ende
Norddeutsche HiFi Tage 2026 Logo
Die erste HiFi-Messe des Jahres feierte wieder große Erfolge: die Norddeutschen HiFi Tage 2026 im Hamburger Le Méridien Hotel

Die Norddeutschen HiFi-Tage 2026: der Messerückblick

Hamburg Ende Januar 2026. Schon lange nicht mehr haben die Hansestädter einen so kalten Winter erlebt. Die Temperaturen lagen zwar noch im einstelligen Minusbereich, aber „gefühlt“ war das Ganze locker zweistellig. Auf diese Weise die erfreulich hohe Besucherzahl auf den Norddeutschen HiFi-Tage erklären zu wollen, ist natürlich Unfug. Laut Messveranstalterin Ivonne Borchert-Lima fanden über 3.200 Besucher den Weg ins noble Le Méridien Hotel an der Außenalster. Und das trotz der 15 Euro Eintritt und der, wenn ich das so sagen darf: „sportlich“ teuren Garderobe von 4 Euro… Auf der anderen Seite aber war – wie immer – auf der ersten Messe des Jahres einiges geboten, wenngleich so früh im Jahr natürlich keine revolutionären Neuigkeiten zu erwarten waren.

NDHT26 Aussicht
Der Blick aus der Bar des Hotels zeigt, wie kalt es war: die Außenalster war zugefroren… (Foto: H. Biermann)

Meine Begeisterung für Hotelmessen ist mittlerweile etwas abgeflaut. Und auch das Le Méridien mit seinen verschachtelten Gängen ist nicht geeignet, meine Vorbehalte komplett abzubauen. Auf der anderen Seite: Wo sonst bekommt man so viele unterschiedliche Eindrücke auf engem Raum wie in einem Hotel? Und vielleicht entsprechen die normalen Hotelzimmer auch eher den Gegebenheiten zu Hause?

NDHT26-Martin-&-Karl-Heinz
Karl-Hein Fink (links) und Martin Klaassen (IDC-Klaassen) hatten die beste Lösung für das Raumproblem gefunden und blieben einfach im Eingangsbereich neben der Bar sitzen. Zwei Tage lang. Da kam jeder vorbei…(Foto: H. Biermann)

Glück hatten jene Aussteller, die in einem der Konferenzräume des Hotels untergekommen waren – allen voran Audio Reference. Die Hamburger hatten schon voriges Jahr die teuerste/anspruchsvollste Anlage der Messe gestellt. So auch in diesem Jahr. Dies Wilson Audio Alexx wurde hier von der brandneuen VTL Lohengrin (siehe News-Vorstellung) angetrieben. dCS stellte die Vorstufe und die Digitalquellen, Analoges kam vom SME-Flaggschiff Model 60. Audio Reference hat ja seit dieser Messe die Laufwerke und Tonarme des britischen Spezialisten ebenfalls im Vertrieb.

NDHT26 Mansour Mamghani
Die Super-Anlage in luftiger Höhe: Audio Reference-Kette im 6. Stock des Le Méridien, hier vorgestellt von Vertriebschef Mansour Mamaghani (Foto: H. Biermann)

Anders als auf der NDHT25, als hier an derselben Stelle ebenfalls eine spektakuläre AR-Kette spielte, gefiel es mir dieses Jahr richtig gut. Ein Klang mit großer Bühne, der auch bei höherem Pegel tonal und von der Abbildung her absolut auf den Punkt war. „Das erwarte ich aber auch bei so viel Geld“, höre ich da den ein oder anderen HiFi-Fan sprechen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Je höher das Potenzial der Komponenten, umso schwieriger ist es, auch eine entsprechend überzeugende Kette daraus zu entwickeln. Hier war es vorzüglich gelungen.

Doch fast noch mehr beeindruckte mich eine Demonstration, zu der Audio Reference am Tag zuvor im Firmen-Domizil geladen hatte. Da konnten einige geladene Journalisten den Vergleich einer Vivaldi- gegen eine Varese-Kette hören. Vivaldi (120.000 Euro) war bislang das absolut Machbare beim britischen Digital-Spezialisten und für jeden, der hören kann, unfassbar gut. Die komplett dual-mono aufgebaute Varese-Kette (300.000 Euro) spielte so viel konturierter und klarer als ich es mir auf diesem Qualitäts-Niveau nicht hätte vorstellen können. Das ging übrigens auch fast allen Kollegen so. Der neben mir sitzende Dirk Sommer (HiFi Statement), der als Tonmeister einiges davon versteht, sagte: „Ich fasse es nicht. Als ob auf einmal alle Phasenbeziehungen stimmen…“

Demo @Audio Reference
dCS gegen dCS: Die Überlegenheit des neuen Varese -Systems ließ viele ungläubige Gesichter zurück (Foto: H. Biermann)

Wie gesagt: Auch mich machte die Demo etwas ratlos: Dass da noch so viel geht… Allerdings zu welchen Preisen? Auf der anderen Seite bleibt die Hoffnung, dass eine solche Entwicklung zeitnah auch in günstigere Komponenten einfließt.

