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BMW 318i Baur TC1 Cabrio
Das bin ich, das BMW 318i Baur TC 1 Cabriolet, im Jahr 1983 mit dem Junior meiner Familie. (Foto: T. C. Baur)

40 Jahre BMW 3er: AutoBiografie eines Baur TC 1, erste 3er-Reihe

Von T. C. Baur:

Eines von knapp 4600 BMW Baur TC1 Cabriolets erinnert sich an seine ersten 33 Jahre: Ungeliftet, rostfrei und seit seinem zweiten Lebensjahr im Besitz der gleichen Familie fiebert der rüstige Ü-30er mit seinem H-Kennzeichen in seiner Seniorenresidenz – einer Garage bei Frankfurt – der nächsten aufregenden Ausfahrt entgegen.

Heiliges Blechle, nächstes Jahr werde ich schon 34, das ist für die meisten meiner vierrädrigen Kameraden bereits ein biblisches Alter. Ich will Sie ja nicht mit Statistiken langweilen, aber im Durchschnitt landen Autos hierzulande nach spätestens acht Jahren in der Presse – und zwar nicht wie ich in der Motorpresse. Und dann reden plötzlich alle nur noch vom CO2-Ausstoß pro Kilometer. Lächerliche Erbsenzählerei. Ich weiß gar nicht, was bei mir hinten rauskommt, das hat damals noch keinen interessiert, aber mit meiner Gesamtenergiebilanz mach ich nach über einem Vierteljahrhundert im Dienst alle platt! Wussten Sie, dass etwa 10 Tonnen CO2 während der Produktion eines Autos anfallen? So viel kann ich auf meine alten Tage gar nicht mehr fahren, dass ich so viel von dem Zeug in die Luft puste.

Der Baur TC1 als Überlebender der wilden BMW-Zeiten

Will ja nicht prahlen, aber an mir ist noch alles echt und ich fühle mich nach diesem Sommer topfit wie damals, als ich bei Baur in Stuttgart nach tagelanger Handarbeit auf Basis des BMW 3er E21 vom Band lief. So viel bin ich schon lange nicht mehr in der Gegend herumgefahren. Schließlich verdammte mich das dämliche Saisonkennzeichen bis vor drei Jahren von November bis April zur Untätigkeit. Jetzt habe ich endlich ein H-Kennzeichen.  Tja, Freud und Leid liegen halt dicht beisammen, wenn man etwas Besonders darstellt, wie ich. Schließlich habe ich nur 4.595 Brüder und nicht Millionen wie die gewöhnliche Dreier-Reihe von BMW, die im kleinen Stuttgarter Karosseriebaubetrieb fachmännisch geöffnet wurde. Ich bin übrigens nicht der Vorfahre des vulgären 3er-Cabrios, sondern ein direkter Nachfahre der Landaulets, jener Kutschen für Könige. Und ich bin gebürtiger Schwabe, auch wenn ich stolz den weißblauen Propeller trage und damit in der Stadt der Sterne und Stadtwappen von Zuffenhausen gegen den Strom schwimme. War halt schon immer etwas Besonderes!

BMW 318i Baur TC1
Endlich H-Kennzeichen: Darauf einen Schluck V-Power-Bleifrei. (Foto: T. C. Baur)

