Der Mississippi. Unendliche Längen. Nach 3778 Kilometern mündet der drittlängste Strom der Erde in den Golf von Mexiko. Oder neuerdings in den „Gulf Of America“. Die Gegend im Süden der USA ist historisch traurigerweise bekannt als Zentrum der lukrativen Sklaverei der damals kultivierten Neu-Amerikaner in ihrem „Land of the Free“. Aus der einstigen Not von Hundert tausenden Menschen in Zwangsarbeit, der Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung auf Baumwollplantagen, sollte sich eine spezielle Musikrichtung entwickeln. Blues, Country und Gospel fanden dort ihre Wiege im späten 19. Jahrhundert. Im 20. Jahrhundert führten sie prominente Musiker wie B.B. King, Howlin’ Wolf oder Charley Patton fort, trugen sie in die Welt oder variierten den Ur-Südstaaten-Sound wie Willy DeVille mit Songs vom Schlage „Loup Garou“.
Eric Bibb (Jahrgang 1951) gibt seit nun rund fünf Dekaden den Blueser. In New York geboren, zog er es später vor in Europa Fuß zu fassen. Nun wohnt er in Stockholm. Was ihn auch zum audiophilen schwedischen Label Opus 3 brachte, wo er „Blues, Ballads & Work Songs“ zur Freude von Freunden des guten Tons veröffentlichte.
Die Musik von Eric Bibb „One Mississippi“
Im Laufe seiner Karriere brachte der dreimal Grammy-nominierte Sänger mit dem sonoren Bariton und dem pointierten Saiten-Spiel einige hochkarätige Alben wie „Good Stuff“ (1997), „Spirit And The Blues“ (1999), „Friends“ (2004) und „Dear America“ 2021 heraus. Mit seinem aktuellen Album „One Mississippi“ setzt der Sänger und Gitarrist – Nomen est Omen – Südstaaten-Akzente, der Ur-Blues lebt auf. 14 Stücke sind es geworden, der Titeltrack davon stammt von seiner Highschool-Freundin Janis Ian und Fred Koller aus dem Jahr 2001. Kollegen wie Robbie McIntosh (Paul McCartney), Gitarrist Greger Andersson und Mundharmonika-Spieler Paul Jones (Manfred Mann) begleiten Eric Bibb und prägen die Songs virtuos mit.

Diese Spielfreude belebt die Stücke wie „One Mississippi“ mit seiner erdigen Grund-Rhythmik und die nah aufgenommene, detailreich artikulierte Stimme Bibbs. „Muddy Waters“ folgt dem treibendem Opener dunkel mit stampfendem Beat: Die Hütte kocht. „This One Don’t“ fokussiert dann verhaltenem Pop, während „Didn’t I Keep Runnin’“ den Blues-Rock zackig-packend hofiert. Ein paar Genre-entfernte Songs wie „It’s A Good Life“ sowie „New Window“ folgen dann doch eher fernab des Mississippi eher Country und Folk. Gesellschaftskritik spielt auch eine Rolle, schön zu hören in „Waiting On The Sun“, das Obdachlosigkeit auf der ganzen Welt thematisiert, während das finale Stück „We Got To Find A Way“ mit Fiddle-Begleitung einen herrlichen Slow-Motion-Blues inszeniert und dabei mahnend in die Zukunft blickt. Das Klangbild begeistert mit feiner Auflösung, toller Feindynamik und Farbstimmigkeit.
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Video zum Song „If You’re Free“
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