Rechtzeitig zur HIGH END 2025 präsentierte Perlisten seine vielleicht interessanteste Serie: die A-Linie, die ungewöhnlich viel Holz und Klang zum erfreulich fairen Kurs anbietet. LowBeats hatte die „kleinere“ Standbox der Serie, die Perlisten A3t (die immer noch fast 1,3 Meter hoch ist) im ausführlichen Test.
Perlisten: Diesen von Dan Roemer (USA) und Lars Johansen (Dänemark) gegründeten Lautsprecherhersteller gibt es erst seit vier Jahren. Und doch haben die amerikanischen Dänen in dieser Zeit einigen Staub aufgewirbelt. Vor allem mit ihrem pfiffigen Hochton-Array, das den Schall so klug bündelt, dass man im Hörraum weniger Reflexionen hat. Das Ganze ist so gut gelungen, die Lautsprecher sind so hoch belastbar, dass man sogar das schärfste THX-Label bekam.

Allerdings sorgen das Array und das Zertifikat für erhebliche Mehrkosten. Mehrkosten, die auf eine klassische HiFi-Wiedergabe vielleicht gar nicht einzahlen. Ergo entstand bei Perlisten die A-Serie, die so erfreulich günstig ausfällt, dass ich zunächst dachte, beim Paarpreis handle es sich um den Stückpreis. Aber nein: Unser stattliches Testmodell, die Perlisten A3t (Gewicht: fast 35 Kilo) kostet tatsächlich unter 5.000 Euro. Und dafür wird allerhand geboten: jede Menge Holz, eine interessante Anordnung der Treiber sowie eine makellose Verarbeitung. Die Slideshow zeigt die A3t in voller Pracht:
Die A3t ist durchweg aus 22 Millimeter starkem MDF aufgebaut und zusätzlich verstärkt. Wer jetzt noch im Kopf die aufgesetzte Schallwand und die (erstaunlich großen) Magnete der Tiefmitteltöner addiert, kann in etwa ermessen, warum die „kleine” Standbox der A-Serie so schwer ist. Und auch das sei hier noch vermerkt: Am matten Lack unserer Testboxen habe ich keinerlei Schwächen erkennen können…
Kennzeichen gerichtete Abstrahlung: der Aufbau der Perlisten A3t
Die Idee der gerichteten Abstrahlung wollten die Perlisten-Ingenieure trotz Verzicht auf das Array nicht aufgeben. Man dachte lange nach, man simulierte, machte unendlich lange Messreihen (übrigens mit dem dafür idealen Nearfield-Scanner vom Dresdener Spezialisten Klippel) und fand eine Lösung. Und zwar in Form einer klassisch-symmetrisch aufgebauten Konstruktion: zwei Tiefmitteltöner nehmen einen Hochtöner in die Mitte.
Korrekt umgesetzt entsteht durch diese Anordnung eine keulenartige Abstrahlung, die den Schall in der Vertikalen bündelt und somit Reflexionen an Decke und Boden einschränkt. Allen, die sich etwas auskennen, wird dazu sofort der Name Joseph D´Appolito einfallen. Der Amerikaner hatte diese Konfiguration in den 1980er Jahren populär gemacht. Allerdings waren für eine echte D´Appolito-Anordnung (ohne Auslöschungen im Übergangsbereich zwischen Hoch- und Tiefmitteltöner) die Auflagen so hoch, dass sie kaum einzuhalten waren.
Konkret ging es immer um einen möglichst geringen Abstand der beiden Tiefmitteltöner zueinander: Selbst bei kleinen Tiefmitteltönern mit 10 oder 12 Zentimetern Durchmesser hätte die Übergangsfrequenz zum Hochtöner bei etwa 1.000 Hertz liegen müssen. Das war lange Zeit gar nicht verzerrungsfrei machbar. Vieles, was damals als D´Appolito daherkam, war deshalb schlicht Etikettenschwindel. Und als ich Joseph D´Appolito in den späten 2000er auf einer HIGH END dazu befragte, war er sich selbst nicht mehr sicher, ob „sein“ Weg überhaupt der klanglich richtige gewesen ist…
Dan Roemer und Lars Johansen beziehen sich nicht auf Joseph D´Appolito – und machen es trotzdem in seinem Sinne perfekt. Sie verwenden einen Hochtöner mit 35 Millimeter großer Gewebekalotte und setzen noch einen Hornvorsatz davor, der den unteren Übertragungsbereichs des Hochtöners verstärkt. So erreichen die Entwickler eine Übergangfrequenz von knapp unter 1.000 Hertz. Das ist ungewöhnlich und ziemlich gut.