Die viele Bewegung in diesem Sommer lag aber weniger am Wetter, das für Cabrios wie mich wie geschaffen ist, sondern an dem einfachen Umstand, dass an Frauchens BMW 318is Coupé eine Hinterachsfeder schlapp gemacht hat und der Junior meinte, dass es mehr Sinn macht, mich mal wieder richtig zu bewegen. Ja, ja, der Junior der Familie, der kümmert sich aus der Ferne immer noch darum, dass es mir gut geht. Hat wohl nicht vergessen, wie ich früher immer auf ihn aufgepasst habe. War sein zweites Auto überhaupt, wenn man das so nennen kann, weil ich eigentlich der Zweitwagen der ganzen Familie – alles rasende Reporter – war. Vorher hatte Junior so einen überkandidelten Italiener: einen Fiat X 1/9 mit Mittelmotor. Der erste Dreher mit 120 in einer Autobahnausfahrt ließ nur zwei Wochen auf sich warten. Aber das Rennen gegen den Sohn des Küsters mit seinem geliehenen Passat gewann er trotzdem noch, weil er die Kupplung getreten hatte und der Motor noch lief. Ein kleiner Hitzkopf, aber fahren konnte er schon immer. Doch mit mir hatte er das erste Mal adäquates Material für all seine kleinen Privatrennen. Hat sich nur mit motorvernarrten Spinnern umgeben. Zwei davon sind später Rennfahrer geworden – dafür war er viel zu bequem – und einer ging in die Autoindustrie.

BMW 318i Baur TC1
Der Junior geht immer wieder mit mir auf Tour – leider nur einmal im Jahr, wenn er seine Familie besucht. (Foto: T. C. Baur)

Ich brachte ihm erst mal richtig Driften bei. Jeden Winter, wenn Schnee lag, sind wir nachts auf Seitenstraßen und Parkplätzen Drift-Challenges gefahren, das war geil! Unsere 180-Grad-Wenden mit der Handbremse waren filmreif. Auch auf trockener Straße. Das machte die besondere Gewichtsverteilung mit meinem leichten Heck. Einmal bekam Junior wegen einer chauvinistischen Bemerkung zu seiner Freundin Streit auf einer Party und sie sprang auf dem Rückweg an der Ampel aus dem Auto, das verrückte Huhn. Er schoss bei Grün mit quietschenden Reifen los, überlegte es sich auf der Kreuzung aber anders, zog die Handbremse, übernahm den Drift mit Gas und hielt neben ihr an, um sie lässig auf der anderen Straßenseite wieder einzuladen. Solche Dinger hat er laufend gebracht. Inzwischen musste er zwar Haare lassen, aber sonst hat er sich genauso gut gehalten wie ich, und das will was heißen. Schließlich bin ich mit meinem nachträglich eingebauten Bilstein-Rennsportfahrwerk heute viel wilder als in meiner Jugend. So wie er. Hab ja noch sein Abiturjahr mitbekommen, da war er bis auf seine Geschwindigkeitsexzesse eher brav und introvertiert. Jetzt rasiert er sich die Haare und macht auf Vin Diesel. Soll mir Recht sein, solange er mir nicht mit einer Lachgaseinspritzung oder noch schlimmer, mit blauer Unterbodenbeleuchtung ankommt.

Hoher Verschleiß

Weiß gar nicht, was größer ist: sein Verschleiß an Frauen oder Autos. Der lernt es aber auch nie. Immer die falschen Kombinationen. Andere Männer beeindrucken Frauen durch ihre Autos, er verschreckt sie. So wie die kleine Sozialpädagogin, die er auf der Höhe seines beruflichen Erfolgs kennen lernte. Weiß gar nicht, was sie als überzeugte Feministin und Umweltschützerin mehr hasste: seinen phallischen roten M Roadster oder den alten weißen M5, den sie nur abfällig „Panzer“ nannte (er selbst gab seinen Autos nie Namen).  Das konnte ja nichts werden. Und wer hat ihm aus der Patsche geholfen, damit sie wenigstens den Versuch unternahm, mit ihm in den Urlaub zu fahren? Der alte Baur natürlich. War mir ein innerer Autokorso, als sie gesagt hat, dass sie mit ihm in dieser roten Angeberkarre niemals zu ihren Freunden nach Südtirol fahren wird. Ich bin eben noch zeit- und klassenlos. Aber hat nix genützt. Sie hätte ihn schon vor der Fahrt beinahe gekillt, als sie mir gemeinsam eine Inspektion verpassen wollten. Sie lag mit der Ölauffangwanne und neuer Filterkartusche unterm Auto und machte sich die Hände schmutzig. Der feine Herr fabulierte derweil lieber über die karge Ästhetik des BMW-Maschinenraums und die Unzerstörbarkeit dieses wundervollen Falkenhausen-Aggregats im Allgemeinen, nachdem er immerhin mit seinen Pianistenfingern Zündkerzen und Luftfilter gewechselt hatte. Ich fühlte mich jedenfalls mächtig geschmeichelt. Er mag zwar zwei linke Hände besitzen, aber er hat immerhin einen Blick für meine inneren Werte – auch bei Damen.

