Nur wenige Bands besitzen auch Dekaden nach ihrem Schaffenshöhepunkt noch solch eine Strahlkraft: Die Musik der Beach Boys war genährt und getrieben von eigenständigen Vokalharmonien, Rock-Power und dem sensationellen Charme des kalifornischen Lebensgefühls inklusive Surf-Kult. Und auch heute noch kann sich kaum jemand dem Sound der Gründungsmitglieder (also die Gebrüder Brian, Dennis und Carl Wilson sowie Mike Love und Al Jardine) entziehen
Allen voran begeistern Top-Alben wie „Surfin’ U.S.A.“ (1963) „Today!“ (1965), „Pet Sounds“ (1966) sowie „Sunflower“ (1970). Später wurde es nicht nur stiller um die Jungs, auch die Kreativität schien etwas ausgelaugt. Und der nicht unbedingt einfache Charakterkopf Brian Wilson fiel jahrelang wegen Drogen und psychischer Belastung aus. Bis die Werbetrommel mit der Verheißung „Brian Is Back!“ um die Ecke kam und den tatsächlich wieder auferstandenen Kreativkopf mit dem Album „15 Big Ones“ anpries. Es sollte das erste Beach-Boys-Album werden, das weitgehend unter den Fittichen von Brian erschien und in den damals neuen Brothers Studios in Santa Monica/ Los Angeles aufgenommen wurde.
Die Musik von Beach Boys „We Gotta Groove: The Brother Studio Years“
Womit wir bei dem neuen, sehr opulenten Box-Set mit seinen drei CDs plus drei LPs und 40-seitigem Booklet mit jeder Menge Nostalgika sowie altem und neueren Interview-Materials sind. 73 Tracks vereint die Box, darunter 35 unveröffentlichte (zum Beispiel Demos und Outtakes) und 22 frisch gemixte Songs. Im Zentrum von „We Gotta Groove: The Brother Studio Years“ steht glücklicherweise das hervorragende Album „Love You“ aus dem Jahr 1977. Es entstand nach „15 Big Ones“ und gilt als eines der innovativsten der späten Bandgeschichte.
Im Gegensatz zu „15 Big Ones“, das seinem Namen weitgehend beileibe keine Ehre machet: Das Album wirkt eher lieblos zusammen getragen und stellenweise fade. Insofern verzichtet das Box-Set wohl auch auf dessen Integration und bietet dafür schlauerweise eine Handvoll von Outtakes der Ära an, die zumindest für Freunde der Band weitgehend interessant sein dürften. Auch zu „Love You“ gibt es spannende Outtakes.
Zudem locken die Sessions eines nie offiziell veröffentlichten (weil Brian bockte…) Werks, einem Konzeptalbum namens „Adult/ Child“. Das wurde 1977 von Arrangeur Dick Reynolds aufgenommen, mit klugen Arrangements, die an die Four Freshmen erinnern, die Brian Wilson in seinen jungen Jahren verehrte. Weil die CDs nun einmal eine größere Speicherkapazität haben als die LPs, erweitern sie so das Oeuvre auf wie gesagt 73 Tracks.

Im Juni vergangenen Jahres hat Brian Wilson diese Welt verlassen. Dennis bereits 1983 und 1998 folgte ihm Carl. Die opulente Box sei getrost Fans sowie Freunden der Musik-Historie nahegelegt. Für alle anderen bietet sie einen klasse Reminder zum letzten famosen Album der legendären Band: „Love You“ ist es wert, anno 2026, knapp 50 Jahre nach Veröffentlichung neu entdeckt zu werden. Das Klangbild variiert angesichts der Bandbreite. Unterm Strich gefallen fast alle der 2025 neu gemixten Tracks dank mehr Druck und Homogenität.
Bewertungen
MusikKlangRepertoirewertGesamt |
Video zu „We Gotta Groove“
Weitere Alben des Monats Februar 2026:
Joe Bonamassa „B.B. King’s Blues Summit 100“
Ludovico Einaudi „Solo Piano“
Momoko Gill „Momoko“
U2 „Days Of Ash“





