Vor rund zwei Jahren präsentierte Yamaha mit dem YH-5000SE (siehe Testbericht) den aufwändigsten magnetostatischen Kopfhörer seiner Firmengeschichte. Basierend auf diesem High-End-Modell haben die Japaner nun eine deutlich preisgünstigere Variante dieses Konzepts gelauncht. Der Yamha YH-4000 kostet mit 2.500 Euro weniger als die Hälfte des Topmodells. Darüber hinaus findet sich mit dem YH-C3000 seit kurzem auch ein geschlossener Over-Ear für rund 1.700 Euro im Angebot. Beide Neuheiten, die sich technisch, wie klanglich stark unterscheiden, haben wir für Sie getestet.
Vorstellung der Kandidaten:
YH-4000: Optisch wie technisch ist dieser neue offene Over-Ear eng an das Topmodell YH-5000 angelehnt. Im Design unterschieden sich die beiden gar nur in Details, wie den farblichen (gelben) Akzenten am Spitzenmodell. Ansonsten muss man schon mit der Lupe nach echten Unterschieden suchen. Auch die zugrunde liegende Technik ist dieselbe. Es handelt sich um das heutzutage oft anzutreffende magnetostatische Wandlerprinzip, welches Yamaha traditionell „orthodynamisch“ nennt.
Wo Yamaha ordentlich gespart hat, ist beim Zubehör. Der beim Topmodell zugehörige und wirklich tolle Kopfhörerständer HST-5000, der seit kurzem auch einzeln erhältlich ist und stattliche 400 Euro kostet, fehlt beim 4000er. Auch das (unsymmetrische) Anschlusskabel ist eine deutlich preisgünstigere Ausführung. Dafür gibt es ein üppiges Case zur Aufbewahrung, dass wie eine mit Samttüchern ausgeschlagene Babykrippe wirkt – mit Reißverschlussdeckel allerdings.
In Sachen Verarbeitung und Wertigkeit der Materialien steht der YH-4000 seinem großen Bruder kaum nach. Der Kopfhörer fühlt sich hochwertig an und ist frei von knarrenden oder knarzenden Elementen – Top! Dabei ist er mit 320 g auch genauso wunderbar leicht.
Die Bügelkonstruktion mit breitem Kopfband und stufenloser Einstellung, kombiniert mit den ledernen (Wildleder an der Kontaktseite) Ohrpolstern, der guten Kopfhörergeometrie und einem sanften aber vollkommen ausreichendem Anpressdruck verleihen dem YH-4000 einen Spitzen-Tragekomfort. Dass es sich um einen akustisch sehr offenen Hörer handelt, der Außengeräusche kaum gefiltert durchlässt, macht ihn umso langzeittauglicher.
Eine ausführliche Technikbeschreibung erspare ich mir (und Ihnen) an dieser Stelle; die habe ich schon im Test des YH-5000SE ausführlich beschrieben. Die flachen Wandler im YH-4000 sind sehr ähnlich und sitzen auch hier quasi ganz außen in einigen Zentimetern Entfernung zum Ohrkanal. Mit ganz minimaler Anwinkelung. Mit 34 Ohm Impedanz und einer Empfindlichkeit von 97 dB ist er etwa als mittellaut einzustufen und sollte keinen modernen Kopfhörerverstärker vor Probleme stellen.
Erstaunlich andersartig: der Yamaha YH-C3000
“And now for something completely different”, um Monty Python zu zitieren. Der YH-C3000 ist ein geschlossener Over-Ear (das „C“ steht hier vermutlich für „Closed“) mit einem völlig anderen Design. Ok, abgesehen von der Bügelkonstruktion, die absolut identisch mit den Bügeln der offenen Brüder ist. Die Hörergehäuse sind außen mit Schalen aus Buchenholz abgeschlossen, die sehr dunkel lackiert sind und nur bei gutem Licht und genauerer Betrachtung eine feine Maserung offenbaren. Sehr schick und dezent. Ein Putztuch für die Hochglanzoberflächen liegt bei. Prinzipbedingt ist die Außenschalldämmung mit diesem Kopfhörer um einiges größer als beim YH-4000.
