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ATR Recording Session: Bugge Wesseltoft (Foto: R. Vogt)
Atr Recording Session: Bugge Wesseltoft (Foto: R. Vogt)

Bugge Wesseltoft: Live Recording @Villa Belvedere

Am 10. und 11. Juni 2024 fand in der Villa Belvedere, dem Firmensitz von ATR – Audio Trade, eine Live Recording Session mit dem norwegischen Jazzmusiker und Pianisten Bugge Wesseltoft (mit vollem Namen: Jens Christian Bugge Wesseltoft) statt. Das ist nach einem ähnlichen Event mit De-Phazz im vergangenen Jahr am selben Ort die Fortführung dieses Hochfestes der Musik und analoger Aufnahmetechnik.

Atr Recording Session: Bugge Wesseltoft (Foto: R. Vogt)
Die Ankündigung im Eingangsbereich: Bugge Wesseltoft is in the house (Foto: R. Vogt)

Die stattliche Villa Belvedere, im beschaulichen Rheingau zwischen bekannten Weingütern gelegen, dient ATR schon seit einigen Jahren als noble Dauer-Hausmesse mit Showrooms unterschiedlicher Größe: Allesamt stilvoll eingerichtet, allesamt akustisch optimiert von RTFS, die auch die Hörraume von LowBeats ausgestattet haben.

Die von ATR jetzt initiierten Recording Sessions sind im Grunde eine Weiterentwicklung dessen, was man in den 1970er-Jahren „Direktschnitt-Aufnahmen“ nannte. Legendären Aufnahmen wie Charly Antolinis „Knock Out!“ entstanden so. Heute (und mit moderneren Mitteln) würde man es wohl eher als Studiokonzert bezeichnen. Der oder die Künstler nehmen in einer (akustisch) kontrollierten Situation mit kleinem Publikum live ein Album auf.

Dieses Mal lud ATR den virtuosen Jazzpianisten und -komponisten Bugge Wesseltoft ein, um eine LP einzuspielen. Doch wie auch bei De-Phazz ging nicht etwa der Musiker ins Studio, sondern das Studio von sommelier du son kam in die Villa Belvedere mit ihren imposanten Räumen. Hinter „sommelier du son“ stecken HiFi-Statement-Chefredakteur Dirk Sommer und dessen Frau Birgit Hammer-Sommer, die gemeinsam bereits etliche, überragende Analog-Aufnahmen gemacht haben. Um das Event für die Ewigkeit einfangen, rückten die Münchener mit feinster Analog-Elektronik an, inklusive zweier Studer A810 Bandmaschinen und besten Mikrofonen.

Atr Recording Session: Dirk Sommers feine, rein analoge Studiotechnik (Foto: R. Vogt)
ATR Recording Session: Dirk Sommers feine, rein analoge Studiotechnik (Foto: R. Vogt)

Dirk Sommer und ATR-Chef Markolf Heimann legen auf die durchgängig analoge Signalverarbeitung großen Wert, weshalb – wie schon bei De-Phazz – nur eine Veröffentlichung als exklusive Vinyl-LP geplant ist. Auch der Schnitt und das Mastering, an dem dann zudem Christoph Stickel beteiligt ist, sollen rein analog erfolgen und vor allem praktisch keine Bearbeitung der Dynamik – sprich Kompression – beinhalten.

Atr Recording Session: Bugge Wesseltoft (l.) mit Dirk Sommer (Foto: R. Vogt)
Bugge Wesseltoft (l.) im Gespräch mit Dirk Sommer kurz vor Konzertbeginn (Foto: R. Vogt)

Recording Session: Alle Smartphones auf Flugmodus, ein letztes Räuspern und dann ging es los. Bugge Wesseltoft spielte am Flügel eigene Kompositionen und Improvisationen. Er spielte Kalimber (afrikanisches Daumenklavier) und Rasseln live als Loop zur eigenen Begleitung ein.

Atr Recording Session: Bugge Wesseltoft (Foto: R. Vogt)
Bugge Wesseltofts Musik ist eine Mischung aus klassischen Instrumenten und hinterlegten Loops (Foto: R. Vogt)

Schließlich kam dann auch der klassische Minimoog Synthie zum Einsatz, den er teils mit ausgebreiteten Armen gleichzeitig mit dem Flügel spielte. Aus anfänglich ruhigen, fließenden Pianoklängen entwickelten sich im Laufe des Konzerts immer mehr improvisierte und perkussivere Musik, die auch den letzten Zuhörer im Publikum mitriss.

Bugge Wesseltoft am Minimoog (Foto: R. Vogt)

Das wird auf jeden Fall eine spannende LP, wenn sie denn im Herbst fertig wird. Die letzte LP, De-Phazz „Live at Villa Belvedere“ war übrigens so ein großer Erfolg, dass ATR schon viermal hat nachpressen lassen…

Eine tolle Initiative von ATR die nicht nur das eigene, gleichnamige Plattenlabel wiederbelebt, sondern interessante neue Scheiben von hoher technischer und klanglicher wie musikalischer Qualität hervorbringt. Weiter so!

Hier der Bericht über die Aufnahme mit De-Phazz im vergangenen Jahr:
LowBeats beim einmaligen High-End-Konzert: „Live At Villa Belvedere: De-Phazz“

Autor: Raphael Vogt

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Technischer Direktor bei LowBeats und einer der bekanntesten Heimkino-Experten der Republik. Sein besonderes Steckenpferd ist die perfekte Kalibrierung von Beamern.