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Erster Test Direct-Drive Plattenspieler Magnat MTT 990

Wenn nicht jetzt, wann dann: Ein Kunde müsste stutzig werden. Das alles entspricht so überhaupt nicht einer 1.000-Euro-Player-Firmenphilosophie. Suchen Sie doch mal im weltweiten Web nach den hochreinen Mogami Kupfer-Kabeln – die Preise sind hoch. Allein hier kann man sehr leicht eines 1.000-Euro-Scheins verlustig werden.

Magnat MTT 990 Antiskating
In dieser Preisklasse eine großartige Zugabe: Die Tonarmhöhe lässt sich durch Drehen der Basis einfach verstellen und auf alle Tonabnehmer anpassen. Das Gegengewicht punktet mit einer Skala, über die sich das Auflagegewicht bequem und einfach justieren lässt. Das Antiscating lässt sich ebenso elegant über eine eigene Scala vorgeben (Foto: H. Biermann)

Welche tieferen Absichten hegt Magnat mit dem MTT 990? Erst beim Tonabnehmer spürt man den Sparzwang. Auf Wunsch (und für einen 50-Euro-Schein mehr) baut Magnat ein vorjustiertes AT95-System von Audio-Technica ein. Das ist ein Moving-Magnet-Wandler der erschwinglichsten Preisklasse.

Magnat MTT 990 mit AT95
Der Kunde hat die freie Wahl: Entweder kommt der MTT 990 ohne Tonabnehmer ins Haus, oder mit einem vormontierten AT95. Was die klanglichen Qualitäten nicht ausreizt – wir raten zum Aufstocken (Foto: H. Biermann)

Fertig montiert liegt er in der Verpackung auf einer zusteckbaren Headshell. Auf dem Markt ist so ein System unter 50 Euro zu haben.

Wobei wir uns nicht beschweren wollen. Das AT95 ist der mit Abstand meistverkaufte seriöse Tonabnehmer der Welt und klingt erstaunlich gut für sein Geld: sehr ausgewogen und echtes Vinyl-Feeling, aber nicht die letzten Zentimeter der maximalen Auflösung.

Unser Tipp deshalb: Einen besseren Tonabnehmer aufschrauben – ein gewaltiges MC-System muss es nicht sein, aber wie wäre es mit einem feinen MM-Wandler um 250 Euro, das ist sinnig und fair. Um in der Familie zu bleiben: das Audio-Technica VM540ML wäre ein heißer Tipp.

Das Audio-Technica VM540ML am Rega RB 1000 Arm
Das Audio-Technica VM540ML entpuppte sich innerhalb des LowBeats VM-Familientests als absoluter Überflieger. Eine Super MM-Empfehlung für 279 Euro (Foto: P. Schüller)

So viel Klangpotential birgt der neue Magnat MTT 990

Doch zuerst der Solo-Lauf: Wie üblich starte ich mit den Beatles. das Weiße Album. Das neue Mastering von Giles Martin ist ein Geniestreich. Wer tiefer schürfen will, legt sich den High-Res-Download in 24 Bit zu oder eben die superbe Vinyl-Pressung.

Schon im ersten Track kommen Vinyl-Freuden und Sentimentalitäten auf: „Back in the USSR“ rauschte in unseren Hörraum, mit aller Präsenz. Vergessen Sie die Erstpressung, vergessen Sie das MFSL-Master – der neueste Mix ist das audiophile Maß aller Beatles-Dinge.

50 Jahre Das Weiße Album der Beatles
nach 50 Jahren noch mal remastered herausgegeben: das Weiße Album der Beatles klang nie besser

Der Magnat brachte den schönsten Schub an die Membranen, das stimmte im Timing ebenso wie in den emotionalen Schichten. Dann „Blackbird“ – Paul McCartney at his best.

Die Laufruhe des MTT 990 war erstaunlich, im direkten Vergleich streute der Riemenantriebler Elac Miracord 70 deutlich mehr Nebengeräusche ein. Was für einen Drive der kleine Magnat mit dem ebenso kleinen AT95 bereits in seiner Kleinstausstattung zu stemmen wusste – großartig.

Wo liegen die Unterschiede zum 24-Bit-Stream? Der ist reicher an Feininformationen, aber nicht opulenter. Der MTT 990 erschuf eine Auflösung fast auf Augenhöhe, nicht so präzise in den räumlichen Details, aber druckvoll und stark in den Farben.

Wir schwenkten um auf Klassik. Wer Glück hat, findet beim Händler seines Vertrauens eine Pressung von Orffs „Carmina Burana“. Riccardo Muti dirigiert das Philharmonia Orchestra.