Zurück ins Le Méridien, wo ich mir zuerst die echten Neuheiten anhören wollte. Canton hat aus seiner kompakten Reference 9 eine GS-Version (Kostenpunkt: 5.000 Euro/Paar) mit allerneuester Treibertechnik aus den Reference-Alpha-Flaggschiffen entwickelt. Klang auf der Messe recht gut, war aber wegen des sehr hohen Besucher-Andrangs (ich habe drei Anläufe machen müssen) nur schwer einzuschätzen. Aber selbstverständlich ist ein Testpärchen schon auf dem Weg zu LowBeats

NDHT26Canton Reference 9GS
Ist von der „normalen“ Reference 9 kaum zu unterscheiden: Im Hamburg klang die Reference 9 GS Edition (hier in weiß) vorzüglich (Foto: H. Biermann)

Die vielleicht wichtigste Premiere fand bei Avantgarde Acoustic statt. Hier nämlich spielte ein Paar der brandneuen „Opus1“, die bei den hessischen Hornspezialisten die legendäre „Zero“ ablösen soll.

NDHT26 Avantgarde Acoustic Opus
Eine stark kubische Gehäuseform tritt auf das große, runde Mittelhochtonhorn: die Avantgarde Acoustic Opus1 bei ihrem Auftritt auf den NDHT2026 (Foto: H. Biermann)

Die Opus1 ist ein vollaktives System mit Horn-getriebenem Mittelhochtonbereich (700 – 20.000 Hz), das den Einstieg in die Avantgarde-Welt durch den – für Avantgarde-Verhältnisse – günstigen Paarpreis von 13.000 Euro leichter machen soll. Den Bass kann man per DSP exakt auf den Raum einmessen und so klangen die Opus1 erwartbar ausgewogen und hochdynamisch-lebendig. Ein Klasse-Auftritt. Und auch hier haben wir vorsichtshalber mal ein Paar zum Test geordert.

Eine meine Lieblings-Demos auf den Norddeutschen HiFi-Tage 2026 war jene von Scansonic/Raidho. Morten Kim Nielson führte hier sehr unterhaltsam durchs jeweils 30-minütige Programm. Unterhaltsam deshalb, weil Nielson sowieso ein sympathisch-lustiger Typ ist und weil er es zudem prima verstand, technische Information locker-flockig zu verpacken. Und weil er das akut ambivalente Verhältnis zwischen Dänemark und den USA nicht aussparte…

NDHT26 IAD-Demo mit Andreas Günther
Die Demos von Morten Kim Nielsen bei Scansonic/Raidho waren immer halbstündig – und dennoch sehr kurzweilig (Foto: H. Biermann)

Auch zeigte der Auftritt, wie gut die bei LowBeats bereits getestete Scansonic M30.2 (Preis: 3.500 Euro) selbst einen so großen Raum (der fast durchgehend voll besetzt war) akustisch „füllen“ kann. Das ist durchaus beeindruckend. Nebenbei wurde die hauseigene Lautsprechertechnik erklärt und auch die mittelgroße Raidho 3.10 gespielt – einfach, um mal aufzuzeigen, dass es im Hause Dantax (die Dachfirma) auch noch sehr viel höher geht.

NDHT26 Leema Acoustic
Der neueste Streich von Leema ist der iD85 DAC-Vollverstärker für 2.500 Euro (Foto: H. Biermann)

Bei Scansonic/Raidho war auch die Premiere des iD85 von Leema zu bewundern. Er ist das erste Bestandteil einer Serie, mit der die Briten eine etwas größere Käufergruppe ansprechen wollen: 2 x 85 Watt in A/B-Technik + hochklassiger DAC (ESS Sabre 9028Q2M) + sehr ordentliche Verarbeitung = 2.500 Euro. Warum das Schmuckstück ausgerechnet hier seine Premiere feierte? Scansonic/Raidho ist seit Anfang des Jahres der neue Vertrieb der Briten.

