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Startbild Børresen BM3
Mit dem BM3 (18.000 Euro) stellt Børresen einen Subwoofer in gefalteter Dipol-Bauweise vor, der höchste klangliche Ansprüche erfüllen soll.

Børresen BM3: High-End Subwoofer in „gefalteter Dipol-Konfiguration“

Wenn die Dänen der Audio Group Denmark (Børresen, Ansuz, Aavik, Axxess) um Mitgründer und Chefentwickler Michael Børresen etwas Neues entwickeln, dann ist das meistens von beeindruckender Kompromisslosigkeit und mit kreativen Ansätzen erdacht. So auch der brandneue Subwoofer Børresen BM3 (18.000 Euro).

Børresen BM3
Der Børresen BM3 ist ein Subwoofer im “Open-Baffle”-Design mit rein analoger Frequenzweiche für 18.000 Euro (Fotos: AGD)

Die am weitesten verbreitete Bauweise unter Subwoofern ist das Bassreflexprinzip. In meist würfelförmigen Gehäusen steckt ein (oder mehrere) dynamischer Treiber, der auf ein Gehäusevolumen arbeitet, das durch eine Reflexöffnung ventiliert wird. Auf diese Weise lässt sich mit geringem Aufwand und Kosten ein tiefreichender, kräftiger Bass erreichen – der aber meist nicht sehr präzise ist und den Raum sehr stark anregt. 

Eine Alternative für mehr Präzision sind Basswürfel mit geschlossenem Gehäuse. Deren Nachteil ist ein deutlicher Verlust an Pegel und Tiefgang durch den Verzicht auf Bassreflexunterstützung. Das muss mit größeren Treibern und mehr Leistung kompensiert werden, doch große Treiber sind auch schwerer und anfälliger für Eigenresonanzen.

Am saubersten sind sogenannte Dipol-Subwoofer, die ohne geschlossenes Gehäuse auskommen und ihre Energie nach vorne wie hinten gleichermaßen in den Raum abstrahlen. Doch ohne das Gehäuse müssen Dipole eine riesige Schallwand haben, um Auslöschungen zu vermeiden, und brauchen dennoch extrem viel Leistung und Membranfläche.

Børresen geht mit dem neuen Subwoofer BM3 einen etwas anderen Weg, indem sie ein Dipol-Konzept mit mehreren schnellen kleinen Treibern (vier Stück à 5 Zoll) einfach in der Schallwand so zu einem „U“ falten, dass die Treiber sich quasi gegenseitig anschauen und das Ganze mit einem Hornvorsatz nach vorne sowie kleineren Öffnungen nach hinten versehen. Dadurch arbeitet der BM3 wie ein echter Dipol ohne Kompressionseffekte, bietet eine sehr geringe Raumanregung und hat trotzdem mächtig Pegel und Tiefgang.

Die Elektronik des Børresen BM3

Angetrieben wird der BM3 von einem 2 × 300 W Aavik UMAC-Verstärkermodul der neuesten Generation. Die Verstärkertechnik stammt aus eigenem Hause und arbeitet in Class-D und damit besonders Energieeffizient. Für die Stromversorgung kommt ein sogenanntes Resonant Mode Netzteil zum Einsatz., Das ist vom Prinzip her ein Schaltnetzteil, aber eines der neuesten Generation, die keine der üblicherweise damit einher gehenden Nachteile wie Schaltrauschen mehr aufweise und auch viel leiser als jedes Linearnetzteil sei, so Børresen.

Die Weiche

Ungewöhnlich ist auch die Wahl der Tiefpassweiche. Während heute fast alle Hersteller von Subwoofern auf digitale Signalverarbeitung und DSP-Technik zur Frequenzaufteilung setzen, verzichtet Børresen ganz bewusst auf diesen Ansatz und setzt eine rein passive Frequenzweiche ein. Zudem achtete der Entwickler bei der Schaltung auf kurze Signalwege. Auf diese Weise sollen Latenzen (Signalverzögerungen) komplett vermieden werden. Der Sub arbeitet stets synchron und phasentreu zum Lautsprechersignal. Es handelt sich um eine Weiche mit 24 dB Flankensteilheit. Die Übergangsfrequenz lässt sich im Bereich 30-80 Hz in elf festen Schritten (33, 39, 44, 51, 56, 63, 67, 73, 79, 84 und 91Hz) einstellen. Auch der Pegel dieses Filters kann in Schritten von 0,25 dB und innerhalb des Bereichs von +/-6 dB justiert werden. Diese Funktion ist für die Feinabstimmung nützlich.