Und weil das Hochtonhorn über die beiden Tiefmitteltöner ragt, ist es möglich, diese relativ dicht zusammenzuschieben – so, dass es akustisch genau passt. Netterweise hat uns Perlisten-CSO Lars Johansen die Messungen zur A3t zukommen lassen. Solche Messungen kann LowBeats leider nicht selbst erstellen – einen (gemeinhin sechsstellig teuren) Klippel Nearfiled Scanner haben auch wir nicht im Regal…
Auch für jene, die solche Messungen nicht schlafwandlerisch sicher lesen können: Die Abstrahlung verläuft ohne größere Auslöschungen eng gebündelt, vertikal sogar schon ab 300 Hertz. Das bedeutet, dass die A3t über einen weiten Frequenzbereich wie eine Punktschallquelle arbeitet. Und dass sie in Wohnräumen, vor allem in denen, die wegen vieler glatten Flächen eher hallend klingen, weniger klangliche Probleme bereitet als die meisten anderen Lautsprecher am Markt. Auftrag also erfüllt.
Praxis
Mit einer Empfindlichkeit von 87,7 Dezibel (W/m) liegt die A3t ein wenig über dem Durchschnitt der meisten Mitbewerber. Das macht die Auswahl des Verstärkers einfacher – genauso wie die ohne größere Sprünge verlaufenden Impedanz- und Phasengänge der Perlisten: Da sollten moderne Amps keine Schwierigkeiten haben. Aber auch dieser Hinweis sei erlaubt: Um die A3t pegelmäßig komplett auszureizen, dürfen es schon 300 Watt pro Kanal an 4 Ohm sein. Dafür wird es dann aber wirklich laut…

Technisch interessant ist die extrem tiefe Abstimmung – zu sehen bei der Impedanz-Messung am ersten Huckel bei 17 Hertz. Eine so tiefe Abstimmung ist akustisch kaum noch wirksam. Aber die Bässe werden damit ventiliert (keine Kompressionen wie bei geschlossenen Boxen) und ein ganz klein bisschen Basszuwachs kommt ja trotzdem noch. Vor allem aber sind die Bässe so möglichst sauber. Der Frequenzbereich der A3t fällt unterhalb 50 Hertz linear-kontinuierlich ab, reicht aber – wegen der tiefen Bassreflex-Abstimmung – bis weit unter 20 Hertz. Das macht das Klangbild weiträumiger.

Durch das Konzept der Schallbündelung hat die A3t in den Mitten ordentlich viel Energie. Wir haben sie bei der Aufstellung etwa 45° eingewinkelt; das ergab ein homogenes Klangbild mit einer beeindruckenden Tiefenstaffelung. Und weil ihre Bässe so sauber abgestimmt sind (mit einem minimalen Buckel bei 50 Hertz für etwas mehr Schmackes) war auch die Aufstellung der A3t in der Nähe der Rückwand kein großes Problem – wenngleich die Perlisten mit mehr Abstand und „Luft“ eindeutig noch besser tönt.
Hörtest
Ich hatte gegen symmetrische Konstruktionen, wie sie ja auch im Heimkino-Bereich zu hunderten zum Einsatz kommen, immer meine Vorbehalte: Meist fehlt es – eben, weil doch viele Auslöschungen passieren – an der letzten Luftig- und Mühelosigkeit. Bei der A3t indes war davon nichts zu spüren: Es ist ein wunderbar breitbandiger Schallwandler, der untenrum erstaunlich viel zu bieten hat, aber auch in den Höhen faszinierend leicht und selbstverständlich tönt.
Aber er hat eben auch sehr viel packende Energie in den Mitten. Bei „Lo“, einem der schönsten Stücke des Ausnahme-Drummers Manu Katché (Album: Playground) spielen zwei Bläser getragene Melodielinien eine längere Zeit übereinander. Die A3t hielt beide sauber auseinander und es gelang ihr zudem spielerisch, auch das Piano und das feinnervige Schlagzeugspiel des Herrn Katché aufzudröseln: viel Transparenz und Übersicht allerorten. Und viel Energie: Alles groovte, knallte, perlte mit so hoher Dynamik, dass es eine Freude war.