Schönes Neues gab es bei Acapella zu erfahren. Nicht nur, dass die Firma (aber nicht der Laden in der Duisburger Koloniestraße) seit dem 1. Februar vollständig in die Hände von Richard Rudolph übergegangen ist: Auch gibt es jetzt seit langem mal wieder einen richtigen Vertrieb, nämlich Sonic Sanctuary in 84424 Isen. Der Vertrieb residiert wohl nicht ganz zufälligerweise im gleichen Haus, in dem der Münchner Händler Martin Ludwig am 10. Februar eine völlig neue Welt von HiFi eröffnet.

NDHT26 Richard Rudolph Acapella
Richard Rudolph, klar erkennbar der Sohn von Alfred Rudolph, hat zum 1. Februar die Geschäfte von den Firmengründern Rudolph/Winters übernommen – Glückwunsch! Auf den NDHT 2026 spielte er eine Campanella 2 an hauseigener Verstärker-Elektronik (Foto: H. Biermann)

In den Räumen von Sonic-Sanctuary wird dann unter anderem die einzigartige Acapella Hypersphere stehen, ein System, an dem auf der HIGH END 2025 noch ein Preisschild von 6.000.000 Euro hing. Nein, nein: Ich habe keine Null zu viel aufgeschrieben… Doch die eigentlich schöne Botschaft für den Handel ist: Acapella verkauft nicht mehr direkt. Alles geht ab jetzt über den Vertrieb beziehungsweise den Handel. Im Laden in der Koloniestraße wird es keine Acapella-Lautsprecher mehr zu erstehen geben. Die Botschaft ist deshalb so schön, weil man als HiFi-Fan fast zwangsläufig von Acapella fasziniert sein muss. Aber der direkte Verkaufsweg hat die Liebe vieler Händler abkühlen lassen. Das kann sich ja jetzt wieder ändern.

Gleich gegenüber von Acapella war der Auftritt von AP Elektroakustik. Aus meiner Warte ist APE eines der interessantesten Startups im klassischen HiFi. Warum? Die Firma aus Neu-Ulm fußt auf der Treiber-Schmiede Eton und hat somit Zugang zu allerfeinster Lautsprechertechnik – was man bei ihrer Demo gut hören konnte.

NDHT26 AP-Demo
Die beiden sympathischen Firmenchefs Andreas Suciu (links) und Peter Neumann waren schon auf der Messe in Darmstadt vertreten – dort allerdings noch ohne Ton… (Foto: H. Biermann)

Mit wem ich auch sprach, alle waren von dem druckvoll-offenen APE-Auftritt mehr als angetan und so habe ich gleich ein Pärchen der Monitor 30P (hier im Bild mit dem Bassmodul 20A) zum Test geordert.

Aus dem fernen München kam der Rogers-Vertrieb (Klangloft) nach Hamburg. Hier spielte unter anderem die kürzlich bei LowBeats getestete Rogers 510 S3. Doch das Interesse, so Klangloft-Chef Michael Kromschröter, war eher mau. Tja, liebe Hamburger: Da habt ihr echt was verpasst. Denn die 510 S3 klingen außergewöhnlich neutral-lebendig, sind aber – wegen ihrer Größe – ziemlich rar…

HDHT2026 Rogers
Der rustikale Charme der Rogers 510 S3 (vorn im Bild) ist Teil ihres außergewöhnlichen Auftritts (Foto: H. Biermann)

Die Kollegen in der Bütt

Es kommt mehr und mehr in Mode, dass sich die Aussteller Hilfe beim Vorführen von den Medien holen. Audio Reference machte in seinem Kino auf der Messe Area-DVD-Chef Carsten Rampacher zum kundigen Filmvorführer, während LowBeats Autor Lothar Brandt sein gewaltiges Analog-Wissen auf der großen, oben beschriebenen Anlage (mit SME-Laufwerk) zum Besten gab.

