Nick Drake passt vielleicht nicht zur hellen Sommerzeit, angesichts seiner meist melancholisch durchtränkten Songs. Aber dieses Making-Of-Werk betritt aktuell die Bühne und wirft für Freunde des gehaltvollen britischen Roots-Folk-Genres spannende Spots. 26 ist er nur geworden, Nicholas Rodney Drake verstarb am 25. November 1974 im Haus seiner Eltern an einer Überdosis Antidepressiva.
Sein Vermächtnis umfasst drei wunderbare, hochkarätige Folk-/Singer-Songwriter-Alben, die zu seinen Lebzeiten nicht die angemessene Aufmerksamkeit erlangten. Wie das nun mal leider so sein kann im Leben. Sein Debüt „Five Leaves Left“ von 1969, ein Jahr später „Bryter Layter“ und „Pink Moon“ 1972 genießen heute einen gewissen Kultstatus: Samtig-chillig, vorgetragen mit barocker Akustikgitarre und sonorer Stimme, hier und da umrahmt von Bass (teils gezupft von Danny Thompson von Pentangle), Piano oder Vibraphon und sogar Streichern. Und virtuosem Songwriting. Wofür er teils mit Van Morrison oder Donovan verglichen wurde – mit letzterem auch zu Recht.
Warum dieses Album zum Original-Album von 1969? Weil – wie so häufig – wiedermal altes Material aufgetaucht ist, dass es in den Augen der Nachlassverwalter, in diesem Fall „Nick Drake Estate“, wert ist veröffentlicht zu werden. Bänder „aus zwei Quellen“ veranlassten Nicks Schwester Gabrielle zu diesem Schritt. Und der war richtig. Denn die 32 Demos, Outtakes und Instrumentals, die die Entstehungsgeschichte des Debüts „Five Leaves Left“ erzählen. Und die ist facettenreich, spannend und umfangreich – ein 60-Seiten-Buch beleuchtet die Historie detailliert und liebevoll aufbereitet.

So kommen sieben Songs zu Gehör, die es nicht auf das Original-Album geschafft haben, leider in dürftiger, historischer Klangqualität. Die meisten Tracks klingen dagegen erstaunlich klar und feindynamisch und klangfarbentreu. Joe Boyd, seines Zeichens Produzent (Fairport Convention, Pink Floyd) und Label-Chef von Hannibal Records nahm Nick damals unter seine Fittiche. Arrangeur Robert Kirby (Elton John, Paul Weller) dirigierte die Streicher.
Auch wenn diese Entstehungs-Werkschau eher die Fans ansprechen dürfte, lenkt sie die Aufmerksamkeit auf einen unerhört talentierten Künstler, der ähnlich wie junge Dichter des 19. Jahrhunderts viel zu früh starb, jedoch für Generationen ein lebendiges, nicht gealtertes Folk-Werk hinterließ. Und das lässt sich dank dieses Reminders lohnend wieder entdecken, zumal die Alben gemessen am Alter prima klingen.
Bewertung
Bewertungen
MusikKlangRepertoirewertGesamt |
Video-Clip zu „Strange Face (1st Sound Techniques Session, March / 1968)“
Alle Musik-Tipps aus dem Juli 2025:
The Original Alice Cooper Group „The Revenge Of Alice Cooper“
Alben des Monats Juli 2025: Fred Hersch „The Surrounding Green“
Die Alben des Julis 2025: Billie Marten „Dog Eared“
Die Alben des Juli 2025: Frank Zappa „Cheaper Than Cheep“






