Home / Hintergrund / Ratgeber / Das Beste aus 2017: die HiFi-Favoriten der LowBeats Redakteure

Das Beste aus 2017: die HiFi-Favoriten der LowBeats Redakteure

5.) Musik-Profi Christof Hammer über die besten CDs des Jahres

LowBeats CDs des Jahres 2017: Love A Nichts ist neu
LowBeats CDs des Jahres 2017: Love A Nichts ist neu (Cover: Amazon)

Meine persönliche CD des Jahres? Ich habe tatsächlich zwei Favoriten. Erst mal zum mit Abstand meistgehörten Album 2017: Nichts ist neu von Love A. Egal ob im Auto-CD-Player oder auf der Home-HiFi-Anlage: Nichts ist neu avancierte aus dem Stand zum Dauerbrenner. Hier stimmt einfach alles – und das ist nicht nur die Musik. Der Blick auf die Welt, die Haltung, die man zu diesem wunderschönen, beklemmenden Irrenhaus einnimmt: Das rheinisch-westfälische Quartett hat ein gutes Auge dafür, dass da draußen in der Welt was ganz falsch läuft und es kann diese Befindlichkeit in Texte kleiden, vor denen ich den Hut ziehe – und als Mann der Sprache, des Wortes, weiß ich, wovon ich rede: Wie hier mit Syntax und Perspektive gespielt und quergedacht wird, analytische Schärfe und dichterische Freiheit aufeinander treffen, das ist große Texterkunst. Gesungen ist das von Jörkk Mechenbier mit kontrollierter Brachialität – und die Musik funktioniert auf vergleichbare Weise und reißt als furioser Hybrid aus Lärm und Melodie förmlich Wände ein. Love A spielen Gitarrenrock, der im gereiften Postpunk wurzelt und im Indiepop wildert und das Beste aus beiden Welten kombiniert. Und bringt Saitenzauber, wie er in den 80er-Jahren erfunden und kultiviert wurde und der doch hörbar mit der Soundsprache der Gegenwart aufgeladen ist: kantig, zerklüftet, extrem dicht geschmiedet, wuchtig und elegant, auf den Siedepunkt getrieben von Wut und Furor, und dort herabgekühlt zu einem Diamanten voller Leuchtkraft und schneidender Härte.

LowBeats CDs des Jahres 2017: Algiers mit The Underside Of Power
LowBeats CDs des Jahres 2017: Algiers mit The Underside Of Power. Erschienen bei 4 AD / Indigo (Cover: Amazon)

So, und nun zum zweiten essenziellen und epischen Werk dieses Jahres, das natürlich eine eine ganze Reihe weiterer feiner Platten hervorgebracht hat – erinnert sei etwa an „American Dream“, das glanzvolle Comeback von James Murphys LCD Soundsystem, an Grizzly Bears Future-Folk-Phantasterei „Painted Ruins“ oder an die „Hot Thoughts“, die sich Spoon zu Elektronik und Gitarrenrock, zu tabulosen alternativen englischen und amerikanischen Klängen gemacht haben. Für Synthiepop-Fans unverzichtbar: „The Far Field“ von Future Islands, für HipHopper „DAMN“ von Kendrick Lamar, für 80er-Jahre-Afficionados „Ken“ von Destroyer und das eponyme Comeback von Slowdive.

