30 Jahre ist er nun bereits unterwegs. 30 Jahre, in denen der italienische Pianist einerseits seinem gediegenem Neo-Klassik-Stil treu geblieben ist. Und ihn gleichzeitig behutsam verfeinert hat. 17 seiner persönlichen Favoriten, darunter auch neues Material, beleuchten nun die Karriere von Ludovico Einaudi.
Das chillt. Das wärmt. Das lässt die Seele schonmal schweben: Der geborene Turiner komponiert und spielt Neo-Klassik mit Ambient-DNA. Kaum aufrührerisch, meist gerne im eher sanftem Flow eingebettet. Das erinnert an den einstigen Tasten-Helden des audiophilen Labels Windham Hill, George Winston, den ich seinerzeit live in München erleben durfte. Und auch an den bretonischen Pianisten Didier Squiban, der seine Heimat an der rauen See gerne mit zarten Melodien umarmt und damit hier und da konterkariert.
Die Mutter von Ludovico Einaudi spielte Klavier und inspirierte so den Jungen. Später studierte er Komposition unter Luciano Berio, bekannt für seine Vorliebe für experimentelle Musik am Mailänder Konservatorium. Im Laufe seiner Karriere öffnete der heute 70-jährige Einaudi sein Talent für World-Music-Einflüsse, die immer wieder seine Stücke prägen sollten. Ebenso wie abendfüllende Beiträge zu Film-Soundtracks.
Die Musik von Ludovico Einaudi „Solo Piano“
Auf dieser Retrospektive – und wenn man so will – kleinen Werkschau mit dem schlichten Titel „Solo Piano“, hören wir kleine akustische Piano-Pralinen“. Gleich von Anfang an, wenn der italienische Klavier-Flüsterer mit „Le Onde“, gleichzeitig eines seiner ersten Werke, in einen zartbitteren Flow eintaucht, minimalistisch geprägt, sehnsuchtsvoll, zuversichtlich, gelebt durch sanfte Tastenarbeit.
„Nefeli“ folgt auf dem Fuß, etwas vehementer, teils energisch-energetischer, klassisch angehaucht. „Melodia Africana III“ besucht dann den Kontinent behutsam bis flink in strahlender Rhythmik, während sein Klassiker von 2004, Una Mattina“, fragil bis zurückhaltend, fein getupft einschwebt. „Memory One“, ein neues Stück, zeichnet mit frisch kreierten, beinahe zärtlichen Noten eine Skizze von dem „wer wir waren, verwandelt durch das, wer wir geworden sind“, so der 70-jährige Musiker. Schöne Begleitworte.
„The Snow Prelude No.2“ lässt das Solo-Werk dann metaphorisch mit feinem Schneeflöckchen-Zauber ausklingen – und weitet so dem nahenden Frühling weit die Türe. „Solo Piano“ punktet so als gediegenes Unterfangen des renommierten Labels Decca, das die Tontechnik angemessen respektvoll mit feiner Auflösung und Feindynamik ins rechte akustische Licht rückt.

Bewertungen
MusikKlangRepertoirewertGesamt |
Video zum Stück „Memory One“
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