Trotz viel Holz vor der Hütte ist auch der C3000 mit 330 g nur minimal schwerer als der 4000er. Und die beidseitigen Kabelanschlüsse mit außen liegenden Terminals (siehe Fotos) sind auch sehr ähnlich. Doch bei den eigentlichen Hörern gibt es kaum noch Gemeinsamkeiten, denn der YH-C3000 arbeitet mit dynamischen Treibern. Auch für dieses absolut klassische Prinzip hat Yamaha sich einen fancy Namen einfallen lassen: ARMODYNAMIC, was sich laut Hersteller vom italienischen Begriff „armonia“ ableitet, der sich auf musikalische „Harmonie“ bezieht – Stilblüten des Marketing. Die Membran des selbst entwickelten Treibers besteht aus ZYLON, was wiederum eine eingetragene Marke der TOYOBO MC Corporation ist. Mit den Sci-Fi-Zylonen aus Battlestar Galactica hat das nichts zu tun.

Ich möchte hier nicht die umfangreichen und blumigen Beschreibungen des Herstellers in anderen Worten wiederholen. Das Marketing ist nicht unsere Sache. Nur so viel: Wie im Kopfhörerbau und bei vielen hochwertigen Marken üblich sind auch der YH-C3000 und seine einzelnen Elemente umfangreich akustisch aufeinander abgestimmt, um das gewünschte Klangergebnis zu erzielen. Und das ist hier schon etwas speziell. Dazu später mehr.
Die Yamaha-Brüder in der Praxis
Beide Yamaha-Kopfhörer fallen zunächst positiv durch ihr angenehm geringes Gewicht auf. Zwar lassen sich auch Kopfhörer mit über 500 g noch stundenlang bequem tragen, wenn ihre grundsätzliche Ergonomie stimmt, aber leichter ist dennoch besser. Zumindest, solange das nicht mit minderwertiger Materialqualität und Verarbeitung erkauft wird, was bei den beiden Yamahas definitiv nicht der Fall ist.
Vor allem der offene YH-4000 gefällt mir mit seiner nahezu perfekten Ausgewogenheit aus geringem Gewicht, großen, aber flachen und griffigen Gehäusen, niedrigem Anpressdruck – bei trotzdem sicherem Halt – den flauschig-weichen Ohrpolstern und dem breiten Kopfband. Und nicht zuletzt auch wegen seiner offenen Konstruktion, die (im Gegensatz zu Closed-Backs) stets ein angenehmeres, weniger isolierendes akustisches Ambiente bietet. Der Nachteil der geringeren Außenschall-Isolierung ist dafür in Kauf zu nehmen, sollte aber in einer ruhigen Heimumgebung, wofür er gemacht ist, kein Problem sein.

Wer dennoch auf eine gewisse Geräuschisolierung nicht verzichten will, muss mit dem YH-C3000 zum Glück nur leichte Kompromisse machen. Seine identische Bügelkonstruktion sorgt für eine ähnliche Geometrie und damit für einen ebenso gutes allgemeines Tragegefühl. Seine etwas schmaleren Ohrpolster liegen mit etwas höherem Druck auf, der aber nicht unangenehm hoch ist. Auffälliger ist da eher, dass die Kontaktflächen hier nicht aus weichem Alcantara-ähnlichem Material, sondern aus glattem Leder sind, was wegen einer besseren akustischen Abdichtung so gewählt wurde.
Ein konkreter Nachteil ist mir beim YH-C3000 aber aufgefallen: Im Gegensatz zu seinem offenen Bruder YH-4000 sind mit dem geschlossenen Modell deutliche Kabelgeräusche vernehmbar. Das sollte in dieser Preisklasse nicht sein. Eine eher subjektive Einschränkung ist, dass die hölzernen Gehäuseschalen zwar schick sind, ihre breite, schwarze Kunststoffeinfassung aber einen wenig edlen Eindruck macht. Der YH-4000 gefällt mir optisch aber auch qualitativ ein Stück besser. Ich betone jedoch, dass hier viel Subjektivität im Spiel ist.
Beide Kopfhörer werden nur mit einem unsymmetrischen Kabel ausgeliefert, die untereinander kompatibel sind. Heißt, ich kann das Kabel des 4000er auch am 3000er nutzen und umgekehrt. Der Anschluss am Kopfhörer erfolgt beidseitig. Am Verstärker muss eine 3,5 oder 6,35 mm Klinkenbuchse vorhanden sein. Welcher Kopfhörerverstärker hat die nicht?
