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Cambridge YoYo (M): Bluetooth-Lautsprecher für Audiophile

Cambridge YoYo hören und betören lassen

Der Hörtest machte mir deutlich mehr Freude, als man von dieser kompakten, auf Convenience ausgelegten Gattung erwarten würde. Die kleinen Lautsprecher klangen so gar nicht nach Plastikbechern. Sie zeigten alle Tugenden, die man auch von einer ausgewachsenen britischen HiFi-Box erwartet. Die Stimmen waren an Klangfarbentreue und Sauberkeit kaum zu übertreffen, die Obertöne perfekt dosiert.

Eine solche Homogenität kann man in diesem Produkt- und Preis-Bereich lange suchen. Eine solche Klarheit auch. Da haben nicht nur andere Bluetooth-Boxen dieser Größenklasse keine Chance, auch HiFi-Boxen für unter 400 Euro kommen nicht mit. Schließlich brauchen gewöhnliche Passivboxen nach alter Väter Sitte noch einen Verstärker plus eine Quelle, die schon allein das Budget weitgehend aufzehren würden.

In Zeiten, in denen Smartphones selbst in Entwicklungsländern beliebt und verbreitet sind, kann man eigentlich sagen: Es bedarf außer diesem Lautsprecher keinerlei Investitionen, um den Klang einer ausgewachsenen HiFi-Anlage zu genießen. Die Cambridge YoYo (M) spielen auf einem Level, der selbst Audiophile wie mich nachhaltig zufrieden stellt.

Schon der Hörtest verlief ungewöhnlich, weil ich nach der Urteilsfindung noch weiterhörte, weil ich immer wieder einen Titel auf meinem iPhone fand, den ich unbedingt auf den YoYo (M) abspielen wollte. Wann kann man seine zentrale AAC-Musiksammlung schon mal in dieser Qualität hören?

Da meine Anlage noch Old School mit durchweg Kabelverbindungen ist, gelingt mir das sonst nur mit dem Harman/Kardon-System in meinem Auto. Und das kostet schon allein mehr als das Doppelte von dem, was Cambridge für die YoYo (M) verlangt. Allerdings liefern die beiden Harman/Kardon Subwoofer unter den Sitzen dafür noch mehr Nachdruck im Bass. Ganz besonders, wenn man die beiden Briten gleich nach dem Unboxing bewertet.

Selbst beim Verfassen dieses Berichts lief die Musik noch weiter über die beiden Kraftzwerge, die ich einfach auf meinen Standlautsprechern von Acoustic Energy positioniert hatte.Dabei begeisterte mich die authentische, differenzierte Wiedergabe von Stimmen und Instrumenten. Live-Aufnahmen aus dem Rock-Bereich wie Marius Müller Westernhagens MTV Unplugged kamen selbst am Schreibtisch noch so differenziert und fein an, dass ich nicht darüber nachdachte, dass keine CD über die große Anlage lief, sondern nur AAC via Bluetooth auf den Minis.

Die Produktpalette von Cambridge Audio Yoyo
Cambridge bringt ein ganzes Range von Bluetooth-Lautsprechern: das YoYo (L) links für 399 Euro, das YoYo (M) Mitte für 349 Euro und das YoYo (S) für 179 Euro. Dabei sind die (M) durch ihre smarte Paarbildung und ihren richtigen Stereo-Klang eine ausgezeichnete Wahl (Foto: Cambridge Audio)

Selbst die Lautstärke reichte trotz meines offenen Wohnbereichs vollkommen für erhöhte Zimmerlautstärke aus. Weiter drehe ich gewöhnlich auch mit der normalen Stereo-Anlage so gut wie nie auf.

Dabei fiel mir positiv auf, dass die YoYo (M) anders als manche Mitbewerber auch am Anschlag niemals brummig wurden oder als Rettung vor dem Hitzetod oder mechanischen Kollaps der Chassis den digitalen Anker warfen, sprich mit dem integrierten DSP den Pegel im Bass beschnitten. So entfiel auch das lästige Pumpen, das sich bei einigen Mitbewerbern feststellen lässt. Das war wirklich audiophiles Hören für Erwachsene!

