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Die HiFi Zeile in Worpswede
Accuphase, Revox, Technics ... die HiFi Zeile hat sie noch, die schönen HiFi-Dinge (Foto: HiFi Zeile)

Auf einen Schnack mit Restaurierungs-Profi Pierre Wittig: von Schwejk zum Tape

Seit 1982 repariert und restauriert der Mann feinstes HiFi & Co. und so manch kostbarem Kleinod wurde durch seine gesegneten Finger ein weiteres HiFi-Leben geschenkt. Fast 45 Jahre macht er das also schon und seine HiFi Zeile in Worpswede wurde zu einem der profiliertesten Restaurierer Deutschlands. Grund genug für einen Schnack mit dem Firmengründer und Inhaber Pierre Wittig.

Andrew Weber und Pierre Wittíg
Andrew Weber (li.) von LowBeats und Pierre Wittig von der HiFi Zeile hatten auf den HiFi Tagen in Darmstadt 2025 einigen Spaß miteinander (Foto: Raphael Vogt)

 

LowBeats: Wie bist du eigentlich zum HiFi gekommen?

Pierre Wittig: Ich wollte schon seit ich neun Jahre alt war, Radio und Fernsehtechniker werden. Der Grund dafür war so ein schönes kleines, blaues Taschenradio, mit dem ich mir abends immer eine Folge vom Hörspiel „Der brave Soldat Schwejk“ anhörte. Leider habe ich irgendwann mal die Batterie, einen 9-Volt-Block, verkehrtherum angeschlossen, tja und dann war das Radio natürlich kaputt. Das hatte mich geärgert, aber tatsächlich ist daraus dann mein Wunsch entstanden, Radio-und Fernsehtechniker zu werden.

LowBeats: Das ist ja tragisch, aber es wurde ja etwas Gutes daraus. Erinnerst du dich denn noch an dein erstes eigenes HiFi-Equipment?

Pierre Wittig: Ja, das war von meinen Eltern. Die hatten eine Braun-Anlage, eine Braun Regie 510. Das Tapedeck war ein CR-5150 von Fischer, das habe ich sogar noch. Die Lautsprecherboxen waren von ESS, das Modell AMT 1c.

LowBeats: Das war ja richtig edles Zeug …

Pierre Wittig: Absolut! Das habe ich dann eines Tages alles bekommen und von meinem ersten sauer verdienten Geld gönnte ich mir sofort einen CD-Player, einen Sony CDP-101. 2000 D-Mark hat der damals gekostet. Den habe ich auch noch. Ich war so froh, ein solches Gerät kaufen zu können, weil die Schallplatten damals in einer derart schlechten Qualität waren.

Sony CDP-101
Er war Pierre Wittigs erster, der Sony CDP-101 von 1982. Berühmt berüchtigt für seine gemächliche Schublade … (Foto: Archiv)

LowBeats: Hatte der Sony nicht so eine super-langsame Schublade …?

Pierre Wittig (lacht): Ja, der ging echt langsam auf, das hat eine Zeit lang gedauert. Da denkt man immer, der ist kaputt, nee, irgendwann kommt sie.

LowBeats: Was war denn dein erstes HiFi-Gerät, das du verkauft hast, erinnerst du dich noch daran?

Pierre Wittig: Ja, weil das ein besonderer Kunde war, ein Marineoffizier. Der kam in Ausgehuniform zu mir in den Laden und fragte mich nach einem Tapedeck, einem Technics RS-B10, das auf dem Boden stand. Der hat mich dann durch Zufall auf die HiFi-Schiene gebracht. Damals hatte ich vorwiegend mit gebrauchten Fernsehern gehandelt.

LowBeats: Heute machst du ja nur noch HiFi. Kannst du da unseren Lesern Tipps geben, in welches Vintage HiFi es sich lohnt, zu investieren? Auch in Bezug auf die Ersatzteilversorgung.

Pierre Wittig: Also Potenzial hat auf jeden Fall Revox. Revox lässt bestimmte Teile sogar noch wieder nachfertigen. Das ist das Schöne. Deswegen kann man Revox Bandmaschinen wieder bestens instand setzen. Das ist auch meines Wissens nach die einzige Firma, die für ihre 40, 50 Jahre alten Geräte noch Bauteile nachfertigen lässt. Ja, dann ganz klarer Fall, Accuphase. Die haben selbst nach Jahrzehnten oft nur kleinste Fehlerchen. Die kann man aber wieder top reparieren. Im Einstiegssegment ist Harman Kardon ganz gut, denn auf die habe ich mich früh spezialisiert. Schon in den 1980ern habe ich damit angefangen. Da verfügen wir auch über einzelne Bauteile, die wir nachfertigen lassen und auch Verbesserungen, die wir hier und da einfließen lassen.