Die EMI hat in den letzten Tagen der analogen Aufzeichnung Großes vollbracht. Hier pulsiert die Nadel in der Rille, der Abstand zwischen Pianissimo und Forte ist gewaltig. Hier muss ein guter Plattenspieler die ganz große Bandbreite abrufen. Bei den leisen Stellen dürfen keine Störgeräusche auftreten, wenn es laut wird, muss ein satter Schub vor den Boxen stehen.

In dieser Region trumpfen vor allem die super-teuren Luxuslaufwerke auf. Doch auch der Magnat versteht es, sich diesem Ideal anzunähern. Das war stark in der Körperlichkeit und ebenso stark in der räumlichen Abbildung. Wäre das Portemonnaie tatsächlich auf 1.000 Euro begrenzt, der MTT 990 hätte das Zeug zum glücklich-machenden Idealkauf.

Magnat MTT 990 gegegnElac Miracord 70
Einer der härtesten und attraktivsten Mitbewerber: Elac Miracord 70 (Foto: H. Biermann)

Doch er dreht seine Runden nicht allein auf der Welt – wie sind die Konkurrenten aufgestellt? Den großartigen Miracord 70 von Elac (Straßenpreis: um 1.200 Euro) habe ich bereits angesprochen. Praktisch für den direkten Vergleich: Auch er ist mit dem AT95 ausgestattet.

Beim Kieler Mitbewerber erscheint alles eine Spur sinniger und fülliger. Doch der Magnat holt diesen kleinen Nachteil mit der höheren Laufruhe, dem präziseren Punch und dem höheren Spaßfaktor wieder rein.

Da blitzte er doch auf, der Vorteil des Direkttrieblers: Unterm Strich konnte der MTT 990 einige Pluspunkte mehr auf den Bewertungsbögen verzeichnen.

Der andere, weitaus berühmtere Direct-Drive-Plattenspieler, der Technics SL 1200GR, war leider nicht mehr zum Hörvergleich verfügbar. Aber er war lang in der Redaktion beziehungsweise im Hörraum und wir konnten ihn damals ausgiebig hören.

Die Redaktions-übergreifende Meinung ist einhellig: nämlich, dass der Magnat mit seinem schönen Drive zumindest mal nicht der schlechtere der beiden ist…

Fazit Magnat MTT 990

1.000 Euro sind ein Grenzstein. So mancher Vinyl-Fan überschreitet diese Marke nur mit Magenschmerzen. Also ist ein Hersteller gut beraten, nicht dramatisch über der Schmerzgrenze zu liegen. Magnat gelingt es mit dem MTT 990 auf den Punkt – ein Komplettpaket inklusive sehr gutem Tonarm und gutem Tonabnehmer.

Das Laufwerk selbst stellt keine Begrenzung dar. Deshalb empfehle ich den guten AT95-Tonabnehmer gegen ein MM-Modell der 200-Euro-Klasse auszutauschen.

Doch bereits mit dem mitgelieferten System spielt der MTT 990 wie ein Großer auf. Hier stimmt der Druck an den Membranen und alles das, was man unter Vinyl-Feeling zusammenfasst – feine Harmonien, eleganter Smooth.

Zudem ist der Magnat ein waschechter Direktantriebler, also ein Rebell unter all den vielen Riemen-getriebenen Mitbewerbern. Kein Konkurrent baut derzeit für diesen Preis ein so ernstzunehmendes Laufwerk mit Motor an der Zentralachse.

Mir gefällt auch das Finish: Der schwarze Lack glänzt, die Formsprache wirkt klassisch und alterslos. Nichts, aber überhaupt nichts widerspricht einer deutlichen Kaufempfehlung. In seinem Segment haben wir hier einen Hecht im Karpfenteich.

Mit- und Gegenspieler:
Test Plattenspieler Technics SL-1200GR – die Direktantriebs-Legende
Test Plattenspieler Elac Miracord 70: Masse-Laufwerk für 1.200 Euro
Test Audio Technica VM 540ML – Top MM-Tonabnehmersystem zum Kampfpreis

Mehr zur Magnat:
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Magnat MTT 990
2018/12
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Klang
Praxis
Verarbeitung

Gesamt

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Grundehrlicher Klang mit viel Schub und Drive
Extrem kurze Hochlaufzeit, geringe Drehzahlschwankungen
Exzellenter, höhenverstellbarer Tonarm
Hervorragende Preis/Leistungs-Relation

Vertrieb:
MAGNAT AUDIO-PRODUKTE GmbH
Lise-Meitner-Straße 9
50259 Pulheim
www.magnat.de

Preis (Hersteller-Empfehlung)
Magnat MTT990 mit AT95: 1.000 Euro
Magnat MTT990 ohne AT95: 950 Euro