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Es brummt im Lautsprecher! Was tun?

Wer eine wirklich “saubere” Anlage aufbauen möchte, sollte also streng darauf achten, welche Komponenten eng beisammen stehen; die Mär vom möglichst kurzen Kabel verfängt nicht, wenn man etwa einen Phonoverstärker in die Nähe einer kräftigen Endstufe stellt.

Wenn es brummt im Lautsprecher: Aufbau beachten!

Merke: 50 Zentimeter mehr Kabel klingen garantiert nicht schlechter, verhindern aber womöglich, dass es brummt im Lautprecher!

Störend oder klangbeeinträchtigend wirken unter Umständen aber auch Einstreuungen, die sich nicht als 50-Hertz-“Netzbrumm” manifestieren. Wer sich da informieren will, braucht nur einmal mit einer womöglich bald aussterbenden Rasse zu sprechen, nämlich den Funkamateuren.

Die permanent um uns herum schwirrende elektromagnetische Strahlung hat nicht nur durch (höchstfrequente, im Mega- und Gigahertz-Bereich liegende) Handy- und Kommunikationsverbindungen extrem zugenommen, sondern sich unmerklich auch in unseren Häusern ausgebreitet.

Insbesondere die inzwischen massenhaft verwendeten Schaltnetzteile produzieren Störstrahlungen, die, im Gegensatz zu den durch Kommunikationsverbindungen verursachten, verhältnismäßig tieffrequent angesiedelt sind.

Für Funkamateure bedeutet das, dass im bewohnten Umfeld die Kurzwellenbänder im 160- und 80-Meter-Bereich praktisch kaum mehr benutzbar sind, ganz zu schweigen vom ohnehin extremen Störnebel im Lang- und Mittelwellenbereich, den man mit entsprechenden Radios selber nachvollziehen kann.

Die Übeltäter sind Computer- und Festplatten-Netzteile, Beleuchtungs-Stromversorgungen, Ladegeräte oder Energiesparlampen; diese Liste lässt sich fast beliebig erweitern.

Selbstverständlich tragen alle diese Netzteile das „CE“-Zeichen. Wer solche Billigteile einmal aufmacht, wird aber nicht selten feststellen, dass jene an sich spottbilligen elektronischen Komponenten, die als vorgeschriebener Störschutz eingebaut sein sollten, nicht bestückt wurden.

Immer gefährdet: Phono-Eingänge

Die Bescheinigung “elektromagnetischer” Verträglichkeit durch  Einhaltung der EMV-Vorschriften ist heute ohnehin bereits durch die schiere Menge solcher Stromversorgungen Makulatur.

Effekte wie Rauschen, Prasseln oder andere Störungen finden hier oft ihre Ursache, etwa über die ja im Tausendstel-Volt-Bereich empfindlichen Phonoeingänge.

Außerdem schleichen sich Störungen natürlich auch über das Stromnetz in die Anlage ein. Wenn es brummt im Lautsprecher, ist ein ordentlicher Netzfilter heutzutage also eine Notwendigkeit.

Korrekt gebaute, hochwertige Schaltnetzteile, also etwa jene in unseren Verstärkern, sind üblicherweise kein Problem. Aber man sollte natürlich auch darauf achten, Steckernetzteile von Festplatten, Rechnern oder Beleuchtung nicht in der “HiFi-Steckerleiste” zu betreiben.

Ein weiterer, recht profaner Grund für den Brumm verdient ebenfalls, hier genannt zu werden: Auch oxidierte, schmutzige Buchsen und Stecker verhindern schon mal einen elektrisch gut leitenden Massekontakt.

Gerade Cinch- und die guten, alten DIN-Verbindungen sind da anfällig und verlangen nach Reinigung; die Stecker in Kontaktmittel zu “baden”, ist aber zuviel des Guten!

Ein Auge sollte man auch auf geweitete Cinch-Außenkontakte haben, die mit der Buchse kaum noch Berührung pflegen, ein Problem bei vielen sehr alten oder häufig benutzten Steckern.

Erdungsklemme am Einstein "The Tune"
Diese Erdungsklemme am Einstein-Vorverstärker ist optimal ausgeführt! (Foto: R. Kraft)
Tellerlager Verdier Zentralschraube Erdung
Eine dicke Batterieklemme dient unter dem Chassis einer Platine Verdier als Erdungsanschluss des Lagers (Foto: R. Kraft)

 Sternförmig erden!

Spezielle Verhältnisse in Sachen Brumm herrschen bei der Phono-Verkabelung. Hier haben wir ja zusätzlich die Erdungsdrähtchen vom Plattenspieler, also etwa jenes an der Phono-Cinchleitung und/oder eine Erdungsleitung vom Plattenspieler-Chassis.

Wenn es brummt im Lautsprecher, ist das zu verfolgende Prinzip einfach und lautet: sternförmig verdrahten mit separaten Masseverbindungen. Je nach Konfiguration ernennen wir entweder den Vollverstärker oder den Vorverstärker zum “Erdungszentrum” der Anlage.

Alle Erdungskontakte von anderen Geräten (also Laufwerk, Tonarm, Übertrager oder Phonostufe) werden, quasi “sternförmig” ankommend, an diesem Erdungszentrum angeschlossen.

Man führt also beispielsweise das Erdungsdrähtchen des Tonarmes unmittelbar an den Vorverstärker und verbindet den Erdkontakt eines MC-Übertragers oder MC-Vorverstärkers mit einem weiteren Drähtchen ebenfalls mit dem Erdungspunkt der Vorstufe. Alles klar? Gut.

Der “schwarze” Lautsprecheranschluss darf übrigens nie als Massepunkt benutzt werden, okay? Als Erdungsdrähtchen besorgen wir uns feine Schaltlitze aus dem Baumarkt, also einen isolierten Draht, der innen aus vielen einzelnen Äderchen besteht und deshalb sehr biegsam ist. Wer löten kann, verzinnt die zusammengezwirbelten Enden, was für besseren Kontakt sorgt und ordentlicher aussieht.

Bitte keine daumendicke Lautsprecherleitung verwenden, das ist hier völlig überflüssig. Da nun womöglich einige Erdungen an ein- und derselben, womöglich heillos unterdimensionierten Masseklemme zusammenlaufen, kann man sich eine kleine „Erdungsschiene“ bauen.

Erdungsschiene für die HiFi-Anlage
Das ist eigentlich schon die Luxusversion der beschriebenen Erdungsschiene. Buchsen leitend einbauen! (Foto: R. Kraft)

In der Praxis genügt ein leitendes Metallteil, in das man einige Bananenbuchsen (Baumarkt) leitend einmontiert; die ankommenden Erdungen versieht man, wenn man es elegant möchte, mit Bananensteckern. Der Selbstbau-Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt … Ach ja, hallo Highender: es muss wirklich nicht vergoldet sein!

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