Alles ganz prima tolle und wichtige Musik, der man Sterne oder Punkte haufenweise geben kann, geben muss – aber kein solches Monstrum wie es Algiers mit The Underside Of Power (4 AD / Indigo) aufgelegt haben. Hätten sich Depeche Mode, die Nine Inch Nails und Gil Scott-Heron unter Leitung eines Gospelpredigers mal zu einer gemeinsamen Session getroffen: Entstanden wäre wohl ein Album wie dieses. Eisig-kühle bis feierlich-kirchenmusikalische Synthies, metallische Riffs und die seelenreinigende Kraft des Soul bündelt das amerikanische Trio auf seinem zweiten Album mit fulminanter Intensität. Der Titelsong ist ein R&B-Stomper deluxe, „Animals“ gibt mit rasiermesserscharfem Rock der gequälten Kreatur eine Stimme, „Cry Of The Martyrs“ klingt wie es heißt. Dazu: elektronische Soundscapes mit beachtlichem Verstörpotenzial – hier zeigt sich der Einfluss von Produzent Adrian Utley (Portishead) am klarsten. Alles zusammen: große Klage- und Erlösungslieder zwischen Alternative Rock, Postpunk und Digitalmusik als furioses Echos auf die Problemthemen unserer Zeit – Rassismus, Gewaltwillkür, der Amoklauf des Kapitalismus. Besser kann „musique moderne“ ihre Möglichkeiten, große, packende Tonkunst mit gesellschaftlicher Relevanz zu verbinden, nicht nutzen.

6.) Kopfhörer- und Musik-Spezialist Claus Dick über beyerdynamic und R.E.M

Cover Art R.E.M Automatic For The People – 25th Anniversary Edition
LowBeats CDs des Jahres 2017: R.E.M Automatic For The People – 25th Anniversary Edition (Cover: Amazon)

Mein Beitrag zu den LowBeats Favoriten des Jahres beginnt erst einmal mit Musik. Die Rede ist von R.E.M.’s Meisterwerk Automatic For The People  in der opulenten Box-Set-Version „25th Anniversary Edition – mit 3 CDs und Blu-ray. Die Alternative-Rocker aus Athens/Georgia setzten mit diesem Werk von 1992 ihrem Schaffen und im Prinzip der Dekade selbst eine heute noch strahlende Krone auf. Fantastisch, wie Songs wie „Drive“, „Nightswimming“, „Man On The Moon“ (siehe auch Hörtest des beyerdynamic Aventho wireless), „Everybody Hurts“ oder „The Sidewinder Sleeps Tonite“ vor kreativer Musikalität, Ausdruck und Finesse bei gleichzeitiger Reduktion aufs Wesentliche und kompositorische Souveränität Gänsehaut erzeugen. Die Videos dazu – im BoxSet auf der Bluray, die zudem einen HiRes-Mix und eine Dolby-Atmos-Variante vereint – beeindrucken ebenso alterslos mit psychedelischen Ingredienzien, Schwarz-Weiß-Appeal und Unschärfen.

Die Songs lassen zudem ganz viel Raum für persönliche Interpretationen, emotionale Assoziationen und eignen sich klasse für starke Sessions draußen, bei denen die Natur oder das urbane Umfeld eigene Roadmovies vor dem geistigen Auge entstehen lassen. Dies inszeniert beispielsweise der mobile On-Ear-Kopfhörer Aventho wireless von beyerdynamic formidabel: Der smarte Kopfschmuck inszeniert seine Musikkost drahtlos via Bluetooth aptX auf geradezu unerhört beeindruckende Weise: „Man On The Moon“ strotzt vor schillernder Feindynamik, Bassdruck und ausgewogenen Klangfarben. Das macht richtig Spaß, zudem der Aventho wireless auch, falls gewünscht, noch schön laut spielen kann. Der zweite Clou des Heilbronner Outdoor-Spezialisten ist aber seine – wie der Test zeigte – clevere Einmessautomatik. Mit der gratis downloadbaren App lässt sich ein differenzierter Hörtest mit diversen Tönen im linken und rechten Ohr starten – was den Frequenzgang auf das Gehör des jeweiligen Users smart einstellt und den ohnehin prächtigen Klang nochmals noch oben abrunden kann. Auch wenn manche kritische Geister solch einer Klangbehandlung distanzierter gegenüberstehen.

