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Canton Vento 90 Form
Cantons Vento 90 galt bei ihrer Markteinführung als bestes Angebot der 4.000-Euro-Klasse. Nun wurde ihr Preis drastisch auf 2.600 Euro gesenkt (Foto: Canton)

Kauftipp der Woche: Canton Vento 90

Als mir die Vento 90 das erste Mal begegnete, ahnte ich schon, dass dies einer jener Lautsprecher ist, von dem man sagen kann: „Mehr brauchst du eigentlich nicht.“ Und auch das Wort „eigentlich“ könnten die meisten HiFi-Fans streichen, denn an ausgeglichen-lebendigem Klang und an unverzerrtem Pegel leistet die Standbox so viel, dass die meisten Mitbewerber der 4.000-Euro-Klasse einfach mal widerstandslos die Fahne streichen können. Und nun mehren sich die Anzeichen, dass diese Serie ausläuft und dementsprechend günstig wird. Wir fanden die Canton Vento 90 bei SG Akustik für 2.600 Euro. Ein klassischer Kauftipp.

Canton Vento 90 komplett
Eleganter Auftritt: Die Vento 90 mit 3-Wege-Bestückung und Bauhöhe von 110 Zentimetern (Foto: Canton)

Zur Erinnerung: Vento ist so etwas wie die E-Klasse bei Mercedes und deshalb technisch immer ziemlich weit vorn. Die 90 beerbte vor fünf Jahren die Vento 896 – die bei LowBeats bis dato meistgehörte Referenzbox. Schon dieses Modell war ein Meisterwerk. Die Vento 90 hatte also bereits eine exzellente Basis und wurde lediglich technisch/akustisch auf den damals neuesten Canton-Stand gebracht wurde. Ein Stand übrigens, der heute noch gültig ist.

Das Besondere an der Canton Vento 90

Obwohl die Basis der 896 schon exzellent war, wurde doch einiges verändert – immerhin ist diese Serie die zehnte Vento-Generation der Canton-Geschichte. Also legte der Canton-Designer noch einmal Hand an und veränderte die Grundform zu einem Bug-Design (Bug im Sinne von Schiff, nicht der englische Begriff …) mit einem Verhältnis von einer 1 zu 1,2 Ratio gestaltet. Das brachte zudem mehr Gehäusevolumen. Auch der Sockel bekam eine klarere Linienführung und sorgt für die „schwebende“ Optik. Geblieben aber ist die Formgebung mit den dezent geschwungenen Seitenwänden sowie die absolut hochwertig gefertigten Gehäuse mit unterschiedlich Oberflächen im perfekten Finish und die optimierte Innenversteifung gegen klangmindernde Gehäuseresonanzen. Dabei erfüllen die Gehäuse der neuen Ventos auch allerhöchste Ansprüche an Verarbeitungs- und Anfassqualität. Die Vento 90 sind übrigens in weißem und schwarzem „high gloss“ Lack verfügbar.

Canton Vento 90 Fuss / Bi-Wiring
Die zehnte Vento-Generation hat einen besonders kräftigen Fuß bekommen, auf den die Bassreflex-Röhre abstrahlt (Foto: Canton)

Aber natürlich wurde auch Cantons Entwicklungs-Abteilung bei der Generation X aktiv: Die Vento 90, eine stattliche 3-Wege-Konstruktion mit Bassreflex-Unterstützung, arbeitet im Mittel- und Tieftonbereich mit den neuen, matt schimmernden Titanium/Graphit-Membranen, die nicht nur elegant aussehen, sondern auch ein Optimum zwischen Steifigkeit und guter Bedämpfung darstellen. Diese Treibertechnik ist immer noch Stand der Dinge bei Canton.

Was ebenfalls bei Canton in den vergangenen Jahren kontinuierlich besser wurde, ist die Verträglichkeit mit den angeschlossenen Verstärkern. Die Vento 90 zeigt zwar einen recht welligen Impedanzgang, aber der rutscht nie unter 3 Ohm. Einen schwächlichen Röhren-Verstärker würde ich für die Vento 90 daher nicht empfehlen. Aber mit einem ordentlichen Transistor-Amp der 1.000 Euro-Klasse (wie ein Atoll IN 80, ein Cambridge CX-A81 oder ein Rotel A14) kommt man schon sehr weit.

Praxis und Höreindruck

Die Frage der Verstärker habe ich schon angesprochen: Es sollte ein Verstärker mit mindestens 100 Watt pro Kanal (4 Ohm) sein. Damit lassen sich Klangbilder und Pegel erzeugen, die sich vor keinem Mitbewerber dieser Klasse verstecken müssen. Canton-typisch fußt auch die Vento 90 auf einem massivem Bass-Niveau, weshalb eine Aufstellung an der Rückwand oder gar in der Raumecke eine schlechte ist; die Vento 90 muss für einen knackig sauberen Bass leider recht frei stehen.

Dann aber gibt es kein Halten. Klassische Musik meistert sie mit ihrer hohen Transparenz und Genauigkeit wunderbar authentisch. Auch die Abbildung hat eine schöne Körperhaftigkeit. Noch mitreißend aber wird die Vento 90, wenn gut gemachter Elektropop gereicht wird. Ein Stück wie „Cups“ vom Underworld-Album „Beaucoup Fish“ kommt dermaßen packend und Mark-erschütternd, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob das noch „normales“ HiFi oder schon Beschallung ist. Gerade in diesen Momenten hat die Vento 90 gegenüber den meisten Mitbewerbern der 4.000 Euro-Klasse die Lufthoheit

Fazit Canton Vento 90

Da die Vento 90 schon zum Normalpreis kaum zu toppen war, ist die solide Standbox nach der rigiden Preissenkung erst recht ein Knüller. Einen Lautsprecher mit so großen klanglichen Meriten, der aufgrund seiner robusten Natur (und dem Umstand, dass Canton ein riesiges Ersatzlager hat) locker die nächsten 20 Jahre hochklassig seinen Dienst tun wird, müssen wir zu diesem Preis wärmstens empfehlen. Da kann man schlicht nichts verkehrt machen.

Kauftipp der Woche:
Canton Vento 90
2026/02
Test-Ergebnis: 4,7
ÜBERRAGEND
Bewertung
Klang-Potenzial
Wert-Beständigkeit
Preis/Leistung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.
Kerniges, transparent-natürliches Klangbild
Enorm pegelfest
Klasse Finish
Benötigt kräftige Verstärker

Angebot:
SG Akustik HiFi-Studio
Printzstraße 13
76139 Karlsruhe
0721 / 921 273-0
www.sg-akustik.de

Aktionspreis (zeitlich begrenzt):
Canton Vento 90: 2.600 Euro

Technische Daten

Canton Vento 90
Technisches Konzept:3 Wege Passiv-Lautsprecher, Bassreflex
Bestückung:TT: 2 x 19,2 cm, MT: 17,4 cm, HT: 1 x 25 mm
Impedanz:4 Ohm
Wirkungsgrad (2,83 V/m:90 Dezibel
Angebots-FarbenHochglanz Schwarz, Hochglanz Weiß
Abmessungen (H x B x T)110,5 x 29,0 x 38,2 cm
Gewicht:30,2 Kilogramm
Alle technischen Daten

Autor: Holger Biermann

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Chefredakteur mit Faible für feinste Lautsprecher- und Verstärkertechnik, guten Wein und Reisen: aus seiner Feder stammen auch die meisten Messe- und Händler-Reports.