Home / Test / Digital Audio / Wandler / Test: Chord Hugo TT 2 und M Scaler: klangstarker DAC mit Nachbrenner

Test: Chord Hugo TT 2 und M Scaler: klangstarker DAC mit Nachbrenner

Chord Hugo M Scaler – ein Erklärungsversuch

Ich muss zugeben, dass ich mich selten so schwer getan habe, ein HiFi-Produkt zu beschreiben, bzw. dessen Funktionsweise allgemein verständlich zu erklären. Das liegt vor allem an der Komplexität der digitalen Signalverarbeitung von Chord-Produkten im Allgemeinen und des M Scaler im Besonderen – und daran, dass ich nun mal kein Expertenwissen auf Entwicklerniveau habe. Schon gar nicht auf dem eines Rob Watts, der die Geheimnisse der Digitaltechnik scheinbar mit der Muttermilch aufgesogen hat. Alle Beschreibung von Dritten, die ich mir zu diesem Thema reingezogen habe, sind entweder viel zu komplex für einen Testbericht, oder allzu wischi-waschi und erklären im Endeffekt gar nichts.

Chord Higo TT2 mit M Scaler
Das digitale Mastermind bei Chord Electronics: Rob Watts, hier bei seinem LowBeats Besuch (Foto: H. Biermann)

Mir geht es dabei speziell um den von Chord (und sonst nur wenigen anderen) im Marketing eingesetzten Begriff „Taps“. Chord wirbt damit, dass seine DACs besonders viele dieser ominösen Taps im Vergleich zu anderen böten. Und mit dem M Scaler will Chord sogar erstmals die Millionen-Taps-Grenze durchbrochen haben. Tja. Was auch immer das heißen mag.

Chord M Scaler Totale
Der Hugo M Scaler ist ein Spin-Off aus dem Chord CD-Player BLU MK II. Im Prinzip ist er ein leistungsstarker und hoch spezialisierter Computer, der mittels des von Chord selbst entwickelten WTA-Filters mit hohem Rechenaufwand das originale Analogsignal rekonstruiert und 2.048-fach oversampelt (Foto: F. Borowski)

Timing ist für unsere Wahrnehmung absolut essentiell. Selbst unfassbar kleine zeitliche Abweichungen können auf die Rekonstruktion des Signals so große Auswirkungen haben, dass wir sie als klangliche Defizite wahrnehmen können. Scheinbar sehr kleine und laut Theorie vernachlässigbare Timing-Fehler haben sehr große subjektive Auswirkungen.

Rob Watts sagt, dass unser Gehör beziehungsweise unser Gehirn in der Lage sei, zeitliche Abweichung in der räumlichen Wahrnehmung im Bereich von 4 Mikrosekunden (1 µs = 0,000001 Sekunden) verarbeiten zu können. Das entspreche einer Abweichung in der räumlichen Lokalisierung von 2 Grad. Auch die Tiefenwahrnehmung liegt im Bereich dieser Genauigkeit. Aus diesem Wert hat Watts errechnet, dass unser Gehör/Gehirn Daten mit einer Rate von 250 kHz „sampelt“ – also quasi pro Sekunde 250.000 Messwerte aufnimmt und verarbeitet. Zum Vergleich: Bei CD werden 44.100 Samples pro Sekunde genommen, also viel weniger. Die zeitliche Auflösung bei CD beträgt 22 µs.

Dazu kommt, dass unsere Wahrnehmung ganz extrem empfindlich auf Transienten (Einschwingvorgänge) reagiert. Ohne Transienten könnten wir kaum eine Trompete von einem Klavier unterscheiden oder einer Bassline folgen. Daher ist es extrem wichtig, die Transienten exakt zu rekonstruieren. Herkömmliche Sample-Algorithmen (NOS, IIR, MQA und Minimum Phase Interpolation) erzeugen laut Watts zu große Timing-Fehler, was insbesondere die Einschwingvorgänge des Signals beeinflusst.

Das von Chord eingesetzte und komplett selbst entwickelte Filter soll eben diese Problematik vermeiden. Daher der Name „Watts Transient Aligned“, oder kurz WTA. Es handelt sich dabei um ein „Infinite Tap Length FIR Sinc Filter“, welches mit sehr hohem (2048-fachen) Oversampling arbeitet. Herkömmliche DACs arbeiten nur mit acht- oder sechzehnfachem Oversampling.