Accuphase-P-600-
Die HiFi Zeile schwört auf Accuphase. Hier exemplarisch ein Superlativ. Die Accuphase P600 wurde von 1983 bis 1987 hergestellt. Eine Class AB-Endstufe mit einer Leistung von bis zu – Achtung festhalten – 1000 Watt an 8 Ohm (Foto: Archiv)

LowBeats: Was können das für Verbesserungen sein?

Pierre Wittig: Zum Beispiel ein Lautsprecherterminal. Bei den Verstärkern von Harman Kardon waren nur billige Teile verbaut, die zur Oxidation neigten. Das haben wir verbessert, indem wir ein besseres Terminal entwickelt haben und da schalten wir jetzt das Musiksignal über Relais.

LowBeats: Gibt es da auch Komponenten, wo du sagst, da wird es wirklich sehr schwierig? Ich denke da an Marken, die die es nicht mehr gibt, wie Sansui, Akai und so weiter. Oder spielt das nur sekundär eine Rolle, weil viele Bausteine standardisiert sind?

Pierre Wittig: Die Teile, die gerne ausfallen, sind grundsätzlich Schalter und Regler und überall da, wo es warm wird. Da, wo es warm wird, können Kondensatoren eben halt ihre Kapazität verlieren. Die kann man ersetzen, das ist kein Problem. Relais lassen sich auch alle ersetzen, auch kein Problem. Nur Schalter und Regler kann man nicht ersetzen, weil es die nicht mehr gibt. Die müssen dann zerlegt, sauber gemacht und wieder zusammengebaut werden. Wir haben das bereits bei vielen alten Marantz-Receivern gemacht. Aber das gilt natürlich auch für alle anderen Receiver aus Ende der 70er bis Anfang der 80er Jahre, wie von Sansui, Pioneer oder Kenwood.

Marantz 4240
Marantz hat zwar eine wechselvolle Geschichte, aber fast durchgehend beeindruckende Komponenten wie den Receiver 4240 im Programm geführt. Auch als Klassiker sind diese oft eine gute Investition (Foto: Catawiki)

LowBeats: Du sagtest, du lässt auch Teile nachfertigen. Um was für Bauteile handelt es sich da?

Pierre Wittig: Wir haben einige Schalter bei Alps nachfertigen lassen. Das ist ja weltweit nicht nur der größte Poti-Hersteller, sondern auch der größte Schalterproduzent, die sitzen echt überall drin. So manchen Schalter konnten wir für Harman Kardon-Geräte nachfertigen lassen. Deswegen sind wir auch die Einzigen, die die Haman Kardons vollständig instand setzen können, weil wir die halt haben und natürlich werden die nicht einzeln verkauft. Aber wir gehen auch auf die Suche nach New Old Stock entweder in Asien, aber auch in den USA finden wir manchmal noch alte Lagerbestände. Ich habe einen Mitarbeiter, der nur dafür da ist, den Markt nach brauchbaren Teilen zu sondieren.

LowBeats: Welchen Rat gibst du allen zukünftigen Vintage-HiFi-Besitzern mit auf den Weg?

Pierre Wittig: Man muss sich bei einem Vintage-Gerät wirklich immer darüber im Klaren sein, dass es sich dabei um einen Oldtimer handelt, der selbst nach einer Reparatur gerne mal ausfällt oder etwa Kanaldifferenzen hat. Und wenn der Kanaldifferenzen hat, dann muss ich eben den Balanceregler nutzen und das ausgleichen, fertig. Man kann von einem Vintage-Gerät nicht das gleiche, wie von einem Neugerät erwarten.

LowBeats: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Anmerkung:
Da Pierre Wittig sein Hörspiel vom „Braven Soldaten Schwejk“ als Kind nicht zu Ende hören konnte, haben wir es für ihn (und auch für Sie) zum Nachhören hier verlinkt.

Mehr von der HiFi Zeile:

Marantz Model 2238B: Vintage-Receiver von 1978

Autor: Andrew Weber