Bleiben wir bei Manu Katché: Das Stück „Glow“ (Album: @the scope) wird eingeleitet von fiesen Elektrobässen, die viele Lautsprecher ruckzuck an ihre Schwingspulen-Limits bringen. Doch die beiden Tiefmitteltöner der Perlisten erledigen den Job ungemein souverän: mit viel Druck, großer Präzision und – wenn man will – sehr hohem Pegel.
Die hohe Pegelfestigkeit kannte ich schon von den Lautsprechern der größeren Perlisten-Linien. Neu für mich war die größere Gelassenheit in den Mitten: Wo die größeren Schwestern mit höchster Energie teils etwas vordergründig agierten, blieb die der A3t immer souverän und angenehm. So angenehm, dass ich mal wieder das „Officium“ von Jan Gabarek mit dem Hillards Ensemble hervorholte. Die Aufnahmen sind wunderschön, aber bisweilen in den Mitten echt kritisch: Saxofon trifft Männerchor in hallender Kirche (Kloster der Propstei St. Gerold/Österreich) – alles klar?
Aber auch diese, bisweilen unangenehme Hallen meisterte die A3t vielschichtig-elegant und umkurvte allzu grelle Passagen. Zudem offenbarte sie – zumindest in der gefundenen Aufstellungs-Variante mit starker Einwinkelung – eine erstaunlich griffige Abbildung mit großer Raumtiefe und -höhe.
Zwei Lautsprecher fallen mir ein, deren Vergleich sich aufdrängt: zum einen DALIs Epikore 8 und die Canton Vento 100. Beide spielen nicht nur in einer ähnlichen Preis- und Gewichtsklasse, sie gehören auch mit zu dem Pegelfestesten und Verzerrungsärmsten, was HiFi heute bieten kann. Die DALI klingt satter, etwas weicher und feiner, aber längst nicht so lebendig und durchzugstark wie die Perlisten. Die Canton ist der A3t klanglich durchaus artverwandt und genauso bassstark, hat aber wiederum nicht den Vorzug der gebündelten Abstrahlung und damit weder diese genaue Abbildung noch die Vorzüge in akustisch kritischen Räumen.
Fazit Perlisten A3t
Es gibt wenig zu mäkeln an diesem Lautsprecher. Vielleicht wird nicht allen Musikfreunden das sehr technische Design gefallen – geschenkt. Aber klanglich und von der Verträglichkeit der angeschlossenen Verstärker her können wir nur beste Noten vergeben. Bislang war Perlisten – wegen des Preises und wegen der speziellen Hochton-Gestaltung – ein echtes Nischenprodukt. Mit der A-Serie kommt die amerikanisch-dänische Marke aus der Deckung und fordert selbst Branchen-Größen wie Canton oder DALI heraus – und sieht dabei ziemlich gut aus…
Bewertung
KlangPraxisVerarbeitungGesamt |
| Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse. |
| | Breitbandig souveräner und offener Klang |
| | Hoher Maximalpegel |
| | Anspruchslos in der Verstärkerwahl |
| | Exzellente Preis-/Klang-Relation |
Vertrieb:
Audio Reference GmbH
Alsterkrugchaussee 435
22335 Hamburg
www.audio-reference.de
Paarpreis (Hersteller-Empfehlung):
Perlisten Audio A3t: 4.990 Euro
Technische Daten
| Perlisten A3t | |
|---|---|
| Konzept: | Passive 2-Wege-Standbox, BR |
| Bestückung: | 2 x 21,5 cm Bass, 1 x 35 mm Hochtöner mit Waveguide |
| Impedanz: | 3,2 Ohm |
| Maximalpegel (Dauer / kurzfristig): | 105 / 117 Dezibel |
| Wirkungsgrad (2,83 V / 1m): | 87,7 dB |
| Leistung für maximalen Pegel: | >250 Watt pro Kanal (4 Ohm) |
| Abmessungen (H xB x T): | 128,5 x 28,0 x 39,0 cm |
| Gewicht: | 35,2 Kilogramm |
| Alle technischen Daten | |
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