Insofern klingt das Jahr im wahrsten Wortsinne schön aus. Und schürt sowohl Neugier und Hoffnung auf weitere hifidele und musikalisch wertvolle Goodie-news in 2018. Für den Februar haben sich schon mal Fleetwood Mac mit ihrem gleichnamigen, exzellenten 75er Album in einer „Deluxe“-Version angekündigt. Und wie man die kreative Dynamik von beyerdynamic kennt, dürfte auch ein nabelschnurloses Brüderchen oder Schwesterchen des Aventho wireless nicht lange auf sich warten lassen.

LowBeats HiFi-Favoriten 2017: Beyerdynamic Aventho wireless mit R:E.M
LowBeats HiFi-Favoriten 2017: Der beyerdynamic Aventho wireless vor einer DER CDs des Jahres (Foto: C. Dick)

7.) Lautsprecher-Spezialist Holger Biermann über die ProAc Tablette 10 und den Audeze LCDi4 In Ear

Mir ist die Entscheidung für einen der HiFi-Favoriten des Jahres extrem schwergefallen. Ich hatte 2017 so viel Gutes in den Fingern… Letztendlich aber komme ich um diesen Tipp nicht umhin: Die kleine Kompaktbox ProAC Tablette 10 klingt so lebendig und so herzerwärmend musikalisch, dass es aus meiner Sicht in kleinen Räumen (und bei wandnaher) Aufstellung unter audiophilen Gesichtspunkten nur wenig Alternativen gibt – zumal die Kleine ja nicht einmal 1.500 Euro das Paar kostet. Aber es sind nicht nur ihre klanglichen Meriten, die bei der Tablette 10 so ein gutes Gefühl machen. Die Treiber- und Bauteile-Qualität ist enorm und ihr Aufbau extrem liebevoll und sorgfältig – handmade in UK. Ich hatte es schon im Test geschrieben: Es bewerben sich ja viele Lautsprecher auf die Nachfolge des legendären BBC Monitors LS3/5a. Aus meinen Sicht ist es die Tablette 10.

LowBeats HiFi-Favoriten 2017: Die ProAc Tablette 10 im LowBeats Hörraum
LowBeats HiFi-Favoriten 017: Die ProAC Tablette 10 vor den Diffusoren im LowBeats HiFi Hörraum. Die kleinen Lautsprecher machten einen überragenden Eindruck und sind mit ihren 1.400 Euro Paarpreis ein echtes High-End-Schnäppchen (Foto: H. Biermann)

Und weil es mir die Auswahl  zu den HiFi-Favoriten des Jahres so schwerfiel, muss ich nun doch noch eine zweite Empfehlung loswerden. Es ist der Audeze LCD i4, einer der teuersten, aber in jedem Fall der beste In Ear Hörer, den ich kenne. 3.000 Euro kostet er – was soll denn das für ein Tipp sein, wird sich jetzt mancher fragen. Ist doch klar, dass der gut sein muss.

Richtig. Aber der Audeze LCD i4 ist so gut, dass er mein Hören verändert und meine Vorbehalte gegen In Ears terminiert hat. Er klingt so unfassbar sauber und mühelos fein, dass ich meine gesamte mobile Musik-Sammlung im Grunde neu erlebt habe. Ein solcher Detailreichtum ist selten, eine derart präzise und vielschichtige Basswiedergabe von einem In Ear hat es vorher noch nicht gegeben. Diese eigenartigen In Ears sind ein Erlebnis. Wie gesagt: Sie sind teuer, sehen komisch aus und haben außer dem guten Klang überhaupt keine Gimmicks. Und trotzdem sind sie jeden Euro wert.

LowBeats HiFi-Favoriten 2017: Der Audeze LCDi4 in voller Pracht
LowBeats HiFi-Favoriten 2017: Der Audeze LCD i4 in voller Pracht (Foto: Audeze)

Seite 1    Rega Planar 6, Technics SC-C70, Sonus faber Venere 2.5, Unison Research Simply Italy
Seite 2    CDs des Jahres, beyerdynamic Aventho wireless, ProAc Tablette 10, Audeze LCD i4
Seite 3    Questyle CMA 600, Oppo UPD-203, Mercedes E-Klasse Cabriolet mit Burmester