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Christian Ern
Christian Ern ist Produkt-Manager bei Sennheiser und ein Verfechter der kabellosen Übertragung (Foto: A. Günther)

„Kein Unterschied“: Sennheiser Produktmanager Christian Ern zum Vergleich Kabel vs BT

Kabelgebundene Kopfhörer sind nur noch etwas für ausgewiesene Highender oder Studio-Profis – weltweit regiert (noch) der Wire-Headphone. Auch als ausgewiesene HiFi-Freunde haben wir stets die Kabel-Variante bevorzugt, weil sie halt einen Tick besser klingt. Aber auch zukünftig? Anlässlich eines Tests des Sennheiser BTD 700, eines winzig kleine Dongles für Bluetooth-Übertragung, sprach LowBeats Autor Andreas Günther mit Sennheiser Senior Produktmanager Christian Ern zum Stand und zum Klang der Dinge.

Christian Ern Sennheiser
Christian Ern ist “Principle Portfolio Manager” bei der Sonova Consumer Hearing GmbH (Foto: A. Günther)

LowBeats: 
Sie haben schon früh bei Sennheiser mit Bluetooth-Kopfhörern begonnen – wie war der Weg zur heutigen Produktstrategie?

Christian Ern:
 In 2008 begann die Ära der Bluetooth-Kopfhörer und das hat sich dann sukzessive weiterentwickelt. Heute sieht man, dass der Markt fast komplett Wireless ist – rund 80 Prozent sind Bluetooth-Produkte, vielleicht noch 20 Prozent kabelgebunden. Wenn man von sogenannten „Flagships“ spricht – also nicht audiophilen Geräten, sondern Premium-Kopfhörern –, dann sind das im Wesentlichen alles Wireless-Modelle. Wir haben die Entscheidung für Wireless vielleicht etwas spät getroffen, aber letztlich hat der Markt es für uns mitentschieden. Ich erinnere mich, dass wir 2016 ein Produkt herausgebracht haben – einmal als Kabelversion und einmal Wireless. Wir gingen davon aus, dass sich die Kabelversion viermal so häufig verkaufen würde – aber es war genau umgekehrt. Seitdem entwickeln wir neue Premium-Flagship-Modelle nur noch als Wireless-Produkte.

LowBeats:
 Seien Sie einmal Prophet: Wenn ich dann den Klang ihrer neuen Dongle mit dem klassischen Kabelweg über USB-C vergleiche – werde ich da einen Unterschied hören?

Christian Ern:
 Als Profi würde ich sagen: Nein, da hören Sie wahrscheinlich keinen Unterschied.
Vielleicht ist das Kabel marginal besser – aber wirklich hörbar ist das nicht. Der Momentum 4 unterstützt ja 96 kHz bei 24 Bit – da ist man auch kabellos schon sehr hochwertig unterwegs.

LowBeats:
 Ich habe das bei Apple getestet – da war die Kabelverbindung deutlich besser. Liegt das am Apple-Protokoll?

LowBeats:
 Apple hat durch seine geschlossene Hard- und Software-Welt viele Vorteile. Sennheiser hat keinen direkten Softwarezugriff, beispielsweise auf ein iPhone – ist das frustrierend? Oder wünschen Sie sich, Apple würde das Protokoll öffnen?

Christian Ern:
 Das Thema betrifft vor allem unsere App. Leider unterstützt unsere App, die eigentlich für Smartphones und unsere Kopfhörer gemacht ist, den Dongle nicht – weil wir Probleme haben, auf den USB-C-Port zuzugreifen. Das gilt nicht nur für Apple, sondern auch für Android – wobei Android da etwas offener ist.
 Grundsätzlich ist unser Dongle aber mit jedem Kopfhörer kompatibel – natürlich idealerweise mit einem von Sennheiser. Wir sind ja vom Sound her eher Puristen: Unser Ziel ist es, den Klang möglichst ungefiltert und unverfälscht zum Kopfhörer zu bringen. Deshalb ist es für uns auch kein Problem, dass man bei Apple am Klang nichts ändern kann – unsere Kopfhörer klingen ja von sich aus gut.
 Wenn man natürlich einen anderen Kopfhörer benutzt, der vielleicht nicht so gut abgestimmt ist, kann man den Klang nicht anpassen wie beim Apple-Bluetooth-Stream. Aber ganz ehrlich: Wer sich einen Dongle wegen der Soundqualität kauft, hat in der Regel auch einen hochwertigen Kopfhörer, den man nicht extra „nachstimmen“ muss.

LowBeats:
 Und mit der Sennheiser-App kann man den Klang weiter individualisieren?

Christian Ern:
 Ja, genau. Die meisten Wireless-Kopfhörer kommen heute mit einer App – auch unser Momentum 4. Die hat einen integrierten Equalizer, mit dem man den Klang anpassen kann. Und dieses Equalizer-Setting wird auf dem Kopfhörer gespeichert – das heißt, es bleibt erhalten, egal ob ich ihn mit dem Smartphone, PC oder Tablet verbinde.

LowBeats:
 Wenn ich Sie richtig verstehe: Die meisten Dongle-Nutzer verwenden Over-Ear-Kopfhörer – also keine In-Ears?

Christian Ern:
 Das ist eher Geschmackssache. Unser Momentum True Wireless 4 unterstützt auch aptX Adaptive – also High Definition Audio – das funktioniert genauso. In Asien verkaufen wir viel mehr In-Ears, weil es dort oft zu warm für Headband-Kopfhörer ist. In Europa und Nordamerika dominieren hingegen die klassischen Over-Ears.

LowBeats:
 Gibt es Zahlen dazu, wie viele Nutzer der Sennheiser-Premium-Kopfhörer auch einen Dongle dazukaufen?

Christian Ern:
 Weniger als man denkt – es dürften zwischen zwei und fünf Prozent sein.

LowBeats: 
Also eher ein Produkt für Connaisseure?

Christian Ern: 
Ja, einerseits. Aber auch aus Gründen der Bequemlichkeit – das gilt für den neuen BTD 700 genauso wie für seinen Vorgänger, den ich hier selbst benutze.
 Ich sage immer: Der Dongle ist wie ein unsichtbares USB-Kabel. Man steckt ihn einmal in den Laptop oder ins Smartphone, und der Kopfhörer verbindet sich direkt – ganz ohne Kabel. Ich kann den Dongle vom Laptop rausziehen und ins Handy stecken, und es geht einfach weiter. Oder ich stecke ihn in die PlayStation – und auch da funktioniert’s sofort. Also selbst wenn man nicht den allerhöchsten Klanganspruch hat: Dieser Convenience-Faktor ist enorm.

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Autor: Andreas Günther

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Der begeisterte Operngänger und Vinyl-Hörer ist so etwas wie die Allzweckwaffe von LowBeats. Er widmet sich allen Gerätearten, recherchiert aber fast noch lieber im Bereich hochwertiger Musikaufnahmen.