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Yes „Symphonic Live“ i
Da geben die Altmeister noch einmal richtig Gas: Yes „Symphonic Live“ ist ein Zusammenspiel der Prog-Rocker mit Orchester. Eine unserer Empfehlung! aus dem Januar 2026

Die Alben des Monat Januar 2026: Yes „Symphonic Live”

Keine Frage: Yes zählen zu den Stars des britischen Progressive-Rock, die ihn zwar nicht erfanden, aber seit Ende der 1960er-Jahre einem weiten Publikum näher brachten – und wohl auch spätere Formationen wie The Pineapple Thief oder Porcupine Tree inspirierten. Die Londoner Band hatte dann Anfang des Millenniums die Idee, Teile ihres Werks live und symphonisch einzuspielen: Jon Anderson, Gitarrist Steve Howe, Chris Squire am Bass und Drummer Alan White. Als fünfter auf der Bühne bediente Tom Brislin die Keyboards.

Da der Progressive Rock ja eine musikalisch geistige Verwandtschaft mit Charaktermerkmalen der klassischen Musik pflegt, liegt eine Vertonung mit Orchester irgendwie nahe. Dennoch scheiden sich die Geister in der Umsetzung. Zum einen vertonten manche Rock-Heroen ihre Songs schon einmal allzu gefällig und überzogen harte Rhythmen sirupartig. Einige solcher Ausflüge und Verbindungen strandeten dabei im musikalischen Seicht-Gewässer.

Nicht so bei Yes und ihrem Event in der Amsterdamer Heineken Music Hall. Zusammen mit dem European Festival Orchestra (unter der Leitung von Wilhelm Keitel) kondensierten die Yes-Mannen quasi die DNA ihres Song-Repertoire und erweiterten das Ganze weitgehend ziemlich folgerichtig, um das Stil-Cross-Over auszureizen.

Die Musik von Yes „Symphonic Live”

Die rund dreiminütige Ouvertüre erinnert etwas an die legendäre „Hot August Night“, mit dem Neil Diamond 1972 im Greek Theater/ Los Angeles von Beginn an dem Publikum „eingeheizt“ hat: keine Eile, kein Zeitdruck. Auch das erste Stück im Yes-Live-Repertoire, der Klassiker „Close To The Edge“ vom gleichnamigen Album 1972, lässt sich Zeit, um sich zu entwickeln und zu entfalten. Mit jazzigen Elementen geformt, schwingt sich dann Sänger Jon Anderson auf, um die Liaison zwischen Streichereinheiten und Rock-Drive mit seiner fantastischen hell-nöligen Stimme zu manifestieren.

Das wirkt stellenweise dramatisch, wenn nicht bombastisch, blüht aber dank schlau gestreuter Breaks und verhaltener Passagen locker und luftig in kurzweiligen 20 Minuten (!) auf. Klar, etwas Pathos bleibt dabei nicht aus. Passt aber ins Gesamtbild, das zugleich mit nostalgischen Orgeltupfern die guten alten Zeiten des Ur-Prog-Rock à la Genesis mit Peter Gabriel aufleben lässt. Obwohl es diesen Vergleich nicht wirklich braucht. Klatschen und wohlwollendes Pfeifen im Publikum bestätigen das Wohlgefallen.

„Long Distance Runaround“ vom Album „Fragile“ (1971) schließt sich mit Saiten-Opener wieselflink rockend an. Später ertappt uns „In The Presence Of“ vom damals aktuellen Album „Magnificaton“ wie sich die Seele dem Slow-Motion-Modus mit seinen Vokalharmonien einlullen lässt. Schön. Dies geschieht ebenso durch das „Steve Howe Guitar Solo“ – nicht elektrisch verstärkt, sondern mit klassischer Akustikgitarre wohl temperiert. Fein. Und so weiter im abwechslungsreichen Rock-Reigen …

Yes „Symphonic Live“ Cover
Yes „Symphonic Live“ (In Heineken Music Hall Amsterdam 2001) erscheint bei Mercury / Universal Music als CD-/Blu-ray-Box-Set oder 4 LPs (Halfspeed) sowie als Stream oder Download, zum Beispiel auf qobuz.de (Cover: qobuz)

„Ritutal (Nous Sommes Du Sommes Du Soleil“ springt wieder in der Zeit zurück zum 1973er Album „Tales From Topographic Oceans“, beinahe sommerlich-beschwingt. „Owner Of A Lonely Heart“ lässt das Rock-Herz schneller schlagen mit satten Bassläufen und Synthie-Sahne, im zweiten Teil luftig-leicht streicherzart umwoben. „Roundabout“ vom 1971er Album „Fragile“ beschließt das Oeuvre würdig mit Ur-Prog-Rock nebst Vokal- und Synthie-Girlanden. Erstaunlich wie energetisch die Jungs den Parcours scheinbar mühelos absolvierten.

Das Klangbild leuchtet dank schöner Atmosphäre und guter Durchhörbarkeit – bei etwas mittig fokussiertem Raumambiente. Das Blu-ray-Bild zum Ton überzeugt durch angemessene HD-Schärfe. Das Box-Set vereint neben der Blu-ray und den zwei CDs noch die Dokumentation „Dreamtime“ und den Video-Clip zu „Don’t Go“ sowie Booklet, Poster und fünf Kunstkarten.

 

Yes „Symphonic Live”
2026/02
Test-Ergebnis: 4,3
SEHR GUT
Bewertungen
Musik
Klang
Bild
Repertoirewert

Gesamt

Weitere Alben des Monats Januar 2026:

Die Alben des Monats Januar 2026: Eric Bibb „One Mississippi“
Die Alben des Monats Januar 2026: Mon Rovîa „Bloodline“
Die Alben des Monat Januar 2026: Lucinda Williams „The World’s Gone Wrong“

 

Autor: Claus Dick

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Musikfachmann seit Jahrzehnten, aber immer auch HiFi-Fan. Er findet zielsicher die best-klingenden Aufnahmen, die besten Remasterings und macht immer gern die Reportagen vor Ort.