Da ist einer mutig mit Pioniergeist unterwegs: Makaya McCraven schreibt als Schlagzeuger seit einigen Jahren kreativ stilübergreifende Songs – und betritt damit Neuland, das weltweit Gehör findet. Am liebsten mit einem Mix aus (Avantgarde-)Jazz, Funk, Post-Bop, Fusion, Hip-Hop, Rock und World Music. Der gebürtige Pariser mit langjähriger Wahlheimat Chicago durfte für seinen sprühenden Blend 2021 sogar das noble Archiv des legendären Labels Blue Note für Anregungen durchforsten – zu hören auf dem Album „Deciphering The Message“ (in etwa „Die Botschaft entschlüsseln“) mit 13 neu gemixten Jazz-Klassikern aus dem Label-Katalog der 1950er und 1960er Jahre.
Mit „Off The Record“ schlug der 42-Jährige nochmal einen anderen Pfad ein. Über rund zehn Jahre hinweg nahm er Songs mit wechselnder Musikerbesetzung auf, die in EPs einflossen wie „Techno Logic“, „Hidden Out“, „PopUp Shop“ und „The People’s Mixtape“, die nun das Doppelalbum bilden. Die im Studio und live eingefangenen Stücke unterzog McCraven seiner typischen „Beat Science“-Prozedur, die Jazz, Hip-Hop, Elektronik, Funk und Psychedelia zu einem größeren Ganzen aufmischen möchte. Deshalb wird er schonmal gerne ironisch und doch respektvoll als „Beat-Wissenschaftler“ bezeichnet.
Die Musik ist ihm sozusagen in die Wiege gelegt, Mama Ágnes Zsigmondi ist Folk-Sängerin und spielt Flöte, Papa Steve McCraven Schlagzeug. Makaya McGraven wuchs in Frankreich und dann im Osten der USA auf und spielte bereits im Alter von fünf Jahren im Schlagzeugensemble seines Vaters. 2007 zog es ihn dann in die quirlige Jazzszene von Chicago wo er unter anderem mit Willie Pickens oder Jeff Parker spielte.
Die Musik von Makaya McCraven “Off The Reccord”
Ein paar Highlights des Albums: Die Aufnahmen zu „The People’s Mixtape“ basieren auf Konzert-Songs in Brooklyn von 2025. Mit im Team spielten Vibraphonist Joel Ross, Bassist Junius Paul, der Trompeter Marquis Hill und Elektroniker Jeremiah Chiu – ein illustres Drum&Funk-Happening mit Psychedelic-Einlagen. „Hidden Out“ vereint Session-Material von Improvisationskonzerten aus dem Jahr 2017 in Chicago – mit Bassist Junius Paul, Gitarrist Jeff Parker und Altsaxophonist Josh Johnson. Unerhört: Sie geben Post-Bop mit Flamenco-Fieber, brummenden Basseinlagen und Snare-Drum nebst Wah-Wah-Gitarre und Walzer-Rhythmen. „Pop Up Shop“ stammt bereits aus dem Jahr 2015 in Los Angeles – fünf improvisierte Tracks mit Psychedelic-Ambiente, polternden Beats und lässigem Jazz-Groove.

Damit lebt Makaya McCraven seinen Anspruch recht souverän aus: Nämlich in Zeiten, in denen Vieles virtuell und nicht greifbar ist, Musik physisch gemeinsam zu spielen. Das ist hin- und mitreißend.
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Video zum Song „Imafan“
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