In Britain ist sie bereits great – zumindest hat sich Momoko Gill in ihrer Wahlheimat Großbritannien längst einen Namen als Komponistin, Schlagzeugerin, Sängerin und Produzentin vor allem in der vitalen Londoner Neo-Jazz- und Elektronika-Szene gemacht. Die Autodidaktin und Multiinstrumentalistin beeindruckt die Musikwelt dort auch dank ihrer Teamworks mit Alabaster Deplume (Saxofonist, Spoken-Words-Künstler), Matthew Herbert (DJ- und Elektronik-Ass) oder Rozi Plain (u.a. Bassistin bei This Is The Kit).
Momoko Gill wuchs in Japan, den USA und London auf und vereint solo ziemlich virtuos und mutig Jazzelemente mit Experimental-Pop, Neo-Soul, Trip-Hop und Singer-Songwriter-DNA – nun eindrucksvoll zu hören auf ihrem Debütalbum „Momoko“. Wiederholungen oder Nachahmungen liegen ihr nicht, sie beschreitet lieber aus ihrer Sicht neue, aufregende akustische Wege, die sie mit teils tiefschürfender Lyrik im Spannungsfeld zwischen persönlicher Gefühlswelt und Gesellschafts-Psychologie ansiedelt.
Die Musik von Momoko Gill „Momoko“
Hören wir mal rein. „Satellite“ umkreist den Hörer als Opener zugleich mit einer für sie typischen Liaison aus Gitarren- und Elektronik-Sounds, „No Others“ dringt dann beinahe zärtlich ans Ohr, dank pulsierendem Bass und flinkem Post-Bop-Piano. „Rewind/Remind“ flirtet frech mit Flöten-Tönen, funkiger Attitüde und satten Bassläufen. Während „Shadowboxing“ dunkel lodernd vielschichtige Harmonien bildet, eingebettet in erdiges Blues und Gospel-Ambiente. Weitere Stücke folgen mit Piano-Fokus und mehrstimmigen Backing-Vocals, dominiert von ihrer zart bis energisch angelegten Stimme. Dazu immer wieder sprühende Sequenzen mit Elektronika und gar Posaunen, Trompeten- oder Saxofon-Soli, vor allem gut zu hören im Song „Test A Small Area“, in dem sie Samples der israelischen Armee eingewebt haben will, die ein palästinensisches Dorf sprengt. Gaza spielt später auf dem Album nochmals eine Rolle in „When Palestine Is Free“, eine soulige Nummer mit 50-köpfigem Chor und eindringlichen Texten. Ein starkes, spannendes Debüt, das Lust zum Mehrfachhören macht. Von Momoko Gill werden wir sicher noch hören.

Der Klang des Albums gefällt dank feiner Auflösung, schöner räumlicher Tiefe, feindynamischen Akzenten und schönen Klangfarben nebst differenzierter Stimmartikulation.
Bewertungen
MusikKlangRepertoirewertGesamt |
Clips zu den Songs „Heavy“ und „Satellite“ (nur Audio)
Weitere Alben des Monats Februar 2026:
Beach Boys „We Gotta Groove /The Brother Studio Years“
Joe Bonamassa „B.B. King’s Blues Summit 100“
Ludovico Einaudi „Solo Piano“
U2 „Days Of Ash“