Die mitgelieferten Aufbewahrungsboxen sind genau das: zur Aufbewahrung gedacht. Als Reise-Case sind sie – obwohl ein Tragegriff dran ist – viel zu voluminös. Dafür sind sie sehr schön gemacht. Die Kopfhörer haben übrigens auch keinen Klappmechanismus und die Gehäuse können auch nicht komplett in eine flache Position gedreht werden. Es sind schlicht und ergreifend Kopfhörer für den stationären Gebrauch.
Noch eine interessante Nebenbeobachtung: Schauen Sie mal in die Tabelle unten. Die Angaben stammen von Yamaha, ich selbst habe leider keine entsprechenden Messmöglichkeiten und es erschien uns nicht ausreichend wichtig, um die Hörer noch mal quer durch die Republik ins Messlabor unseres Experten Jürgen Schröder zu schicken. Nach den Angaben zur Impedanz (beide 34 Ohm) und der Empfindlichkeit zu urteilen (94 dB für den geschlossenen und 97 dB für den YH-4000), müsste der offene Kopfhörer eigentlich etwas lauter sein. Mein Lautheitsempfinden sagt mir aber eindeutig etwas anderes. Stattdessen ist der YH-C3000 gefühlt etwa 2-3 dB lauter. (Mit demselben Kabel am selben Ausgang des Violectric HPA V324.)
Der Grund dafür liegt in der Frequenz. Die Empfindlichkeit wird nämlich immer nur bei einer bestimmten Frequenz gemessen. Bei Kopfhörern sind das üblicherweise 500 Hz, Yamaha misst bei 1 kHz. Der deutlich Mittenbetontere YH-C3000 dominiert ganz klar den Frequenzbereich, in dem unser Ohr am empfindlichsten ist. (Von ganz individuellen Abweichungen in der Hörkurve noch mal ganz abgesehen). Die Unterschiede sind in der Praxis kaum relevant und fallen nur im direkten Vergleich auf. Aber das ist auch mal wieder eine schöne Erinnerung daran, dass Messwerte und Prospektangaben doch immer mit Vorsicht zu genießen sind.
Hörtest: Zwei wie Hund und Katz
Die beiden Yamahas sind nicht nur auf der technischen Seite sehr verschiedene Gewächse. Auch klanglich liegen Welten zwischen ihnen. Was schon etwas ungewöhnlich ist, denn bei den meisten Kopfhörer-Herstellern gibt es über alle Klassen hinweg so eine Art Familienklang oder eine Hausabstimmung, die für einen ähnlichen Charakter sorgt. Bei diesen beiden Yamahas ist davon nur wenig zu bemerken.

YH-4000: Der Klang des offenen Yamaha ist tendenziell leicht warm, die Mitten scheinen etwas zurückgenommen, sind aber vollmundig und sehr gut aufgelöst. So wie auch die Höhen. Das und die offene Konstruktion schafft eine gewisse Bühnendistanz, auch wenn das Im-Kopf-Gefühl natürlich auch hier nicht wegzudiskutieren ist. Aber: Fans von Details entdecken mit dem YH-4000 jede Nuance. Seine Klangfarben hingegen sind ach europäischen Maßstäben nicht hundertprozentig neutral. Dennoch ähnelt die Abstimmung klar der des größeren Topmodells YH-5000.
YH-C3000: Ein völlig anderes Erlebnis. Der YH-C-3000 lässt im schnellen Wechsel mit dem 4000er eine deutliche Mittenbetonung erkennen, welche mit einer völlig anderen Klangfärbung einher geht, die für mich im ersten Moment nach dem Aufsetzen leicht topfig klingt. Dank der Mittenpräsenz ist aber auch alles sehr gut durchhörbar: es klingt direkt und lebendig. Die angesprochene Klangverfärbung ist jedoch nicht wegzudiskutieren. Betrachtet man die Sache kosmopolitisch, würde ich dem YH-C3000 eine eher „japanische“ Tonalität zuschreiben.
