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U2 „Days of Ash“
Vor dem Hintergrund des Wahnsinns um uns herum, hat U2 kurzerhand eine EP rausgehauen, die „einfach nicht warten konnte.“ „Days of Ash“ ist einer der Musik-Tipps des Monats.

Die Alben des Monats Februar 2026: U2 „Days Of Ash“

U2 überraschen mit sechs frischen Songs, die ziemlich politisch aufgeladen sind. Respekt. Eine EP, spontan in die Welt gesetzt. In eine Welt, die für viele gefühlt nahe am Abgrund wankt. Eine Welt, die solch spontane Energie-Salven aus dem musikalischen Universum durchaus brauchen kann. Warum? Weil Politik öfter nicht so genau hin- oder gar wegschaut. Weil Völker- oder Menschenrechte schonmal al Gusto verhandelt werden. Und weil Songs und gute Kunst durchaus Transformations-Potential innehaben.

Beispiele gibt es: Bob Dylan („Masters Of War“), Joan Baez, Konstantin Wecker, Rio Reiser, The Cranberries („Zombie“), Billie Holiday („Strange Fruit“), Woody Guthrie („This Land is Your Land“), James Brown („Say It Loud – I’m Black And I’m Proud“), Crosby, Stills, Nash & Young („Ohio“), Public Enemy („ Fight The Power“), Aretha Franklin („Respect“). Nur eine kleine Auswahl an protest-orientierten Songs, die oft unter Risiken und hohem persönlichem Einsatz an die Öffentlichkeit gelangten oder diskriminiert wurden.

Es ist gut, wenn jemand den Mund aufmacht. Wie unlängst „The Boss“ Bruce Springsteen, der sich politisch mit seiner Musik in „Streets Of Minneapolis“ äußert und dafür vom Weißen Haus als „Loser“ beschimpft wurde. Es ist gut, wenn Bono & Co auf ihrer spontan veröffentlichten EP einen sechsteiligen Bogen mit dem Kernthema Ungerechtigkeit, Gewalt und Wahn spannen.

Die Musik von U2 „Days Of Ash“

„One Life In A Time“ erzählt von Odeh Hadalin, einen palästinensischen Vater von drei Kindern, der am 28. Juli 2025 in seinem Dorf im Westjordanland von einem israelischen Siedler getötet wurde. „American Obituary“ fokussiert das für viele schockierende Vorgehen vom 7. Januar 2026 in Minneapolis. In „Yours Eternally“ macht die Band zudem gemeinsame Sache mit Ed Sheeran & Taras Topolia in puncto Ukraine-Krieg und „Song Of The Future“ beleuchtet die Restriktionen gegen Frauen im Iran.

Bassgitarrist Adam Clayton: „Ich bin begeistert von diesen neuen Songs – und ich habe das Gefühl, dass sie genau zum richtigen Zeitpunkt erscheinen.“ Drummer Larry Mullen Jr. fügt hinzu: „Wer muss eine neue Platte von uns hören? Das hängt letztlich davon ab, ob wir Musik machen, die es unserer Meinung nach verdient, gehört zu werden. Ich finde, dass diese neuen Songs selbst mit unseren besten Aufnahmen mithalten können… Schon seit unseren Anfängen, als wir mit Amnesty oder Greenpeace gearbeitet haben, hatten wir nie ein Problem damit, klar Stellung zu beziehen. Das mag zwar manchmal für unschöne Reaktion sorgen, irgendeine Gegenreaktion kommt eigentlich immer. Und doch ist es nun mal ein wichtiger Teil unserer Identität und einer der Gründe, weshalb es uns immer noch gibt.“ Und Gitarrist The Edge ergänzt: „„Wir glauben an eine Welt, in der Grenzen nicht mit Gewalt ausgelöscht werden. In der Kultur, Sprache und Erinnerung nicht durch Angst zum Schweigen gebracht werden. In der die Würde eines Volkes nicht verhandelbar ist. Dieser Glaube ist nicht vorübergehend. Er ist keine politische Modeerscheinung. Er ist das Fundament, auf dem wir stehen. Und wir stehen darauf gemeinsam.“

Sänger und Mastermind Bono kündigt zum 50. Geburtstag von U2 für Ende 2026 ein neues Studioalbum an: „Die Songs auf „Days Of Ash“ sind in Sachen Stimmung und Thema vollkommen anders als diejenigen, die wir gegen Jahresende auf unserem neuen Album veröffentlichen werden. Aber wir konnten diese EP-Tracks nicht länger zurückhalten: Diese Songs konnten es sozusagen kaum abwarten, hinaus in die Welt zu kommen. Es sind Songs des Widerstands, Songs der Bestürzung, Klagelieder. Auch feierliche Songs werden demnächst folgen, an denen wir aktuell arbeiten … Denn trotz all der Grausamkeiten, die Tag für Tag auf unseren kleinen Screens zu Normalität gemacht werden, ist überhaupt nichts normal an diesen verrückten und wahnsinnigen Zeiten – und wir müssen uns dem Entgegenstellen, um überhaupt wieder Vertrauen in die Zukunft haben zu können. Und einander vertrauen zu können.“

U2 „Days Of Ash“
U2 „Days Of Ash“ erscheint bei Island/ Universal Music digital, zum Beispiel bei qobuz

Die Songs gehen unter die Haut, packen einen mit beinahe jugendfrischem Rock-Drive, aufgeladen durch Empörung – und dennoch Zuversicht. Starke Stücke, die U2 so seit Jahren nicht mehr zustande brachten. Der Klang dabei: Recht fein aufgelöst, (fein)dynamisch. Schade: Die Klicks zu den Videos auf YouTube fielen knapp zwei Wochen nach Veröffentlichung angesichts einer Mega-Band eher bescheiden aus: Nicht einmal eine Million Besucher hatten die Songs jeweils. Ähnlich wie beim 76-jährigen Bruce Springsteen (ca. 6,6 Millionen). Vielleicht ein Zeichen für die schwindende Bekanntheit – und damit Einfluss-Power – von in die Jahre gekommener Bands und Musiker …

Propaganda_U2 Magazin
Parallel zur EP veröffentlichen U2 ein Pamphlet namens „Propaganda“, zu lesen hier: (Foto: U2)
U2 „Days of Ash”
2026/03
Test-Ergebnis: 4,5
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Musik
Klang
Repertoirewert

Gesamt

Video-Clips zu den Songs „American“ von U2 und „Streets Of Minneapolis“ von Bruce Springsteen:

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Weitere Alben des Monats Februar 2026:

Beach Boys „We Gotta Groove /The Brother Studio Years“
Joe Bonamassa „B.B. King’s Blues Summit 100“
Ludovico Einaudi „Solo Piano“
Momoko Gill „Momoko“

Autor: Claus Dick

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Musikfachmann seit Jahrzehnten, aber immer auch HiFi-Fan. Er findet zielsicher die best-klingenden Aufnahmen, die besten Remasterings und macht immer gern die Reportagen vor Ort.