupfer-Verbindungen, also bleibt es bei Kupfer. Aber wir haben die weitreichenderen Messmöglichkeiten. Die haben wir bei der Überarbeitung natürlich genutzt haben…“

Und selbstverständlich wurden auch die charakteristischen Kästchen beibehalten. Deren Funktion war mir früher schon nicht ganz klar, heute schweigen sich die IAH-Macher noch stärker aus. Im Gran Finale 50 ist eine kleine Anpass-Schaltung, aber bei Armonia Carbon und Concertato? Hoffen wir einmal, dass die Kästchen eine mechanische Beruhigung der Kabel bewirken. Das würde Sinn machen. Überhaupt geben die IAH-Leute kaum noch technische Daten und Informationen wie Querschnitt-Zeichnungen preis. Edwin Rynveld: „Wir sind so oft und oft so schnell kopiert worden, da verbieten sich für uns tiefere Detail-Informationen…“
Mit der Überarbeitung des Programms ging allerdings auch eine spürbare Preiserhöhung einher. Werner Kempf, der IAH-Botschafter in Deutschland und somit auch für HMS verantwortlich: „Man muss halt sehen, dass allein der Kupferpreis wegen der gestiegenen Nachfrage seit 2023 um 29 Prozent gestiegen ist. Das kann man nicht einfach so wegstecken.“
Mit dem Verkauf wanderte auch die Produktion aus: von Leverkusen in die niederländische Kleinstadt Elst nahe der Metropole Arnhem. Ich hatte leider nie die Gelegenheit, die Manufaktur von Hans M. Strassner zu besuchen; die von Siltech aber kenne ich recht gut und weiß, dass hier – ebenfalls in liebevoller Handarbeit – alles 1000-prozentig gemacht wird. Sonst hätten sich die Siltech und Crystal-Kabel niemals einen solchen Ruf erarbeiten können.
HMS Concertato, HMS Armonia Carbon und HMS Gran Finale 50 im Vergleich
Für einen schnellen Vergleich haben wir hier die Fakten der drei XLR-Kabel zusammengestellt:
| Modell | Concertato IC XLR | Armonia Carbon IC XLR | Gran Finale 50 IC XLR |
| Außen-Durchmesser | 8 mm Ø | 12 mm Ø | 15 mm Ø |
| Außen-Material | graues PU | Nylon-Gewebeschlauch | Nylon-Gewebeschlauch |
| Leiter-Material | sauerstofffreies Kupfer | sauerstofffreies Kupfer | monokristallines Kupfer |
| Kapazität pro Meter | 80pF | 115pF | 145pF |
| Besonderheit | – | – | Anpassungs-Kästchen |
| XLR-Stecker | Neutrik | Neutrik | Neutrik |
| Preis (1 Meter) | 700 Euro | 1.320 Euro | 2.880 Euro |
Wie die Übersicht zeigt, ist das Jubiläumskabel Grand Finale 50 viermal so teuer wie das Einsteigerkabel Concertato, aber auch immer noch doppelt so teuer wie das optisch ähnliche Armonia Carbon. Leider klingt das Gran Finale 50 so verdammt gut, dass man womöglich in den sauren Apfel beißen sollte… Aber dazu später mehr. Zunächst die Einzel-Vorstellungen:
Das HMS Concertato XLR…
…kommt im mausgrauen Polyurethane- (kurz: PU-) Mantel daher. Das Material ist robust und trotzdem gut biegbar (Biegeradius von 5 cm) – was ja bei der Verwendung im HiFi (und dem meist geringen Platz hinter den Komponenten) von großem Vorteil ist.

Aufgebaut ist der Innen-Leiter des Concertato aus zwei verdrillten Litzenkabel, die, so Kempf, aus „sauerstofffreiem“ Kupfer bestehen und Teflon-isoliert sind. Hinzu kommen zwei Schirmungs-Lagen aus feinem Kupfer-Geflecht. Über die Stärke der Leiter war leider nichts zu erfahren – was allerdings bei Interconnect-Kabeln auch nicht sonderlich relevant ist.

