Roger Waters wird dieser Tage 82. Doch der ehemalige Pink-Floyd-Bassist und kreative Songschreiber wird nicht müde. „This Is Not A Drill: Live From Prague“ spielte der Brite 2023 am 24. und 25. Mai in der „O2″-Arena ein. Da war er bereits 80. Das Album erscheint fast gleichzeitig zum Rom-Live-Opus aus dem Circus Maximus von Ex-Band-Mate David Gilmour, der sein Werk im Oktober 2025 unters Volk bringt. Also Brot und Spiele für viele.
Waters galt als der kreative Querkopf bei Pink Floyd, teils getrieben von der Kritik an gesellschaftlichen und politischen Missständen, dies nicht nur an Großbritannien und dem Thatcherismus. Auch Ungerechtigkeit, Krieg und Menschenrechtsverletzungen stehen auf seiner Agenda. Vielleicht nicht immer handzahm. Klar, Waters kann auch g’spinnert, emotional arg angezündet oder schulmeisterlich wirken, vielleicht ist das ja seine Dark Side.
Wofür er auch gerne angegangen wurde. Einer wie er scheint es jedoch durchaus zu schaffen, hochkarätige Musik, Lyrik und Gesellschaftskritik wie nicht allzu viele seiner Zunft unter einen Hut zu bringen. Gefühlt, auch in Zeiten von Stereotypen-Bildung, die sich hier und da schonmal wie Mehltau auf Urteilsvermögen legen könnten. Während andere MusikerInnen lieber private Problemchen im emotional gedimmten Licht von Cocooning beleuchten.

Die Blu-ray verbindet erstklassiges Bild mit ebensolchem Klang nebst zwei Bonus-Musikvideos: Gestochen scharfe Live-Filmbilder, eine unspektakuläre, aber ästhetische Regieführung und das fein aufgelöste, atmosphärische und packende Sound-Bild machen an. Die Dolby-Atmos-Spur setzt dem Ganzen nochmals in punkto Raumgefühl, und Sound-Effekte die Krone auf: Allein das düstere Intro zu „Comfortably Numb“ mit Gewittergrollen und Sirenen packen das Gemüt. Den Gitarren-Solo-Part ersetzt hier übrigens Sängerin Shanay Johnson – fantastisch eindringlich mit Gänsehauteffekt, ähnlich wie auf „Dark Side Of The Moon“ mit Clare Torry in „The Great Gig In The Sky“.
Bewertung
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Die Prager Show jedenfalls geriet zum packenden, multimedialen Show-Spektakel mit vielen Floyd-/und Water-Songs auf exzellentem Sound-Niveau. Erstaunlich was Bühnen-High-Tech heutzutage in die Stadien und Arenen bringt. Mehrdimensionale Projektionsebenen – oder wie bei der französischen Band Indochine rotierende Bilder-Flächen – belebt durch teils künstlich generierte Szenen wie dystopische Anmutungen zerstörter Städte, inszeniert beim Klassiker „Comfortably Numb“. Zu anderen Stücken schweben Dollarscheine und Schafe in 3D-Manier über die Zuschauer hinweg („Sheep“). Floyd-Ur-Klassiker wie „Have A Cigar“ oder „Wish You Were Here“ setzen Waters & Co gediegener in Szene – übrigens mit Top-Einlagen der Band-Gitarristen Dave Kilminster und Jonathan Wilson. 23 Stücke vereint das Werk, darunter einige Solo-Songs wie „Is This The Life We Really Want?“, die meisten durchdrungen von energetischer Brillanz, feinem Instrumentarium und klasse Background-Vocals.
Video-Clip zu „Is This The Life We Really Want?“
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