Billie Marten verführt uns mit akustischen Mittsommernachtsträumen: Die Singer-Songwriterin bringt hier mit gerade mal 26 Lenzen ihr fünftes Studio-Album heraus – eine heitere, folkige Melange mit innerer Strahlkraft und einem beherzten Schuss Alternative-Attitüde. Isabella Sophie Tweddle aus dem englischen North Yorkshire wurde bereits stilistische Ähnlichkeit mit Kate Bush oder Nick Drake (siehe aktuelle Kritik) nachgesagt. Tatsächlich braucht sie diese Vergleiche nicht, denn ihre elegant-feine Stimme und ihre gerne Arrangements führten eher auf countryeske Pfade.
Ihre Karriere begann lange vor ihren Alben: Mit sieben Jahren begann sie zu singen und die Gitarre zu zupfen, mit acht schrieb sie ihre ersten Songs, mit neun bespielte sie bereits ihren eigenen YouTube-Kanal mit Cover-Versionen von Popstücken. Mit zwölf gab sie Sessions in Yorkshire. Da waren selbst ihre Mutter, eine Lehrerin und ihr Vater, ein Werbetexter, erstaunt. Damit nicht genug: Mit 16 unterschrieb sie einen Plattenvertrag mit dem Hause Sony und soll sich vom ersten Geld einen Land Rover gekauft haben – in dem sie mangels Führerschein nur mitfahren durfte – ihr Daddy fuhr. Soweit die Legende.
Für „Dog Eared“ ging Billie ins Sugar Mountain Studio von Phil Weinrobe, in Brooklyn/ New York. Der hat bereits Singer-Songwriterinnen wie Laura Veirs „aufgenommen“ – kein Zufall, denn die Amerikanerin steht eher in musikalischer Verwandtschaft zu Billie Marten als Kate Bush oder Nick Drake.

Und so hören wir gepflegt-gechillte Songs, unaufgeregt, schillernd und wärmend. Immer wieder fein und sensibel austariert mit schönem Facettenreichtum ihrer Vocals und gepflegtem, oft akustischem Instrumentarium wie auf „Swing“ mit Fiddle im Gepäck oder „Leap Year“. Klasse: Die Folk-Pop-Perle „I Can’t Get My Head Around You“. Lyrisch fokussiert das Album frühere Zeiten, als sie in einem Lieblingsbuch gerne mal Zeilen unterstrich und Eselsohren an die Seitenecken knickte – und den Übergang ihres schon in jungen Jahren aufregenden Lebens ins Erwachsenenalter. Nicht pathetisch, sondern eher leicht mit netten Fußnoten. Angesichts dieser kreativen Schaffenskraft dürfte Album Nummer sechs nicht lange auf sich warten lassen. Was ja gut ist.
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