Das HMS Armonia Carbon IC XLR…
…basiert auf dem vielgerühmten HMS Armonia, das Strassner seinerzeit gegen alle Arten von Störungen mit einer Ferrit-Abschirmung versah. Diese Philosophie behielten die IAH-Ingenieure beim Armonia Carbon IC bei, ersetzten das Ferritmaterial aber durch eine mit Kohlenstoff durchsetzte Abschirmung, die eine nochmals bessere (statische) Ableitung von elektromagnetischen (EMI) und Hochfrequenzstörungen (RFI) bieten soll. Das Thema HF-Störungen war stets ein Steckenpferd von Strassner und bekommt durch die immer höhere Belastung von Hochfrequenz eine immer größere Bedeutung.

Wie auch im Concertato sind die (verdrillten) Leiter im Armonia Carbon aus sauerstofffreiem Kupfer. Allerdings sind es derer insgesamt sechs – jeder von ihnen mit Polyolefin-, Teflon- und geschäumtem FEP (Fluorethylen-Propylen) isoliert. Das Abschirm-Geflecht ist ebenfalls zweilagig und – hier blitzt zum ersten Mal der Einfluss der Siltech-Ingenieure durch – aus silberbeschichtetem Kupfer.

Die IAH-Entwickler versprechen sich von dem hohen Aufwand eine wirksame Anti-Mikrofonie Schirmung sowie eine umfassende magnetische Schirmung.
Das HMS Gran Finale 50 IC XLR…
…ist gerade vor dem Hintergrund des Jubiläums auch auf den neuesten Stand gebracht worden – man sieht es an der „50“ im Namen. Folgt man den Ausführungen von Edwin Rynveld, dokumentiert das Gran Finale 50 den aktuellen Stand des Machbaren bei HMS.

Was das heißt? Die Leiter im Gran Finale 50, es handelt sich um sechs Single-Core-Kabel, sind aus dem seltenen (und teuren) monokristallinem Kupfer. Die Isolierung geschieht mit Teflon und mit „Luft“, womit ja auch in-akustik in den vergangenen Jahren beste Erfahrungen gemacht hat. Abgeschirmt ist das Gran Finale ähnlich wie das Armonia Carbon mit mehreren Lagen versilberten Kupfergeflechts sowie mit einer mit Kohlenstoff durchsetzten Abschirmung gegen elektromagnetische (EMI) und Hochfrequenzstörungen(RFI).

Die eigentliche Besonderheit des Gran Finales aber ist das Holzkästchen, auf dessen Seite sich ein Kippschalter und zwei kleine zwei farbige Aufkleber befinden. Ist der Schalter Richtung Rot gekippt, ist die Funktion aktiv. Weiß dagegen bedeutet, dass das Signal ohne Filterung durchläuft.

Genauer: Im Leiter von Pin 1 (Masse) liegt hier (also im Kästchen) ein 1000 Ohm-Widerstand. Ist er aktiv reduziert er das Signal, wodurch das Kabel an einem vollständig symmetrischen XLR-Eingang besser klingen soll. Ist die Funktion ausgeschaltet (Weiß), kommt das volle Erdungssignal an. Das soll bei XLR-Eingängen, die intern nicht vollständig symmetrisch sind (viele Verstärker verbinden Pin 1 und Pin 3 innerhalb des Geräts) besser klingen. Natürlich habe ich es ausprobiert. Aber bei vielen Verstärkern oder Quelle-Geräten ist von außen nicht ersichtbar, ob sie echt oder nur schein-symmetrisch aufgebaut sind. Und ganz ehrlich: Ich habe kaum Unterschiede gehört und könnte sie auch nicht klar zuordnen. HMS-Botschafter Werner Kempf sagt dazu: „Ich habe keine klare Empfehlung: Man muss es ausprobieren.“ Dem schließe ich mich an…