Chord Hugo TT2 mit M Scaler Fernbedienung
Die Fernbedienung des Hugo M Scaler (Foto: F. Borowski)

Die Theorie (Whittaker-Shannon Interpolation) besagt, dass man mit einem Infinite Tap Length FIR Sinc Filter die „fehlenden Bits“ aus einem digitalen Datenstrom mittels Interpolation perfekt rekonstruieren kann (Quantisierungseffekte außen vor gelassen). Allerdings setzt dies eine unendliche Anzahl an Abtastschritten (Tap Length) des Signals voraus. Es wird quasi unendlich hohes Oversampling benötigt. Die Tap Length bestimmt, wie komplex das Interpolationsfilter ist. Für perfekte Rekonstruktion wären unendlich viele Taps erforderlich, was das Filter unendlich komplex machen würde. Das ist natürlich nicht zu realisieren.

Watts schrieb mir dazu (in der Übersetzung etwas vereinfacht): „Das WTA Filter ist insofern einzigartig, da es zum größten Teil einem idealen Sinc entspricht, womit Chord (im Falle des M Scaler) eine Wiederherstellungsgenauigkeit von mehr als 16 Bit garantieren kann. Konventionelle Filter erreichen nur 2 oder 3 Bit Genauigkeit.“

Watts ist bei seinen jahrzehntelangen Forschungen zu dem Schluss gekommen, dass etwa 1 Mio. Taps für unser Gehör ausreichen, um die kritischen Transienten mit der nötigen Auflösungsgenauigkeit zeitlich exakt rekonstruieren zu können. Leider war es bis vor kurzem mangels ausreichender Rechenleistung kaum möglich, mit praktischen Mitteln (sprich: ohne allzu große Latenz und mit erträglichem Prozessoraufwand) derart viele Taps zu realisieren. Herkömmliche D/A-Wandler arbeiten nur mit wenigen hundert bis tausend Taps und selbst die Chord-eigenen Produkte schafften bislang maximal 164.000 Taps (im Wandler Dave).

Erst im High-End CD-Player BLU MK II gelang es Watts, einen FPGA-basierten Upscaler mit WTA Filter zu verwirklichen, der 1.015.808 Taps schafft. Und genau dieser Upscaler aus dem BLU MK II ist das, was im Hugo M Scaler steckt. Dieser reicht nach getaner Arbeit das Signal upgesampelt über zwei BNC-Leitungen an beispielsweise den Hugo TT 2, den Qutest oder andere DACs mit geeignetem Dual BNC Eingang weiter. Durch den hohen Rechenaufwand hat die Musik via M Scaler eine Verzögerung von ca. einer halben Sekunde. Aus diesem Grund verfügt der M Scaler auch über eine Video-Taste, mit der der Filteraufwand (die Anzahl der Taps) so weit reduziert werden kann, um beispielsweise Fernsehton über Toslink lippensynchron wiedergegeben zu können.

Der Hugo TT 2 schafft übrigens ohne den M Scaler aus eigener Kraft 98.304 Taps. Das ist weitaus mehr als bei den meisten anderen DACs dieses Planeten, aber eben noch weit entfernt von der einen Million Taps des M Scaler.

Chord Hogo TT2
Der M Scaler ist eine rein digitale Komponente und hat daher auch nur digitale Ein- und Ausgänge. Er übernimmt das Signal von der Quelle und reicht es nach der WTA-Behandlung an einen DAC weiter. Im Idealfall per Dual-BNC. Die dafür nötigen Kabel werden mitgeliefert (Foto: F. Borowski)

Letztendlich ist all das nur graue Theorie. Interessant ist für uns Konsumenten am Ende doch nur, ob der Unterschied zwischen der Musikwiedergabe mit und ohne M Scaler tatsächlich hörbar ist und ob sich der Aufpreis von nicht unerheblichen 4.490 Euro dafür lohnt. Also, auf in den Hörtest…

Hörtest Chord Hugo TT 2 und M Scaler: so klingen eine Million Taps

Um mir einen möglichst umfassenden Klangeindruck zu verschaffen, habe ich dem Chord-Gespann in verschiedenen Konstellationen auf den Zahn gefühlt:

• Hugo TT 2 und M Scaler mit TToby an KEF Reference 1 Kompaktboxen in Raumaufstellung
• Hugo TT2 und M Scaler am T+A PA 2500 R als Endverstärker an den KEF Reference 1 in Raumaufstellung
• Hugo TT 2 und M Scaler am T+A PA 2500 R als Endverstärker in Nahfeld-Aufstellung (Desktop) an den ELAC BS312
• Per Kopfhörer mit beyerdynamic T 1 (MK II) und Sonus faber Pryma

Durch die Funktionen am M Scaler ist es möglich, den Hugo TT 2 mal mit und mal ohne den Einfluss des M Scaler zu hören. Der M Scaler lässt sich quasi auf Durchzug schalten.

