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Ganz im Stile von The Boss Springsteen: Lucinda Williams „The World’s Gone Wrong“ ist einer unserer Musiktipps des Monats (Foto: M. Seliger)

Die Alben des Monat Januar 2026: Lucinda Williams „The World’s Gone Wrong“

Die Singer-Songwriterin und Gitarristin zählt vor allem in den USA zu den wichtigen Vertreterinnen ihres Genres in punkto Alternative-Blues-/Country mit Rock-Appeal. Mit zwölf Jahren ergriff Lucinda die Gitarre, mit 20 spielte sie dann vor Publikum mit einem Mix aus Folk, Rock und Country. Mit ihren Kompositionen hatte die heute 73-Jährige ein gutes Händchen, damit auch für andere zu schreiben wie für Mary Chapin Carpenter („Passionate Kisses“). Rock-Held Tom Petty wiederum coverte „Changed The Locks“. Und schließlich fand sie auch im Film-Business Fuß – wie im Streifen „Der Pferdeflüsterer“ von Robert Redford, in dem ihr Song „Still I Long For Your Kiss“ erklingt.

Obwohl Lucinda Williams bereits seit Ende der 1970er Jahre gehaltvolle Alben aufnimmt, sollte ihr Durchbruch bis Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre auf sich warten lassen. Damals schuf sie dann gleich drei Top-Alben in Reihe: „Lucinda Williams“ (1988), „Sweet old World“ (1992) und „Car Wheels On A Gravel Road“ 1998. Ende 2020 erlitt sie einen Schlaganfall und musste das Laufen neu erlernen.

Schon immer fokussierte sie in ihren Texten soziale und gesellschaftliche Themen. Ihr neues Album „The World’s Gone Wrong“ toppt ihr Engagement aus relativ aktuellem Anlass, nämlich was sich da alles in ihrer Heimat so tut. Damit scheint sie eher einsam unterwegs – es wirkt schon beinahe beängstigend hilflos, wie gelähmt und duldungsbereit sich der Kulturbetrieb über dem Großen Teich geriert. Zumindest noch. Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehle ich die Sendung der KollegInnen von „Aspekte“ im ZDF vom 23. Januar 2026.

Da muss anscheinend erstmal eine 73-jährige kommen, um in Songs verpackt wichtige Sachen lyrisch anzusprechen. Damit sollte ihre Stimme wenigstens ein bisschen hoffnungsfrohes Gewicht in die Waagschale von Justitia & Co bringen. Immerhin kürte sie das „Time Magazine“ 2002 zur besten US-Songwriterin. Und in dieser Rolle beschreibt sie eine – unsere – Welt, in der Menschenwürde, errungene Werte und Gerechtigkeit anscheinend gerne immer mehr ignoriert werden. Am Aufnahme- sowie Mixing-Pult des Room & Board Studios in Nashville saß der fünffache Grammy-Preisträger und Co-Produzent Ray Kennedy, der bereits bei vielen KollegInnen von Lucinda Williams für den guten Ton sorgte, darunter Art Garfunkel, John Mellencamp, Jackson Browne, Emmylou Harris oder Taylor Swift.

Die Musik von Lucinda Williams „The World’s Gone Wrong“

Mit ihren Songs verbündet sie sich im musikalischen Geiste etwas mit ihrem Kollegen „The Boss“, Bruce Springsteen, der zumindest früher gerne das Leben und die Nöte der sogenannten Arbeiterklasse aufgriff und in kleine Geschichten packte und mit melodiösem, raubeinigem Rock unterlegt hat. So wie Lucinda aktuell: Der Opener und Titel-Track beleuchtet im Vokal-Team mit Brittney Spencer das harte Leben eines fleißig arbeitenden Paares, das kaum über die Runden kommt, umgarnt von dreckigen E-Gitarren und röchelnden Orgeltönen im R&B-Modus. Bruce Springsteen oder Tom Petty lassen grüßen.

Vor allem der Blues wirkt auf dem Album als innere Kraft ihres Songwritings. Schön zu hören in Stücken wie „Black Tears“, das klassische Blues-Elemente verbindet. Geradlinig rockig geht es dann in Songs wie „How Much Did You Get For Your Soul“ zu, dessen Gangart etwas an Patti Smith erinnert. Auch andere zackige Nummern wie „Sing Unburied Sing“ zählen zu dieser Machart. „Low Life“ wiederum verzückt mit hoppelndem Folk-Beat und Mundharmonika.

Lucinda Williams "WordsGoneWrong"Cover
Lucinda Williams „The World’s Gone Wrong“ erscheint bei Highway 20 als CD oder LP sowie als Stream oder Download, zum Beispiel auf qobuz.de (Cover: qobuz)

Zehn Stücke vereint das Album, neun stammen aus ihrer Feder, „So Much Trouble In The World“ von Bob Marley, das hier die 86-jährige Mavis Staples mit ihrer Stimme veredelt, die sich ebenso wie Lucinda immer wieder für Gerechtigkeit eingesetzt hat. Schön und traurig-verträumt beenden Pianospiel und Vocals von Norah Jones das Album. Die Band mit Doug Pettibone und Marc Ford an den Gitarren, David Sutton am Bass, Rob Burger an den Tasteninstrumenten und Brady Blade an den Drums setzen den mitreißenden Rhythmus-Rahmen für das Werk. Das Klangbild punktet dabei mit ordentlicher Dynamik und prima Durchhörbarkeit.

Lucinda Williams
„The World’s Gone Wrong“
2026/02
Test-Ergebnis: 4,4
SEHR GUT
Bewertungen
Musik
Klang
Repertoirewert

Gesamt

 

Video zum Song „The World’s Gone Wrong“

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Autor: Claus Dick

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Musikfachmann seit Jahrzehnten, aber immer auch HiFi-Fan. Er findet zielsicher die best-klingenden Aufnahmen, die besten Remasterings und macht immer gern die Reportagen vor Ort.