Es werde Licht – „Lux“: Das vierte Album der spanischen Sängerin mit Grammy-Auszeichnung erhellt beinahe scheinbar von manischer Hybris getrieben das emotionale Spektrum zwischen Lust, Liebe – Göttlichkeit – Tragik und Selbsterkenntnis. Hört sich skurril an? Auf den ersten Blick vielleicht. Aber das passt zur gerne exzentrisch auftretenden Barcelonierin, die hier einen wilden Stil-Ritt aus zartem Latin-Pop, Opern-Bombast und klassischen Musiksequenzen zu ihrem ganz eigenen Kosmos verschmilzt – mit Gastmusikerinnen wie Björk, Carminho, Estrella Morente oder dem Chor der „Escolania de Montserrat.
Da schweben schon einmal sakral angehauchte Charaktere wie Hildegard von Bingen oder Teresa von Ávila durch die Notenblätter oder geben sich menschliche Abgründe oder Verlustierungen die emotionale Klinke in die Hand. Ihre Bilder und Geister vertont Rosalia Vila Tobvella auf „Lux“ in einem bunten Mix aus Pop, Flamenco, Rumba, Klassik und einigen locker sympathisch intonierten Sätzen auf Englisch, Katalan, Deutsch, Japanisch, Italienisch, Portugiesisch, Chinesisch und und und… Das entfaltet seine eigene Wirkkraft, ohne beliebig zu wirken, eher cosmopolit und vereinigend.
Die Musik von Rosalía „Lux“
Hören wir mal genauer rein: „Sexo, Violencia Y Llantas“ lockt mit Rhythmus-Drama pur. Auf „Reliquia“ umwerben kammermusikalische Streicher ihre eindringlich-helle Stimme. „Divinize“ stolpert und poltert mit satten E-Beats und Björk-Appeal. „Porcelana“ bringt als Iberico-Hip-Hop die Hüfte zum Kreisen, während die Single-Auskopplung „Berghain“ mit einem wilden Ritt aus Vivaldi, Orff und Oper die Sinne berauscht.

Ist das overdone oder banal abgedreht? Nein. Bewusst überzeichnet ja, willentlich schräg meinetwegen. Aber stets klug auf den Weg gebracht. Dabei verkörpert jeder einzelne Song eine andere DNA. Da gibt es Breaks, Wendungen und teils waghalsige Änderungen in Tempo und Rhythmus. Da wagt jemand was und hat dabei ein ziemlich kreatives Händchen, auf eine Art wie in den frühen 1990er Jahren vielleicht eine Björk – die ja wie gesagt auch mitmischt auf „Lux“. Hand aufs Herz: Sind wir denn nicht alle ein bisschen „Lux“?
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Clip zu „Berghain“ mit Björk
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