Im Hörraum mit TToby an den KEF Reference 1 begeisterte das Trio vom ersten Ton an mit einer unfassbar klaren und in allen Tonlagen perfekt umrissenen Darstellung. Nicht nur die Mitten und Höhen überzeugten mit Feinauflösung auf bislang nur selten gehörtem Niveau. Auch der Bassbereich wirkte so sauber, aufgeräumt und straff organisiert, dass beispielsweise der Klangkörper großer Trommeln oder der Korpus eines Kontrabasses viel lebensechter erschien, als mit den meisten anderen mir bekannten Digitalkomponenten bisher erlebt. Beispielsweise Glocken, Trompeten und auch Stimmen, wie im Titel „Asphodels“ vom Grand Ensemble Koa (Album: Beat), habe ich selten zuvor so überzeugend über meine Lautsprecher und Kopfhörer gehört.

Hier zahlt sich ganz offensichtlich die sorgfältige Behandlung von Transienten und deren Timing aus. In dieser Konstellation schien lediglich der Endverstärker TToby dem Ganzen gewisse Grenzen aufzuerlegen. Zum Beispiel in der Grobdynamik. Dass der kleine Amp mit den KEF ordentlich zu tun hatte, zeigte sich auch an dem vernehmbaren Lüftereinsatz.

Chord Hugo TT2 Anschlüsse
Chord Hugo TT 2, M Scaler und TToby zusammen bedeuten einen recht hohen Verkabelungsaufwand (Foto: F. Borowski)

In der zweiten Runde habe ich den TToby zum Gegencheck durch den T+A Vollverstärker PA 2500 R ersetzt, der dank Vorstufeneingang auch als Endstufe eingesetzt werden kann. Der T+A bietet mit seinen rund 300 W pro Kanal an 4 Ohm deutlich mehr Leistungsreserven als der TToby. Klanglich lag das Ergebnis auf einem sehr ähnlichen Niveau, auch in Bezug auf den Klangcharakter. Feinauflösung, Durchhörbarkeit, räumliche Darstellung ließen ebenso wenig Wünsche offen, doch das Leistungsplus des T+A-Verstärkers sorgte für noch mehr Gelassenheit bei gehobenen bis sehr hohen Pegeln.

Ein ähnliches Resultat zeigte sich auch am Desktop mit den ELAC BS312 mit ihren famos fein klingenden JET-Hochtönern. Hugo TT 2 und M Scaler prägen dem Klang eine unübertroffene Wiedererkennbarkeit von Stimmen und Instrumenten auf. Im Gegensatz zu anderen Digitalkomponenten, die einen ähnlich starken Fokus auf Details legen, lassen Hugo TT 2 und M Scaler aber nichts in Sachen „Seele“ vermissen. Statt zur Klanglupe zu verkommen und die Instrumente und Stimmen einfach in Einzelgeschehen zu zerlegen, behält die Darbietung mit den Chords stets das musikalische Gesamterlebnis im Blick. Sehr überzeugend!

Kaum verwunderlich, dass sich genau dieser Gesamtcharakter auch mit Kopfhörern 1:1 widerspiegelt. Egal, ob mit dem offenen 600 Ohm beyerdynamic T 1 oder einem geschlossenen Hörer wie dem Pryma. Der Chord Hugo TT 2 zeigte mir allerdings die Schwächen des extrem neutralen und „schnellen“ T 1 mit aller Deutlichkeit auf. Der Kopfhörer ist manchmal einfach etwas zu kühl und aufdringlich im Vergleich zu anderen Spitzenkopfhörern. Der deutlich günstigere, geschlossene Pryma (32 Ohm) gefiel mir deswegen am Hugo TT 2 besser, weil er wärmer klingt und mit etwas mehr Bassenergie aufwartet. Dank der Chord-Zuspieler offenbarte der Pryma aber weit mehr Feingefühl für diffizile Klänge, als ich es je von ihm gehört habe.

Die Erkenntnis daraus ist, dass das Back-End, also die nachgeschalteten Verstärker und Lautsprecher bzw. Kopfhörer von sich aus nicht zu analytisch und brillant sein sollten. Tendenziell eher warm und harmonisch abgestimmte Schallwandler profitieren von der überragenden Genauigkeit der Chords hingegen ungemein.