Die sehr unterschiedliche Abstimmung der beiden Kandidaten macht eine klare Einordnung nicht ganz einfach. Bei einem schnellen Reinhören beim Händler könnten beide auf ihre Art sofort überzeugen. Oder auch nicht. Der YH-4000 wirkt gelassener, offener, weiträumiger. Der YH-3000 hingegen ist deutlich direkter in seiner Ansprache, rückt den Hörer aber manchmal auch ein wenig zu nah ans Ensemble.
Doch erst Vergleiche mit Kopfhörern anderer Hersteller offenbaren die jeweilige besondere tonale Abstimmung der Yamahas, die man entweder liebt, oder gar nicht damit klarkommt. Natürlich kauft man HiFi möglichst nie aufgrund von Hörensagen. Auch dann nicht, wenn die Aussagen von professionellen Testern kommen. Hier gilt das umso mehr. Die Yamahas muss man unbedingt selbst intensiver ausprobiert haben.
Fazit Yamaha YH-4000 und YH-C3000: Edelhörer für den speziellen Geschmack
Der Klangtest der beiden Yamaha-Kopfhörer lässt mich überrascht zurück. Verglichen mit eher neutralen (aber manchmal auch etwas langweiligen) Kopfhörern europäischer Provenienz klingen der YH-C3000 und der YH-4000 etwas exotisch – jeder auf eine andere Weise. Aber auch interessant.
In Kriterien wie Auflösung, Resonanzverhalten, Tiefbass oder Kontrolle handelt es sich um absolute Spitzenkopfhörer. Und auch in Sachen Mechanik und Tragekomfort gibt es – mit Ausnahme der Kabelgeräusche beim 3000er – nichts zu bemängeln. Über die tonalen Eigenschaften dürfen sich Kopfhörer-Enthusiasten aber gepflegt streiten. Meine Wahl fiele eindeutig auf den YH-4000, aber das ist auch ein bisschen seiner offenen Konstruktion geschuldet, die ich fast immer bevorzuge.
| | Direkter, charakterstarker kraftvoller Klang |
| | Feine Materialien |
| | Sehr leicht und langzeittauglich für einen Closed-Back |
| | Deutliche Kabelgeräusche |
Bewertungen
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Warmer, körperhafter Klang mit luftigem Raumgefühl |
| | Ausgezeichneter Tragekomfort, schön leicht |
| | Exzellente Verarbeitung |
| | Tonal nicht ganz in der neutralen Mitte, eher warm |
Vertrieb:
Yamaha Music Europe GmbH
Siemensstraße 22-34
25462 Rellingen
Tel.: +49-4101-303-0
Yamaha-Homepage
Preis (Hersteller-Empfehlung):
Yamaha YH-4000: 2.500 Euro
Yamaha YH-C3000: 1.700 Euro
Die technischen Daten in der Gegenüberstellung
| MODELL | YH-C3000 | YH-4000 | YH-5000SE |
| Preis | 1.700 Euro | 2.500 Euro | 5.500 Euro |
| Wandlerprinzip | Armodynamisch (Dynamisch) | Orthodynamisch (Magnetostat) | Orthodynamisch (Magnetostat) |
| Bauweise | geschlossen | offen | offen |
| Frequenzgang | 5 Hz – 55 kHz | 5 Hz – 70 kHz | 5 Hz – 70 kHz |
| Empfindlichkeit (1 kHz) | 94 dB | 97 dB | 98 dB |
| Impedanz | 34 Ω (@ 1 kHz) | 34 Ω (@ 1 kHz) | 34 Ω (@ 1 kHz) |
| Gewicht | 330 g | 320 g | 320 g |
| mitgelieferte Kabel | unsymmetrisch 3,5 mm (mit 6,3 mm Schraubadapter | unsymmetrisch 3,5 mm (mit 6,3 mm Schraubadapter) | unsymmetrisch 3,5 mm (mit 6,3 mm Schraubadapter), symmetrisch 4,4 mm – beide geflochten |
| Ohrpolster | Leder | gelochtes Leder mit Wildleder an der Innenseite | gelochtes Schafsleder / PU-Leder und Wildleder an der Innenseite |
| Lieferumfang | Aufbewahrungsbox, Putztuch | Aufbewahrungsbox | sehr hochwertiger Kopfhörerständer |
Mit- und Gegenspieler:
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