BMW 318i Baur TC1
Als ich jung war, gab es noch nicht so viele Tempolimits. Aber jetzt habe ich es nicht mehr so eilig. (Foto: T. C. Baur)
BMW 318i Baur TC1
Saison-Arbeiter: Eine Zeit lang durfte ich nur von April bis Oktober auf die Straße. (Foto: T. C. Baur)

Das war eine tolle Frau, die hat’s ihm ganz schön gegeben, vor allem nachdem er auf dem Alpenfernpass im nächtlichen Gewitterregen Gummi gegeben hat, als wäre ich ein junger Ferrari und er Michael Schumacher. Sie knallte ihm nach einem – wie ich finde – harmlosen Bergauf-Überholmanöver schließlich eine und übernahm selbst das Steuer. Am nächsten Tag hatte sie sich allerdings übernommen. Die zierliche Emanze, die mich mit ihren wehenden langen Haaren entfernt an die Frau aus meinem BMW-Kultfilm „Ronin“ erinnerte, kam in einer verdammt engen Gasse ohne Anweisungen vom Beifahrersitz nicht weiter und blieb mit der linken Felge an einer Hausecke hängen. Total verschätzt, aber völlig beratungsresistent. Sein cooler Kommentar, „Na prima! Vielleicht hörst Du nächstes Mal doch auf mich“, führte zum Eklat und zum Abbruch der Reise am nächsten Tag. Vorher hatte ich noch eine Fehlzündung auf dem Parkplatz, die das Einspritzventil heraussprengte. Ein harmloser Fauxpas, der mir zugegeben etwas peinlich war. Er drückte das mit einem Gummiring im Aluminium-Luftsammler meiner fortschrittlichen Bosch K-Jettronic fixierte Pfennigbauteil wieder rein und wir konnten weiter fahren.

Alp-Traum mit der Traumfrau

Ja, die Alpen, das war schön. Sonst quält er mich nur als Höhepunkt von sommerlichen Heimatbesuchen den Feldberg im Taunus rauf und runter. Um meine Gesundheit zu checken – sagt er jedenfalls meinem Frauchen, wenn er sich den Zündschlüssel geben lässt – und um für irgendein Kartrennen zu trainieren. Ich wiege nämlich nicht mal 1.100 Kilo, kenne das Wort Untersteuern nur aus dem Autolexikon und besitze noch nicht einmal eine ABS-Regelung. „Yeeha!“ brüllt er dann aus dem offenen Dach, wenn beim Anbremsen der Kurve mal wegen Bodenunebenheiten ein Rad stehen bleibt oder das Heck beim Herausbeschleunigen quer kommt. Voll Peinlich. Fühlt sich wie sein einstiges Idol Johnny Cecotto in seinen besten Tagen und nimmt eine langgezogene 180-Grad-Kehre wegen der auf dem Parkplatz stehenden Biker mit pfeifenden Reifen und angestelltem Heck. Ein völlig verschreckter Rennradler zeigte uns kürzlich mit weit aufgerissenen Augen den Vogel.

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BMW 318i Baur TC1
Wann kriege ich die nächste Motorwäsche? Aber das war noch ein Motor – von Ingenieuren für Kenner gestaltet, ganz ohne Designer-Plastik und Kabelverhau. (Foto: T. C. Baur)