Andreas Eichelsdörfer, Ex „Audio“-Chefredakteur und heute Chef und Filmer bei We love HiFi unterstützte die Vorführungen von Audium. Die Berliner hatten wieder einmal die äußerst vielversprechende Pylon Jade 30 am Start, ein Lautsprecher nach alter Art mit 30 Zentimeter Bass, der vom kürzlich getesteten Fezz Audio Olympia angetrieben wurde. Vergleicht man hier mal Preis und Ergebnis, bekommt man doch allerhand…

NDHT26 Audium Demon mit Andreas Eicherlsdörfer
Andreas Eichelsdörfer spielte sich mit Audium-Chef Frank Urban die musikalischen Bälle zu (Foto: H. Biermann)

Am nettesten allerdings werden diese Vorführungen immer vom LowBeats Kollegen Andreas Günther zelebriert. Nicht nur hat er immer die bestklingende Aufnahme dabei, sondern gibt immer noch eine Vielzahl netter Geschichten zum Besten. Ich glaube ihm nicht jede Story, aber schön sind sie alle…

Andreas Günther mit Enzo Bauer vom IAD Vertrieb. In der Vorführung war der neue Quad 2912X (Foto: H. Biermann)

Davon mal abgesehen, klang es bei IAD, wo Andreas dieses Jahr die Demos bereicherte, hervorragend unaufgeregt. Die neuen Quad 2912X sind – lässt man sich erst einmal auf sie ein – herausragend gute, weil enorm homogen musizierende Lautsprecher, zudem sind sie mit ihren 17.000 Euro ehrlich gesagt ziemlich günstig.

Best Sound of the Norddeutschen HiFi-Tage 2026:

Die große Anlage von Audio Reference muss hier genannt werden. Besser hat es in keinem Raum geklungen. Aber der Aufwand… Deshalb waren meine Lieblings-Vorführungen einige Preisstufen weiter unten angesiedelt. Am teuersten war dabei noch der Sennheiser Orpheus. Der 2015 vorgestellte elektrostatische Ausnahme-Kopfhörer kostet aktuell so um die 70.000 Euro, ist aber klanglich immer noch ein absoluter Hammer an Auflösung und Detailtreue. Und er ist besonders rar: Nur noch vier Stück stehen zum Verkauf, dann schließt Sennheiser dieses Kapitel. So wie ich das einschätze: für immer.

NDHT26 Sennheiser Orpheus
Fast ein bisschen unscheinbar: der einzigartige Sennheiser Orpheus auf den NDHT 2026 (Foto: H. Biermann)

Offenkundig für kleine Zimmer einer Hotelmesse wie gemacht, sind die neuen KEF Coda W. Was da – auch im Vergleich zur deutlich größeren R3 Meta rauskam, ließ den meisten Zuhörern den Mund offenstehen. Ich jedenfalls war von dieser Klangfarben- Detailtreue voll begeistert. Wir sprechen hier übrigens von einem kabellosen Smartspeaker-Paar für 900 Euro…

NDHT26 KEF Demo mit LSX II
Der kleinste in der Runde und klanglich doch erstaunlich groß: die KEF Coda W (links) für 900 Euro im KEF-Raum (Foto: H. Biermann)

Wer bei mir auf diesen Messen häufig weit vorn liegt, ist Progressiv Audio. Ich finde, Progressive-Audio-Chef Ralf Koenen weiß einfach, wie es geht und wie man alles dem perfekten Impuls unterordnet. Auf den NDHT 2026 spielte er sein kleinstes Modell, die Extreme I in der aktiven Ausführung.

NDHT26 Pregerssive Audio Extreme I
Auch LowBeats Anzeigenleiter Dr. Michael Hackenberg war so angetan, dass er augenblicklich seine eigene Playlist hervorkramte, um sich etliche Stücke davon auf der Extreme I anzuhören (Foto: H. Biermann)

Der Lautsprecher ist ja nun weder sehr groß noch absurd teuer (unter 8.000 Euro). Aber wieder einmal konnte ich mich kaum losreißen, weil es derart überzeugend tönte. Das hat nichts mit endlos tiefen Bässen oder der allerletzten Hochtonauflösung zu tun. Sondern mit der offenkundig perfekten Phasenlage, mit der alles etwas klarer, schneller und räumlich-präziser klingt. Das ist im Grunde wie Kopfhörer-Hören, nur beeindruckender, weil die Kleine einen Bassdruck erzeugt, den man ihr nicht zutraut und ihre Räumlichkeit in Metern gemessen werden könnte. Ich muss nicht weiterschreiben: Die meisten Leser werden verstanden haben, dass dies mein Platz Eins der NDHT 2026 war…

Mehr von den NDHT:

Report Norddeutsche HiFi-Tage 2025: volle Hütte, voller Erfolg
Norddeutsche HiFi-Tage 2024: der LowBeats Messereport
Messebericht NDHT 2023: die Norddeutsche HiFi-Tage in Hamburg
Rückblick NDHT 2020: High End über den Wolken

Autor: Holger Biermann

Avatar-Foto
Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.