Wie die deutschen Scorpions in Hannover (siehe Rezension von „Coming Home Live“), starteten die britischen Pink Floyd ebenso vor 60 Jahren ihre Karriere –natürlich mit unterschiedlicher Aus- und Zielrichtung. Bis zu ihrem psychedelischem Extraklasse-Debüt „The Piper At The Gates Of Dawn“ vergingen zwei Jahre bis 1967, damals noch mit Syd Barrett, einst umtriebiger Kunststudent, dann Co-Gründer, Sänger, Songwriter und Lead-Gitarrist der späteren Mega-Band. 1968 verließ er die Gruppe beziehungsweise wurde gegangen, angeblich wegen psychischer Probleme. Das war die Stunde von David Gilmour, der die Lücke füllte – und deshalb bis heute ein schlechtes Gewissen haben soll.
Warum das wichtig ist? Weil das neunte Studio-Album von Pink Floyd – zählt man die Soundtracks zu den Filmen „More“ (sehr sehenswert, kultig) und „Obscure By Clouds“ dazu – durchaus etwas mit dem beinahe mystisch wirkenden Syd Barrett zu tun hat. Kenner der Materie wissen das: Das fünfteilige Psychedelic-Rock-Opus „Wish You Were Here“ mit einer dreiviertel Stunde spannender Kurzweil und dem sensationellen „Shine on You Crazy Diamond“ ist dem altvorderen Kreativ-Genie gewidmet.
Zwei Jahre nach dem fantastischen Meilenstein „The Dark Side Of The Moon“ schrieb der Nachfolger seit 1975 auf seine Weise Musikgeschichte. Bediente zuvor Alan Parsons die Regler in den Abbey Road Studios, saß 1975 Brian Humphries als Toningenieur am Pult, der bereits 1969 „More“ betreute. Alan Parsons, davor mit „Abbey Road“ und „Let It Be“ als Ton-Mann der Beatles erfolgreich, schlug lieber eigene Wege ein – was ja 1976 mit dem Debüt-Konzeptalbum „Tales Of Mystery And Imagination“ bravourös gelang. Man kann sagen, dass Brian Humphries ähnlich gute Arbeit wie Alan Parsons leistete.
Was bietet die Jubi-Box Pink Floyd „Wish You Were Here“ (50th AE)?
Und damit schwenken wir zurück zur Jubiläums-Ausgabe von „Wish You Were Here“. Zum 50. Geburtstag lebt das Werk mit einigen Schmankerln auf, besonders in der opulenten Version als Deluxe-Box-Set: Mit zwei CDs, vier LPs, einer Blu-ray sowie einer japanischen Single-Replika plus Buch und mehr. Das volle Paket lockt so mit dem Album und beispielsweise einem klasse klingenden neuen Stereomix von „Shine On…“. Die Blu-ray vereint 25 Bonustracks – teils spannende alternative Versionen und Demos wie „The Machine-Song“ oder gar einem Pedal-Steel-Einsatz. Zudem gibt’s Alben-übergreifende Live-Songs vom April 1975 in Los Angeles – restauriert von Steven Wilson sowie einen Dolby-Atmos-Mix von James Guthrie nebst Kurzfilm von Band-Mitstreiter Storm Thorgerson. Wer bereits die „Immersion Box“ von 2016 im Regal hat, sollte kurz reflektieren, denn es gibt Überschneidungen mit dem aktuellen Deluxe-Set. Der Knaller ist allemal die auch solo erhältliche Blu-ray mit Top-Extras.

Die schlichte Einstufung „für Fans ein Muss“ würde der Sache nicht gerecht werden: Dieses Album hat einen Generationen-übergreifenden Wert. Und in der vorliegenden erweiterten Version, zudem mit HighRes- und Dolby-Atmos-Versionen, einen neuen Stellenwert bekommen.
Bewertungen
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Offizielles Band-Video zu „“Wish You Were Here“:
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