Die folgende CD-Rezension war eigentlich gar nicht geplant. Alles begann als Reportage über eine Boxen-Bauer aus Südtirol für ein Lifestyle Magazin mit Schwerpunkt Automobil. Nachdem ich Thomas Mayr an seinem Firmensitz in Laas besucht hatte, wo er aus Marmor Lautsprecher-Gehäuse für seine Marke StHar – Stone & Harmony fertigt, machten wir gemeinsam vor meinem Rückweg nach Stuttgart noch einen Schlenker über Innsbruck. Dort sitzt – etwas ortsfern – die Wiener Lautsprechermanufaktur, kurz WLM. Und wie es der Zufall wollte, traf ich dort auf den Protagonisten dieser Story, die irgendwo zwischen CD-Besprechung und Reportage schwankt.
Simon Cede „Frohe Weihnachten“ in der WLM-Manufaktur
Simon Cede ist Musiker, der dort auf der High-End-Anlage seines Vertrauens die von ihm eingeforderte Neuabmischung der Weihnachts-CD von seiner CeDe-Band kurz vor Produktion abnehmen wollte. So geriet ich unversehens in eine illustre, fröhliche Runde, die sich im Hörraum der WLM zusammenfand. Abgesehen davon, dass mich die Zusammenstellung, Interpretation und Aufmachung des vorerst nur auf CD erhältlichen Albums unter dem Titel „Frohe Weihnachten“ spontan begeisterte, erzeugte das ganze Drumherum ein breites Grinsen. Es klang fantastisch, sehr anspringend, körperhaft dynamisch, was dem Charakter der CD mit ihren unkonventionellen Interpretationen durchaus entgegenkam. Gleichzeitig blickte man auf ein Sammelsurium seltener HiFi-Geräte und Lautsprecher-Prototypen von WLM.
Besonders angetan war ich als jemand, der nach fast 40 Jahren in der Branche manchmal komplett die Nase voll hat, von dem ganzen esoterischen Getue rund um Wunderkabel und ähnlichem Tuning-Zubehör von einem besonders originellen und überraschenderweise klanglich keinesfalls negativ in Erscheinung tretenden Unterbau für zwei Vintage-Röhrenverstärker: Die beiden Raritäten standen auf einem umgedrehten Bierkasten. Man muss vermutlich erst nach Österreich reisen, um einen so entspannten Umgang mit high-endigen Heiligtümern zu finden.


Der Soundcheck: Alte vs. neue Abmischung
Diese Session, die sich vergnügt über viele Stunden erstreckte, verdanke ich dem Umstand, dass Cede nicht mit der ursprünglichen Abmischung zufrieden war, was sich vor allem am gezupften Kontrabass von Gösta Müller äußerte. Nachdem ich mich als HiFi-Tester zu erkennen gab, kam es zu einer Reihe von A/B-Vergleichen zwischen der alten und neuen Abmischung. Dabei konnte ich die Bedenken von Simon sehr gut nachvollziehen. Der Bass in der ursprünglichen Abmischung verdeckte teilweise Details der Stimme und den anderen Instrumenten. Und er bildete vor allem auch keinen zusammenhängenden Klangkörper.
Das alleine hätte aber noch lange nicht dazu geführt, dass Sie am Ende diese Geschichte auf LowBeats lesen können. Mir gefiel die gehörige Portion Humor, garniert mit einem durchgehenden Nonkonformismus. Während normalerweise Weihnachtslieder ziemlich auf die Tränendrüse drücken, bekam man bei dieser Mischung aus bekannten Titeln aus aller Welt das Gefühl, dass sich alle Beteiligten die ganze Zeit einen abgrinsten. Ganz besonders, wenn man den Humor von Simon Cede live erlebt hat.
Der Moment, in dem ich beschloss, aus der zufälligen Begebenheit einen Bericht zu machen, war die Sache mit den Aufnahmeorten, an denen die Titel live eingespielt wurden. So spürte man stets die lockere Atmosphäre – etwa an einem unerwarteten Reinrufen nach der letzten Strophe des Klassikers „Feliz Navidad“ („Frohe Weihnachten!), am Husten bei „Eine Muh, Eine Mäh“ oder am Gekicher beim Ende von „Morgen Ist Der Krampus Da“. Die Band von Simon Cede (Vocal, Trompete, Flügelhorn), zu der neben dem Bassisten Gösta Müller noch Marco Birkner (Gitarre), Peter Perlot (Gitarre, Mundharmonika) und Markus Gevr (Klarinette, Saxofon) gehörten, hat immer alles live eingespielt.
Humor, Live-Feeling und musikalischer Nonkonformismus
Man spürte aus jeder Strophe den Spaß, den die Musiker der CeDe Band offensichtlich daran hatten. Doch für audiophile Ohren wird das Ganze in dem Moment richtig spannend, wo die Locations ins Spiel kommen. Die insgesamt 15 Titel wurden mit hörbarem Vergnügen an vier unterschiedlichen Plätzen eingespielt. Nachdem ich hörte, dass sogar eine Aufnahme in einem Kaufhaus geplant war, drängte sich eine Mischung aus CD-Besprechung und „Making of“ förmlich auf. So blieb ich mit Simon Cede in Verbindung und lies mir von ihm Fotos und Informationen zu den unterschiedlichen Aufnahmeorten schicken. Das ist schließlich genau der Stoff, der Audiophile animiert, subtile Unterschiede in der Räumlichkeit herauszuhören. Das gilt ganz besonders, weil man auf den Bildern auch noch gut erkennen kann, dass jeweils zwei hinter den Musikern platzierte Stützmikrofone den Fingerabdruck der „Konzertsäle“ einfangen sollten.
1.) Pfarrkirche Natters: Klassische Weihnachtsatmosphäre
Die postkartentaugliche Pfarrkirche in Natters – Simon Cedes Heimatort – erfüllt noch am ehesten die allgemeinen Erwartungen an ein Weihnachts-Album. In der auf das 14. Jahrhundert zurückgehenden römisch-katholischen Kirche entstanden die Live-Einspielungen von „Little Town Of Bethlehem“, „Maria Durch Ein Dornwald Ging“, Auld Lamg Syne“ und „Es Wird Scho Gleich Dumpa“. Mehr zur Location: https://de.wikipedia.org/wiki/Pfarrkirche_Natters