Die Tiefpass-Weiche des BM3 ist rein analog und auf absolut verzögerungsfreie Signalverarbeitung ausgelegt (Foto: AGD)

Da einige Aavik-Verstärker aus eigenem Hause selbst über eine integrierte analoge Frequenzweiche verfügen, kann die Weiche im Sub auch deaktiviert und umgangen werden.

Rauschbekämpfung

Wie bei den Dänen üblich und einzigartig, stecken auch im BM3 die Ansuz-eigenen Techniken zur Vermeidung von Antenneneffekten, Einstreuungen aller Art und zur Rauschminimierung. Dafür kommen verschiedene Arten von aktiven und passiven Spulen und Resonatoren zum Einsatz: 36 Stück aktive Tesla-Spulen, 72 aktive quadratische Tesla-Spulen, 3 Dither-Schaltungen, 3 Anti-Areal-Resonanzspulen.

Børresen BM3
Auch im Subwoofer BM3 kommen die von Ansuz beigesteuerten Technologien zur Rauschunterdrückung zum Einsatz, wie hier die aktiven Tesla-Spulen (Foto: AGD)

Das Gehäuse

Last but not least hat Børresen natürlich auch ein genaues Augenmerk auf das Gehäuse gelegt. Denn auch wenn es sich um ein gefaltetes Open-Baffle-Design handelt, das im Vergleich zu herkömmlichen Subwoofern ohnehin wesentlich weniger Vibrationen erzeugt, sind Subwoofer natürlich allein schon durch die kräftigen Membranhübe starken mechanischen Belastungen ausgesetzt. Das Gehäuse des Børresen BM3 basiert auf einem Material, das deutlich dichter und inerter ist als herkömmliche MDF-Gehäuse, die in den meisten anderen Subwoofern verwendet werden. Last but not least betont Børresen auch die hohe Verarbeitungsqualität des BM3.

Børresen BM3
Die Schallwand ist zu einem “U” gefaltet, sodass sich die vier Treiber gegenüber liegen. Nach vorne und nach hinten ist das Gehäuse offen. Das nennt sich “gefalteter Dipol” (Foto: AGD)

Kommentar

Einige abgefahrene und teils sehr exklusive Techniken stecken im neuen Subwoofer BM3 von Børresen. Interessant ist auch die Wahl für eine rein analoge Frequenzweiche. Das Lautsprecherkonzept selbst scheint aber nach den Beschreibungen zu urteilen keine Neuerfindung des Rades zu sein. Ähnliche Subwoofer-Konstruktionen finden sich unter dem Namen Ripol zuhauf als Bausätze und auch in Fertigprodukten. Børresen hat diesen Ansatz scheinbar lediglich verfeinert und konstruktiv auf die Spitze getrieben. Und das dürfte nicht die schlechteste Wahl für einen High-End-tauglichen Subwoofer sein.

LowBeats wird sich demnächst noch näher über die Besonderheiten des Børresen BM3 direkt beim Hersteller vor Ort informieren.

Technische Daten

BØRRESEN BM3
Konzept:Aktiver Subwoofer in gefalteter Dipol-Bauweise
Frequenzgang:20 – 120 Hz
Eingänge analog:1x Stereo Cinch, Max input 9V RMS (mono) oderr 4,5V RMS (Stereo), Eingangsimpedanz 10 kOhm
Treiberbestückung:4 x Børresen DCC8 Neo
Verstärkerleistung:2 x 300 W Aavik UMAC-Modul (Class-D)
Besonderheiten:analoge Frequenzweiche, offene Bauweise
Farbe:
Schwarz
Abmessungen (H x B x T):585 mm x 399 mm x 429 mm
Gewicht:46,4 kg
Alle technischen Daten
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Autor: Frank Borowski

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