Chord Hugo TT2 mit M Scaler
TT steht nicht von ungefähr für „Table Top“ (Foto: F. Borowski)

Bleibt noch die Frage, wie sich der M Scaler klanglich bemerkbar macht. Kurz gesagt: deutlich! Durch die Möglichkeit, das Quellensignal bitperfekt durch den M Scaler schleusen zu können (dafür müssen die Tasten DX OP für den Eingang und OP SR für den Ausgang die gleiche Farbe anzeigen), ist ein direkter A/B-Vergleich mit und ohne M Scaler möglich. Erwarten Sie nicht, dass sich mit dem Zu- oder Wegschalten des M Scaler gleich klangliche Welten verschieben. Dazu bewegen wir uns schon mit dem Hugo TT 2 allein auf einem viel zu hohen Niveau. Dennoch ist die Wirkung des M Scaler sehr eindeutig nachvollziehbar. Vor allem stark betonte Höhen erreichen nochmal deutlich mehr Präzision und Feinsinn, aber auch das restliche Spektrum gewinnt an Kontur, womit auch die räumliche Darbietung an Übersichtlichkeit gewinnt.

Der Effekt ist wirklich schwer in Worte zu fassen. Wenn ich zum Beispiel sagen würde, dass Höhen mit dem M Scaler weniger scharf und aggressiv klingen, würde das ja implizieren, dass der Hugo TT 2 ohne M Scaler scharf und aggressiv klingt, was definitiv ein falsches Licht auf dessen Qualitäten werfen würde. Nur ist das Bessere einfach mal wieder des Guten Feind. Mit dem M Scaler werden lediglich die letzten Unregelmäßigkeiten und Kanten von Diamant- auf Brillant-Niveau feingeschliffen. Das macht sich insbesondere beim Langzeitgenuss positiv bemerkbar. Selten zuvor habe ich digital gespeicherte Musik so wunderbar natürlich erlebt. Ob einem dieses Plus an Feinsinn knapp 4.500 Euro wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin mir aber sicher: Wer ihn einmal gehört hat, möchte den M Scaler in seiner Kette nicht mehr missen.

Fazit Chord Hugo TT2 und M Scaler – nahe dran an digitaler Perfektion

Es gibt inzwischen einige herausragend gut klingende DACs auf dem Markt, weshalb ich mich nicht derart weit aus dem Fenster lehnen würde, dem Chord-Gespann aus Hugo TT 2 und M Scaler so etwas wie totale Überlegenheit zu bescheinigen. Aber auf diesem klanglichen Niveau fällt es schwer, sich noch großartige Steigerungsmöglichkeiten vorzustellen. Die gibt es sicherlich, denn nichts ist absolut perfekt. Aber dazu bedarf es auf jeden Fall eines direkten Vergleichs mit den Weltbesten ihrer Art. Ich glaube kaum, das irgend jemand, der den Chord Hugo TT 2 und den M Scaler sein eigen nennt und ein gutes Front- und Back-End daran betreibt, auch nur den Hauch von Klangkritik an den britischen Digitalos hat – es sei denn, die verwendeten Kopfhörer und/oder Lautsprecher sind der Unbestechlichkeit des Duos nicht gewachsen.

Wenn es Kritik gibt, dann nur im Detail an einigen praktischen Aspekten. So ist der Verkabelungsaufwand recht hoch und die Besonderheit der Statusanzeigen mit farbig beleuchteten Buttons ist Gewöhnungssache.

Wer damit klar kommt und das nötige Kleingeld besitzt, erhält mit dem Chord Hugo TT 2 einen herausragend guten DAC mit Vor-/Kopfhörerverstärker und mit dem M Scaler ein klangliches Upgrade, das im Digital-Audio seinesgleichen sucht. Die Endstufe ist in dieser Kette sicherlich das schwächste Glied. Für ein vollwertiges, desktop-taugliches HiFi-System der Referenzklasse ist sie absolut in Ordnung, doch wer die Qualitäten des Digital-Duos voll ausschöpfen möchte, muss höher greifen.

In der folgenden Slideshow finden Sie die Bewertungen der drei Chord Komponenten. Dass der M Scaler den Chord Hugo TT2 klanglich „nur“ um 0,4 Sterne verbessert, sollte trotz des Preises niemanden wundern: 0,4 Sterne sind in diesem Bereich eine ganze Galaxie…

Vorwärts Zurück
LowBeats Bewertung Chord Hugo TT 2
LowBeats Bewertung Chord Hugo TT 2 + M Scaler
 LowBeats Bewertung Chord TToby
Vorwärts Zurück

Weitere Informationen zu den Chord Komponenten bei G8 & friends.

Die Mitspieler im Test:
Test KEF Reference 1: die überragende Kompaktbox
Test Sonus faber Pryma 01: Over-Ear im italienischen Stil
Test T+A PA 2500 R: So baut man Vollverstärker

Mehr von Chord:
Test Chord QUTEST: sweet little High End DAC