Am 26. Dezember 2025 ist er 74 geworden: John Scofield gilt als virtuoser Jazz-Gitarrist und -Komponist mit Dekaden an Erfahrung und Spiellaune. Er stammt aus Dayton/Ohio und wuchs an der US-Ostküste in Connecticut auf. Mit elf Jahren nahm er das erste Mal die Gitarre in die Hand und legte sie Dank Motivation durch Vorbilder aus dem Kosmos von Blues und Rock nicht mehr beiseite. Die Zeit am Berklee College of Music in Boston vertiefte seine Leidenschaft zur Gitarre dann professionell – es folgten nicht wenige Kollaborationen mit Jazz-Promis wie Chet Baker, Billy Cobham, Miles Davis oder Gerry Mulligan. Und als Bandleader listet seine Vita über 30 Alben.
Ein Kollege spielte in beinahe all den Jahren stets eine besondere Rolle. Mit dem Bassisten Dave Holland ist Scofield ebenfalls seit Dekaden verbunden – etwa durch gemeinsame Live-Auftritte und den musikalischen Spirit. Der 79-jährige Engländer bringt Schwung und Melodie nebst erdiger Struktur ins Spiel, im Laufe seiner Karriere beispielsweise nach Umwegen mit Miles Davis auf seinem Klassiker „Bitches Brew“. Es folgten Teamworks mit Chick Corea oder Jack DeJohnette – und schließlich als Chef des Grammy-dekorierten Dave Holland Quintet seit 1997 mit weiteren Kollegen. Verwunderlich, dass aus der klingenden Freundschaft mit John Scofield kein gemeinsames Album entstanden ist – bis jetzt eben. Auslöser war eine gemeinsame, gefeierte Tour 2021, die nun in das Duo-Werk „Memories Of Home“ mündete. Die Notenblätter füllten die beiden mit neun Stücken, vier stammen von Dave Holland, fünf von John Scofield. Die Aufnahmen fanden im August 2024 im NRS Recording Studio in Catskill/New York statt.
Die beiden verbindet zudem eine Historie mit dem audiophilen Jazz-Label ECM. Folgerichtig erscheint auch ihr gemeinsames Werk dort, wo Label-Chef Manfred Eicher mit seinen 82 Lenzen nach wie vor energetisch die Regie führt. „Die Platte enthält, genau wie unsere Live-Shows, Stücke, die jeder von uns komponiert hat, einige neu, einige alt. Wir teilen jahrzehntelange gemeinsame musikalische Bezugspunkte. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in unseren Herangehensweisen machen die Zusammenarbeit, wie ich finde, umso spannender“, so John Scofield.
Die Musik von John Scofield/Dave Holland „Memories Of Home“
Hören wir mal rein. Der Opener „Icons At The Fair“ glänzt mit gezupften Moll-Akkorden, gebettet auf sonorer Bass-Basis von Dave Holland. In der Bearbeitung der beiden erlebt das Stück von 2018 (vom Album „Combo 66“) eine erdige Transformation. „Meant To Be“ wiederum frönt relaxt dem Blues und Post-Bop, während Holland-Stücke wie „Not For Nothin“ und der Titelsong federnd-pulsierend bis gediegen-bluesig begeistern, stets geprägt von sensiblem gegenseitigem Verständnis.

Das Klangbild wirkt intensiv, dank feindynamischer Finesse, die sich auf die teils zart besaiteten Aktionen von Gitarre und Doppel-Bass fokussiert. Anzupfgeräusche, Phrasierungen besitzen Charakter, Luft und Raum drumherum wirken authentisch.
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