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Tom Smith "There Is Nothing In The Dark That Isn't There In The Light"
Endlich mal alternative und total schöne Weihnachtslieder: Tom Smith "There Is Nothing In The Dark That Isn't There In The Light" ist unser Tipp zur Bescherung... (Foto: E.Smith)

Album der Woche: Tom Smith “There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light”

Weihnachtsalben? Mit penetrantem Glöckchengeklingel, überdosiertem Streicher-Süßstoff und zunehmend schablonenhaften Big-Band-Arrangements diskreditiert sich dieses Genre immer öfter selbst. Doch es gibt Alternativen: Statt mit der nächsten Coverversion von „Little Drummer Boy“ oder „Santa Claus Is Coming To Town“ zu nerven, bezaubert Tom Smith “There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light” mit besinnlichen Songwriter-Perlen für den Übergang zwischen Herbst und Winter.

Der Freund angelsächsischer Gitarrenmusik kennt Smith bekanntlich als Sänger, Saitenmann, Keyboarder und Songwriter der Editors, die seit 2003 dem Post-Punk nicht nur die Dringlichkeit und Grandezza vergangener Glanzzeiten zurückbrachten, sondern dieses Genre zugleich immer mal wieder hörenswert unter Strom setzten und Richtung Electro-Rock modifizierten. Dass Tom Smith freilich mehr verkörpert als nur einen charismatischen, zwanzig Jahre zu spät geborenen Wiedergänger der englischen 1980er-Jahre, zeigte sich ab und an bereits im Kontext der Editors – ganz explizit aber „Funny Looking Angels“; Smiths Zusammenarbeit mit Andy Burrows (Razorlight, We Are Scientists) von 2011, das mit Weihnachtsliedern im weitesten Sinn in neuem Gewand bezauberte.

Von dort bis zu Smiths nun erscheinendem Solodebüt dauerte es zwar nochmals satte vierzehn  Jahre – und doch steht „There is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light“ in direktem Zusammenhang zu „Funny Looking Angels“. Darauf deutet natürlich schon das Timing hin: Dass diese Songkollektion Anfang Dezember erscheint, ist selbstredend kein Zufall, sondern der Musik geschuldet. Denn veröffentlicht zwischen Mai und August, wären diese zehn leisen, introspektivischen Kompositionen so deplatziert wie ein Kessel Glühwein als Gast eines hochsommerlichen Barbecue-Events.

Nun aber, in den Übergang zwischen Herbst und Winter, passt dieses Set geradezu perfekt. Zu hören gibt es Akustisches und Semi-Elektronisches, komponiert in klassischer Singer-Songwriter-Tradition und arrangiert mit klarem Fokus auf die Basics dieses Genres: Stimme, Melodie, Lyrics.

Die Musik von Tom Smith “There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light”

Basis für die Kompositionen ist eine akustische Gitarre, um die herum Smith wohldosiertes Beiwerk gruppiert: zarte Pianolinien („Endings Are Breaking My Heart“), stimmungsvolle Blechbläser („Lights Of New York City“), mal minimalistische („Broken Time“), mal großzügig dimensionierte Streicher („Life Is For Living“), ebensolche Chöre und ab und an sogar elegische E-Gitarren-Riffs – allen voran in „How Many Times“, „Northern Line“ und „Souls“, in denen Smith der Lagerfeuer-nahen Grundstimmung seiner Musik dezent hymnische Untertöne spendiert. Und natürlich prägt auch sein in sich ruhender Bariton, zu verorten irgendwo zwischen pensioniertem Braunbären, Tindersticks-Frontmann Stuart Staples und Sivert Høyem, dem Kopf unserer Lieblingsnorweger Madrugada, dieses vierzigminütige Programm und sorgt für eine konstant wohlig-entspannte Atmosphäre. Zusätzliche Intensität verleiht Smith seinem Timbre (beispielsweise zum Auftakt in „Deep Dive“ mit seiner titelgebenden Textzeile „There is nothing in the Dark / that isn’t there in the light“), indem er anstatt Schlagzeug oder Perkussion durchaus auch mal seine markante Phrasierung für rhythmische Akzente und eine individuelle Sprachmelodie sorgen lässt.

Tom Smith "There Is Nothing In The Dark That Isn't There In The Light"
Tom Smith “There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light” erscheint bei PIAS im Vertrieb von und ist erhältlich als CD, als LP, Download und Stream sowie als limitierten Sonderedition in dunkelrotem „Oxblood Vinyl“.

Nie ins Pathos verliebt, aber stets formvollendet, kontemplativ und weihevoll: Mit diesen Tugenden avanciert „There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light“ zum Weihnachtsalbum des Jahres 2025 – für alle, die aus nachvollziehbaren Gründen keine Weihnachtsalben (mehr) mögen. Und wer dennoch eines möchte: Selbstverständlich gibt sie, die wirklich guten Werke dieses Segments. Seit vielen Jahren einer meiner all-time-favourites und Stammgast zur Adventszeit: Mary Chapin Carpenters 2008-Album „Come Darkness, Come Light: Twelve Songs Of Christmas“ (Zoë Records / Rounder; im Vertrieb von Universal) gehört zum schönsten, was dieses Genre je hervorgebracht hat. Und ein Klassiker wie „Fairytale Of New York“ von den Pogues ist ja nicht nur eines der bewegendsten Weihnachtslieder ever – sondern ein Popsong für die Ewigkeit.

Tom Smith
“There Is Nothing In The Dark That Isn’t There In The Light”
2025/12
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
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Musik
Klang
Repertoirewert

Gesamt

Autor: Christof Hammer

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Seit vielen Jahrzehnten Musikredakteur mit dem Näschen für das Besondere, aber mit dem ausgewiesenen Schwerpunkt Elektro-Pop.