2.) Urichhaus Innsbruck: Holzdecken & urige Stimmung
Der nächste Ort hat ebenfalls eine längere Geschichte: Das 1893 erbaute Urichhaus diente zunächst als Verwaltungsgebäude und Offizierscasino der Tiroler Kaiserjäger in Innsbruck. Inzwischen gilt das am Bergisel auf 640 Meter Höhe gelegene Gebäude mit seinen hohen hölzernen Decken als begehrte Event Location. Hier spielte die Band die heimischen Titel „Eine Muh, Eine Mäh“ und „Morgen Ist Der Krampus Da“ ein, aber auch die weltweiten Klassiker „White Christmas“, „My Favorite Things“ und „We Wish You A Merry Christmas“. Mehr zur Location: https://www.urichhaus.at/mein-event/raeume-ausstattung

3.) PORG Volders: Konzertsaal-Feeling pur
Die nächste Location bot wirklich eine Bühne im wahrsten Wortsinn: Die Titel „Let It Snow!“, „Jingle Bells“, „Last Christmas“ (ganz famos von Stimme und Arrangement) und „Feliz Navidad“ entstanden im PORG Volders. Das private Realgymnasium und Oberstufenrealgymnasium mit Öffentlichkeitsrecht wurde 1907 gegründet und dient mit seinem Veranstaltungssaal als Veranstaltungsort für Konzerte. Mehr zur Location: https://www.porg-volders.at/

4.) Gasthaus Anich: Live vor dem Tresen
Obwohl sich die ausgefallenste Idee, auch einige Titel in einem Innsbrucker Kaufhaus einzuspielen, nicht umsetzen ließ, ist der vierte Saal schon etwas ungewöhnlich für eine CD-Einspielung – vor allem, wenn es sich um ein Weihnachts-Album handelt. Die Rede ist vom Gasthaus Anich in Innsbruck. Dort entstanden die Live-Aufnahmen zu den Tracks „Es Hat Sich Halt Eröffnet“ und „Geh Hansl, Pack Dei Bingaal Zamm“ direkt vorm Tresen. Mehr zur Location: https://www.gasthausanich.at/

Simon Cede „Frohe Weihnachten“: Verfügbarkeit, Preis und Ausblick auf 2026
Auch wenn ich eigentlich Weihnachtslieder nur an Heiligabend hören mag, bin ich vom Gesamtkonzept, das Simon Cede noch mit einem komplett handschriftlich getexteten Cover gekonnt humorvoll abrundet, so angetan, dass ich eine besondere Empfehlung gerade auch für audiophile Ohren aussprechen mag. Und das, obwohl es nicht im Handel oder auf Streaming-Plattformen erhältlich ist. Simon Cede, der sein kleines Meisterwerk am Sonntag den 7. Dezember 2025 um 10:30 Uhr in Innsbruck in der Villa Blanka präsentiert hat und eigentlich vorerst nur im Rahmen seiner zahlreichen Konzerte verkauft, nimmt Bestellungen per E-Mail an. Wer Lust bekommen hat, darf sich direkt an den Künstler wenden: [email protected].
Die CD „Frohe Weihnachten“ von Simon Cede & seiner CeDe Band würde dann inklusive Versand in die EU 30 Euro und innerhalb von Österreich 25 Euro kosten. Phono-Freunde dürfen sich schon auf Weihnachten 2026 freuen. Bis dahin soll es das Album „Frohe Weihnachten“ auch auf Vinyl geben.
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