Streaming ist in. Vinyl auch. Längst wieder. Besonders interessant dabei für Freunde von Dekaden-übergreifender Musik sind Wiederveröffentlichungen: also Re-Issues. Unter diesen Neuauflagen lohnen sich nicht alle, aber viele – wegen des modernen Remasterings, toller Ausstattung oder besserer Vinyl-Qualität. Zudem sind viele Ur-LP-Versionen entweder vergriffen, in mäßigem Zustand oder oft nur zu exorbitanten Gebrauchtpreisen zu haben. Genau da setzen wir bei LowBeats an: Ein ganzheitliches Forum für die Schallplatte zu schaffen und Perlen aus dem Vinyl-Universum ausführlich vorzustellen.
Lassen wir zwei Jazz-Stars von ECM Records zu Gehör kommen – das Duo-Werk „Oracle“ des Kontrabassisten Gary Peacock und des Gitarristen Ralph Towner an klassischer und zwölfsaitiger Gitarre. Das Album entstand 1994, ist aber nun erstmals auf Vinyl erschienen. Und zwar im Rahmen der noch relativ jungen audiophilen „Luminessence“-Serie des Münchener Labels. Produziert hat das Album ECM-Chef Manfred Eicher. In dieser Reihe sind bereits Hochkaräter wie Keith Jarrett „Solo-Concerts Bremen / Lausanne“, Pat Metheny „Bright Size Life“ oder Jan Garbarek, Anouar Brahem und Shaukat Hussain mit „Madar“ erschienen.
„Oracle“ leuchtet als betörendes Happening. Ähnlich wie Gitarrist John Scofield und Bassist Dave Holland, die mit „Memories Of Home“ nach langem Live-Teamwork ihr erstes gemeinsames Album aufgenommen haben (siehe audiophiles Album der Woche), taten es auch Ralph Towner und Gary Peacock. Letzterer verstarb 2020 im Alter von 84 Jahren und galt als Koryphäe am Jazz-Bass – mit einer vitalen Bandbreite von Post-Bop bis progressivem Avantgarde-Jazz. In frühen Jahren spielte er unter anderem mit Gil und Bill Evans und debütierte ab den 1970er Jahren beim damals blutjungem Label ECM mit „Paul Bley With Gary Peacock“ mit Aufnahmen aus den 1960er Jahren. Auch sein Trio-Ausflug mit Jack DeJohnette und Keith Jarrett sowie mit Michel Petrucciani und Jarrett sei erwähnt.
Ralph Towner wurzelt ebenso im Post-Bop und kreativer Jazz-DNA, teils mit Folk-Elementen durchsetzt, mit denen er sich auch in der Band Oregon als Gründungsmitglied über Jahre hinweg Reputation erspielte. ECM war auch für ihn seit langem eine Art musikalischer Heimathafen. Ralph Towner weilt ebenfalls nicht mehr unter uns – er verstarb in diesem Jahr, am 18. Januar 2026, in Rom im Alter von 85 Jahren. Sein letztes Album „At First Light“ erschien 2023 auch bei ECM.
Die Musik von Gary Peacock und Ralph Towner „Oracle“
Doch zurück zu „Oracle“, diesem gleichermaßen gediegen wie energetisch wirkendem Werk. Die beiden Großmeister spielen zurückhaltend in der Dynamik, im Dialog aufmerksam, respektvoll, aber selbstbewusst in der Ausformung von eigenen Ideen und kraftvoll in der Ausbreitung individueller Spielfreude. Schön zu hören auf „Flutter Step“, während „Empty Carrousel“ die akustische Lupe auf die Saiten und feine Zupf- und Anstricharbeit fokussiert. Zum Repertoire des Albums gehören auch dezent angegangene Stil-Ausflüge, wie in Latin-Gefilde auf „Hat And Cane“.

Das Klangbild brilliert mit exzellenter Transparenz und Feindynamik plus präzisem Raumambiente. Aufgenommen wurde „Oracle“ im Mai 1993 in den Osloer Rainbow Studios. Die Pressung der Vinylscheibe geriet herausragend. So macht LP-Hören Freude!
Kleiner Appetithappen: Das Stück „Gaya“ gibt’s hier (nur Audio):
Bewertungen
MusikKlangPressqualitätRepertoirewertGesamt |
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