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Elton John Rocketman: Biopic auf UHD-Blu-ray

Bild- und Tonqualität UHD

Rocketman wurde durchweg mit ARRI Alexa Minis aufgenommen, die am Ausgang 3.4K oder 2.8K lieferte – je nachdem, ob open gate für die VFX-Shots oder anamorph für die regulären Aufnahmen gefilmt wurde. Ausgehend davon hat man allerdings nur ein 2K-Digital-Intermediate angefertigt, von dem aus für die UHD dann wieder hochskaliert wurde. Paramount hat zudem natürlich einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum integriert und die beiden HDR-Formate HDR10 und Dolby Vision integriert.

Missinterpretierte Liebe: Elton John und John Reid (Foto: Paramount Pictures)
Missinterpretierte Liebe: Elton John und John Reid (Foto: Paramount Pictures)

Im laufenden Bild darf zunächst Entwarnung gegeben werden: Auch Nutzer, die nur über eine HDR10-Kette verfügen, müssen nicht mit flacheren Schwarzwerten leben, wie zuletzt bei einigen HDR10-Titeln der Fall. Gut zu sehen beim Anfang von Kapitel vier nach 18’43. Die Szene bei dunklem Nachthimmel versumpft nicht und wirkt auch nicht wesentlich matter als über die Blu-ray. Im Gegenteil sorgt sie mit dieser HDR-Stimmung für den authentischeren Look, da die farblich etwas kräftigere und hellere Blu-ray hier deutlicher zu erkennen gibt, dass dies eine Studio-Aufnahme ist. Zumal die UHD in diesen Szenen die wesentlich bessere Kontrolle über punktuelle Lichtquellen hat. Nimmt man die Straßenlaterne bei 50’40, reißt diese über die Blu-ray sichtbar aus, während die UHD noch in der Lage ist, zwischen Lichtquelle (unten) und Kappe (oben) zu differenzieren. Dolby Vision kann zwar noch eine Spur tiefer ins Schwarz und wirkt noch etwas kontrastreicher, doch die Unterschiede sind geringer als zuletzt.

Auch in Sachen Color Grading hat man es nicht übertrieben. Die UHD ist über beide HDR-Varianten dunkler abgestimmt, was schon mal durchwegs für etwas kräftigere Farben sorgt. Violette und rote Pailletten an Johns Bühnen-Outfit strahlen etwas mehr und sind satter im Ton. Aber Welten liegen hier nicht dazwischen.

Ganz anders bei der Auflösung. Denn es ist durchaus erstaunlich, was von der UHD trotz des nur hochskalierten Bildes in Sachen Schärfe/Detaildarstellung ermöglicht wird. Nimmt man sich die Aufnahme der goldenen Schallplatte von „Goodbye Yellow Brick Road“, dann lässt sich über die 4K-Disk noch recht gut die „33“ oben rechts sowie vor allem das „Produced“ im unteren Bereich des Labels lesen. Wo die BD das Wort nicht mal mehr erahnen lässt, kann man es über die UHD lesen, wenn man nahe an den Bildschirm rückt (64’06).

Was die UHD zudem auch besser liefert (unabhängig von HDR10 oder Dolby Vision), ist das noch ruhigere Bild. Die BD ist schon ziemlich rauscharm – wie beim dunkle Nachthimmel (18’45) gut zu sehen. In der gleichen Szene erkennt man über die Ultra HD keinerlei Bewegung mehr auf dem Himmels-Ausschnitt.