Das stundenlange Hören aus purem Vergnügen hatte noch einen anderen Vorteil: Die fabrikneuen, in England entwickelten, aber aus der Fertigung in China verschifften Lautsprecher spielten sich spürbar ein. Der Anfangs doch sehr zugeschnürte Bass wurde gerade für die bescheidenen Lautsprecherabmessungen ausgesprochen satt und blieb dabei vorbildlich sauber.

Applaus hat Applaus verdient

Der Applaus bei guten Live-Aufnahmen konnte es nach der kurzen Einspielzeit ebenfalls mit ausgewachsenen HiFi-Boxen aufnehmen, was Differenziertheit und Impulsivität betrifft. Stimmen bekamen sogar jenen seidigen Schmelz, den audiophile Produkte von schnödem Mainstream-HiFi unterscheiden. Mit anderen Worten: Jetzt kam zur Pflichterfüllung noch Emotionalität ins Spiel – eine Komponente, die ich in diesem Umfeld nie erwartet hätte.

Genug mit Marius: Ich wollte mit den eingespielten Boxen noch mal meine neuesten Pop-Titel hören, die ich dank Shazam-Musikerkennung im Radio oder Bars entdeckt und gleich im iTunes Store gekauft habe. Doch sein „Johnny W“ klingt so genial, dass mir das Skippen schwerfällt.

„Prepare For The Night“ (Club Mix) vom Croatia Squad kam nun für diese Gewichtsklasse fast schon atemberaubend. Schließlich mussten sich die britischen Minis freistehend auf meinen Standboxen abmühen. Mit Hilfe einer Wand oder gar einer Raumecke wäre das schon fast partytauglich. Nächster Track: „I Feel It Coming“ von Starboy feat. Daft Punk kam ebenfalls recht fett, ohne eine Spur von Überforderung. Das groovte richtig gut. „Feel“ (feat. Sena Sener) von Mahmut Orhan machte ebenfalls Freude.

Test Bluetooth Speaker Cambridge YoYo (M)
YoYo-Effekt: Die Bluetooth Speaker Cambridge YoYo (M) erzeugen ein high-fideles Stereo-Panorama (S. Schickedanz)

Schließlich musste ich unbedingt noch mal „Panther“ von Marcus Miller hören. Der hart angerissene E-Bass spielte für diese Gewichtsklasse von Lautsprecher schon phänomenal, die Attacke und Sauberkeit begeisterte. Zum Abschluss noch das „Bass Solo“ von Nemesea, einen der Lieblingstracks vom Rolls-Royce-Sound-Entwickler Gerd Wolfrum, der über die mit riesigem Abstand günstigere britische Anlage erstaunlich wenig von seinem Impact einbüßte.

Dass ich an dieser Stelle die Anlage ausmachte, hing mit einer Verabredung zusammen. Sonst hätte ich wahrscheinlich kein Ende gefunden.

Fazit Cambridge YoYo (M)

Es ist eh schon alles gesagt: Die Cambridge YoYo (M) sind der absolute Hammer, was Klang und Preis-Leistung betrifft. An die nicht ganz voraussetzungsfreie Bedienung (die beiliegende, knapp gehaltene Bedienungsanleitung setzt auf Piktogramme) gewöhnt man sich schnell und die Stoffhülle von Marton Mills ist für Freunde von Bespoke-Kleidung auch dann ein Sahnehäubchen, wenn sie bei Anzügen eher zu italienischen Webern wie Vitale Barberis tendieren.

Also: Wenn der Kauf eines Bluetooth-Lautsprechers ansteht, der etwas mehr kann und etwas mehr kosten darf, vor allem aber, wenn Klang die erste Geige spielt, dann sollten Sie sich diese britische Glanzleistung unbedingt genauer anschauen.

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Cambridge YoYo (M)
2017/04
Test-Ergebnis: 4,8
Überragend
Bewertung
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Exzellente Natürlichkeit, Substanz in den Mitten gepaart mit feinen, klaren Höhen und einem für diese Größe ausgezeichneten, sauberen Bass
Richtig gutes Stereo-Panorama, sehr ordentliche Fein- und Grobdynamik
Wunderschönes Finish mit Kammwolle von Marton Mills
Freisprecheinrichtung mit Echo-Effekten

Vertrieb:
Cambridge Audio Deutschland
Alter Wandrahm 15
20457 Hamburg
www.cambridgeaudio.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Cambridge YoYo (M): 350 Euro