Die Scorpions begleiten die eine oder andere Vita bereits über Dekaden. Mein Erstkontakt zu den deutschen Rock-Recken war das Album „In Trance“ mit dem psychedelisch-melodiösem Titel-Song. Der Stachel saß, das Gift wirkte später zwar nicht mehr so stark, doch ein Live-Event im Bierzelt (!) in der Nähe von Bamberg hinterließ ein aufrüttelndes Rezidiv. Und Anfang der 90er Jahre pfiff Klaus Meine dann den „Wind Of Change“ aus einem Kofferradio an exotischen Gestaden während eines Foto-Trips in Indonesien. So war das. Und 60 Jahre später bringen die Scorpions „Coming Home Live“.
Kaum zu glauben, dass die Hannoveraner Band 60 Jahre auf dem Buckel hat – und voriges Jahr ein rauschendes Konzert-Feuerwerk in ihrer Heimatstadt abbrannte. Zum Fest brachte die Deutsche Post sogar eine Briefmarken-Edition zu den Scorpions heraus. Mit den Aufzeichnungen am 5. Juli 2024 in der „Heinz von Heiden“-Arena (benannt nach einem deutschen Fertighaus-Anbieter), bestechen uns die Hard-Rocker aufs Neue mit einem Potpourri von Klassikern, Hits und Band-Favoriten. 19 Tracks vereinen Doppel-CD, respektive Doppel-LP, darunter eher die jüngeren oder sagen wir die mittelalten Titel. Die (guten) alten Zeiten blitzen mit dem „70s Medley“ leuchtend auf.
Die Musik von Scorpions „Coming Home Live“
„Coming Home“ legt in Slow-Motion-Manier los, bevor ein Heavy-Sturm losbricht und E-Gitarren jubilieren lässt. Das kracht, raut das Gemüt an – und zeigt, dass die aktuelle fünfköpfige Besetzung mit Ur-Gründungsmitglied Rudolf Schenker (Gitarre) und Klaus Meine mit seinen nach wie vor erstaunlich elastischen Stimmbändern noch Pfeffer im Gemüt hat. Auch Dank Nachwuchs: Matthias Jabs greift in die Gitarrensaiten, Pawel Mąciwodat zupft den Bass und Mikkey Dee drischt die Drums. Rudolf Schenker und Klaus Meine sind übrigens gleich alt – und werden 2026 immerhin 78.

„Make It Real“ zelebriert dann melodische Rock-Rhythmen, während „Gas In The Tank“ an den Blues-Rock der Rauschebärte von ZZ Top erinnert. „Send Me An Angel“ schmust sich als sanfter Schleicher ein, „Rock Me Like A Hurricane“ und noch mehr das eingangs erwähnte „Wind of Change“ lässt dann die 45.000 Fans der Arena lautstark mit einstimmen – wegen des Ukraine-Kriegs mit leicht geändertem Text. Insofern ein recht gelungenes Live-Happening mit teilweise Werkschau-Charakter. Schön: Die Tontechnik punktet mit prima Auflösung und Durchhörbarkeit nebst sattem Bass-Druck. Keep on rockin’!
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