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Elton John Rocketman: Vergleich Blu-ray (57’30)
Blu-ray (57’30): In Sachen Farbgestaltung und Kontrastierung ist schon die Blu-ray ziemlich gut (Foto: T. Wolters)
Elton John Rocketman Vergleich UHD HDR10
UHD HDR10: Die UHD ist etwas dunkler, wirkt dadurch ein wenig kontrastreicher und lässt beispielsweise die orange Farbe der Hose der Dame in der linken Bildhäfte satter erscheinen (Foto: T. Wolters)
Elton John Rocketman: Vergleich UHD HDR10 (57’30)
UHD HDR10 (57’30): Das gleiche Bild im Vergleich zwischen HDR10 und Dolby Vision (Foto: T. Wolters)
Elton John Rocketman: Vergleich UHD Dolby Vision
UHD Dolby Vision: Während HDR10 etwas flacher erscheint, hebt Dolby Vision die hellen Bildanteile ein wenig an, was subjektiv für die größere Bilddynamik sorgt (Foto: T. Wolters)
Elton John Rocketman: Vergleich Blu-ray (76’10)
Blu-ray (76’10): Hauttöne kommen schon über die Blu-ray warm rüber (Foto: T. Wolters)
Elton John Rocketman: Vergleich UHD HDR10
UHD HDR10: Die UHD wirkt dennoch kräftiger, natürlicher und im Weiß besser durchzeichnet. Außerdem tauscht sie das Lindgrün gegen ein dunkleres Grün ein (Büsche und Pflanzen im Hintergrund) (Foto: T. Wolters)
Blu-ray (74’45): Die Paradiesvogel-Outfits gelangen auch per Blu-ray kraftvoll zum Auge (Foto: T. Wolters)
Blu-ray (74’45): Die Paradiesvogel-Outfits gelangen auch per Blu-ray kraftvoll zum Auge (Foto: T. Wolters)
UHD HDR10: Die UHD gibt Rot, Gelb und Violett mit dezent anderem Color Grading wieder und ist noch etwas satter (Foto: T. Wolters)
UHD HDR10: Die UHD gibt Rot, Gelb und Violett mit dezent anderem Color Grading wieder und ist noch etwas satter (Foto: T. Wolters)
Blu-ray (64’06): Eine der deutlicher unterschiedlichen Bildvergleiche. Die Blu-ray gibt Holz und Schallplatte gelblicher wieder und ist weniger kontraststark (Foto: T. Wolters)
Blu-ray (64’06): Eine der deutlicher unterschiedlichen Bildvergleiche. Die Blu-ray gibt Holz und Schallplatte gelblicher wieder und ist weniger kontraststark (Foto: T. Wolters)
UHD HDR10: Die UHD liefert die wärmere, angenehmere und eindringlichere Farbgebung ab, erhöht insgesamt auch die Kontrastdynamik und wirkt weniger trüb (Foto: T. Wolters)
UHD HDR10: Die UHD liefert die wärmere, angenehmere und eindringlichere Farbgebung ab, erhöht insgesamt auch die Kontrastdynamik und wirkt weniger trüb (Foto: T. Wolters)
 UHD HDR10 (64’06): Das gleiche Bild im Vergleich zwischen HDR10 und Dolby Vision (Foto: T. Wolters)
UHD HDR10 (64’06): Das gleiche Bild im Vergleich zwischen HDR10 und Dolby Vision (Foto: T. Wolters)
UHD Dolby Vision: Dolby Vision setzt die Kontrastflanken noch etwas steiler, was vor allem im Holz links und rechts kräftiger erscheint. Auch die Schallplatte selbst scheint strahlender zu sein (Foto: T. Wolters)
UHD Dolby Vision: Dolby Vision setzt die Kontrastflanken noch etwas steiler, was vor allem im Holz links und rechts kräftiger erscheint. Auch die Schallplatte selbst scheint strahlender zu sein (Foto: T. Wolters)
Blu-ray (64’06): Schauen wir näher hin, ist erkennbar, dass die BD in Sachen Auflösung dann doch zurück bleibt. Kann jemand das Wort „Produced“ oder „England“ erkenne, wenn man es nicht weiß? (Foto: T. Wolters)
Blu-ray (64’06): Schauen wir näher hin, ist erkennbar, dass die BD in Sachen Auflösung dann doch zurück bleibt. Kann jemand das Wort „Produced“ oder „England“ erkennen, wenn man es nicht weiß? (Foto: T. Wolters)
UHD HDR10: Die UHD lässt es dann doch deutlich erahnen. Der Unterschied ist trotz nur hochskalierter Scheibe erkennbar und spätestens auf Bildbreiten über 1,5m dann auch sichtbar (Foto: T. Wolters)
UHD HDR10: Die UHD lässt es dann doch deutlicher erahnen. Der Unterschied ist trotz nur hochskalierter Scheibe erkennbar und spätestens auf Bildbreiten über 1,5m dann auch sichtbar (Foto: T. Wolters)
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Wie oben bereits angekündigt, liefert Anbieter Paramount löblicherweise für die UHD eine Dolby-Atmos-Fassung für beide Tonspuren. Das bedeutet nicht nur, dass es auch fürs Deutsche die Einbindung der Höhen-Informationen gibt, sondern auch, dass die etwas geringere Dynamik und Feinzeichnung der Dolby-Digital-Fassung der BD Geschichte ist. Denn die beiden Atmos-Spuren (jeweils True-HD-kodiert) sind in puncto Dynamik und Detaildarstellung auf einem Level. Songs kommen nun auch im Deutschen richtig fetzig rüber und die Instrumentierung ist differenzierter. Anspieltipp ist hier ganz klar „Pinball Wizard“, der so intensiv alle Lautsprecher bedient, dass er fast auf dem akustischen Niveau von Greatest Showman spielt. Geblieben sind die im Vergleich zur englischen Tonspur etwas leiseren Dialoge.

Der Rocketman hebt ab (Foto: Paramount Pictures)
Der Rocketman hebt ab (Foto: Paramount Pictures)

Wechseln wir auf die Höhen-Ebene, hört man erstmalig Musik und das Klirren der Sterne direkt zu Beginn, bevor Elton in die Selbsthilfegruppe kommt. Beim Song kurz darauf auf den Straßen gibt es Jubel von oben und eine einzelne Gitarre zu hören (5’30). Nach 20 Minuten gibt’s dann ein kurzes Gelächter auf dem Jahrmarkt aus den Heights (20’30) und kurz darauf öffnet sich die Höhen-Ebene für eine zunächst komplette und dann isolierte Orchestrierung. Obwohl hier nicht sonderlich viel von oben passiert, merkt man, dass sich jemand Gedanken gemacht hat, welche Geräusche/Instrumente er mit auf die Heights addiert – und vor allem wann. Ähnliches auch nach gut 63 Minuten, wenn eher asiatisch anmutenden Klänge von den Heights kommen.

Elton John Rocketman Szene mit Mutter
Eltons Mutter Sheila schnorrt sich beim Sohnemann durch (Foto: Paramount Pictures)

Was man sich allerdings wünschen würde, wäre mehr Club-Atmosphäre. Beispielsweise während „Crocodile Rock“ im Troubadour nach 48 Minuten. Etwas Jubel, ein wenig Klatschen – mehr kommt dann doch nicht von oben. Jedenfalls nicht, bis das Publikum zu schweben beginnt und von oben die Engelschöre erklingen. Im Sinne einer stärkeren Atmosphäre wäre aber der typische Hall in solch kleinen Clubs schön gewesen.

Richtig offensiv werden die Höhenspeaker dann beim Zeitraffer-Pinball-Wizard genutzt, wenn Egerton lauthals auch von oben den Text zum Besten gibt und dazu ein Feuerwerk loskracht. Letzteres ist so perfekt umgesetzt, dass es von Lautsprecher zu Lautsprecher wandert und fast schwerelos wirkt – klasse (75’00). Noch mal sehr intensiv schlägt die Höhen-Ebene zu, wenn der Chor das „I think it’s gonna be a long, long time“ von Rocketman singt (84’00). Drei Minuten später kommen die elektronischen Disko-Sounds so dediziert von oben, dass man ungläubig den Kopf in Richtung der Heights schwenkt. Auch die Stimmen kurz darauf ertönen direktional von der Decke.

Elton John Rocketman: Bonusmaterial

Das Bonusmaterial von Rocketman wurde auf der Blu-ray abgelegt und enthält zunächst einmal vier erweiterte Musical-Nummern, die von Dexter Fletcher kommentierend eingeleitet werden. Zehn entfernte und erweiterte Szenen kommen ergänzend hinzu und es gibt insgesamt fünf Featurettes.

In „Das wird ’ne wilde Fahrt“ resümieren Produzenten und Filmemacher, wie es zur Idee des Films kam. Man sieht auch Elton John und Taron Egerton im Zwiegespräch.

Elton John Rocketman: Schriller Paradiesvogel (Foto: Paramount Pictures)
Schriller Paradiesvogel (Foto: Paramount Pictures)

„Wie man zu Elton John wird“ beschreibt, wie sich Taron Egerton optisch und innerlich in Elton John verwandelt hat. Egerton spart nicht aus, welche Ängste ihn dabei begleiteten. „Einfach legendär“ kümmert sich um das Produktionsdesign und die grandiosen Kostüme. „Mit Volldampf voraus“ hingegen schildert, wie Fletcher die Musical-Szenen inszenierte und damit den Film auch erzählerisch voran brachte. „Musik neu erfunden“ wirft dann einen Blick ins Studio, in dem Egerton Erstaunliches leistete und Elton John sich auf eigenen Wunsch sehr zurückhielt, damit die Neuinterpretationen ihr eigenes Flair entwickeln konnten. Ergänzend gibt es eine Funktion, mit der man direkt zu den Musiktiteln des Films springen kann sowie Mitsingversionen einiger ausgewählter Songs.

Fazit Elton John Rocketman

Rocketman ist intimer und geht tiefer als Bohemian Rhapsody. Während die ersten 90 Minuten mitreißen, wird es danach für 20 Minuten ein wenig düster. Hier hätte man vielleicht etwas entdramatisieren können. Doch Schauspieler, Neuinterpretation der Songs und Kostüm- sowie Setdesign entschädigen für ein paar Mankos.

Die UHD liefert dazu das ausgewogen dynamischere, schärfere und noch ruhigere Bild mit einem tollen Atmos-Sound, der auf den regulären Ebenen richtig toll ist und obenrum in ausgewählten Szenen unterstützt.

Timo Wolters, blu-ray-rezensionen.net

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Elton John Rocketman
2019/11
Test-Ergebnis: 4,2
sehr gut
Bewertungen
Film
Bild BD
Bild UHD
Ton DE
Ton EN

Gesamt

Anbieter: Paramount Home Media Deutschland
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Dexter Fletcher
Darsteller: Taron Egerton, Jamie Bell, Bryce Dallas Howard, Richard Madden, Stephen Graham, Tate Donovan
Tonformate BD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // Dolby Digital 5.1: de
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 121
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Nein (2K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
FSK: 12

Unter anderem hier erhältlich:

Trailer zu Rocketman:

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Autor: Special Guest