„Is this the real life? Is this just fantasy…“? Die Textzeile aus dem Rock-Opus „Bohemian Rhapsody“ bringt es auf den Punkt: Kneift mich, ich glaube ich träume – 50 Jahre ist es her, dass die himmlische Progressive-Rock-Hymne die Welt verzückte. Ich kann mich noch gut erinnern, sprachlos vor den ausklappbaren Stereo-Lautsprechern des Philips-Plattenspielers meines Kinder-Kumpels Gerhard zu sitzen und diesen fremdartig-verlockenden Tönen zu lauschen. Das überwältigende Gefühl kam meiner damaligen ersten Lieblings-LP schon gefährlich nahe. Queen „A Night At The Opera“ klang ganz anders als „The Dark Side of The Moon“ von Pink Floyd – aber auch klasse.
Zum 40. Jubeljahr gab es bereits eine 180-Gramm-Scheibe, die aktuelle Neuauflage des vierten Queen-Studio-Longplayers kommt nun als Halfspeed-Version, offensichtlich auf der Basis der Remaster von 2011. Optisch aufgewertet mit transparentem Vinyl und goldenen Cover-Prägung.

Die Multi-Layer-Gitarrensounds von Brian May, die charakterstarke Stimme von Freddie Mercury – die gesamten Kompositionen des Albums, das Queen nach einem Film der Marx Brothers aus den 1930er Jahren tauften, klingen auch heute noch überwältigend. Freddie Mercury soll dabei bereits in den 1960ern an Fragmenten der „Rhapsody“ gearbeitet haben, drei sollen die DNA der Mini-Rock-Oper formen. Und die reiht sich ein in weitere elf exzellente, teils sehr unterschiedliche, Songs des Albums ein. Da brennt Metal wie auf „Death On Two Legs“ oder „Sweet Lady“, da ploppt Pop hoch wie mit dem wärmenden „You’re My Best Friend“ oder Music-Hall-Ambiente in „Lazing On A Sunday Afternoon“ sowie „Seaside Rendezvous“. Mystisch und progressiv dringen Songs wie „39“ oder „The Prophet’s Song“ ans Ohr. Und dann eben die Rock-Suite von „Bohemian Rhapsody“, die übrigens beim Live-Aid-Konzert im Londoner Wembley Stadium am 13. Juli 1985 um die halbe Welt ging.
Produziert hat der dieses Frühjahr verstorbene Roy Thomas Baker (The Rolling Stones, Santana, David Bowie), als Aufnahmeorte dienten verschiedene Studios, darunter in London Trident, Olympic, Sarm East, Roundhouse, Scorpio Sound sowie Rockfield in Monmouthshire.
Das Ganze richteten Freddie Mercury (Vocals, Bösendorfer Piano), Brian May (Gitarren, Ukulele), Roger Taylor (Drums, Percussion, E-Gitarre) und John Deacon (Bass-Gitarre, Doppelbass, E-Piano) auf raffinierte Art unverbissen, souflée-artig fluffig, teils mit Augenzwinkern auf 24-Track an. „Bohemian Rhapsody“ schwebte 14 Wochen lang an der britischen Chart-Spitze und wurde gar zum Song des Jahrtausends gewählt. Und nicht zuletzt dank dieser Wiederveröffentlichung dürfte es wohl auch im dritten Millennium noch ein Weilchen verweilen.
1995 war ich zur andächtigen Release-Feier von „Made In Heaven“ vom damaligen Plattenlabel EMI nach Köln eingeladen. Das Album erschien ein paar Jahre nach Freddie Mercurys Tod im November 1991. Wir hörten „Made In Heaven“ mit bis dato nicht realisierten Vokalparts des genialen Sängers. Und hörten im Geiste auch „Bohemian Rhapsody“.
„Es war wirklich ein Wendepunkt für uns“, so Brian May aktuell. „Zu einem großen Teil dank ‚Bohemian Rhapsody‘ wussten die Leute, wer wir waren – nicht nur in Großbritannien, sondern in Amerika, Australien und überall.“ Und Roger Taylor ergänzt: „Es ist so ein eklektisches Album, es ist verrückt, wunderbar und enthält ein bisschen von allem.“
Bewertungen
Das Klangbild der Halfspeed-LP mit transparentem Vinyl punktet mit planer Pressung. Die Tonträgernadel läuft ruhig durch die Rille ohne Aufsehen-erregende Nebengeräusche. „Open your eyes, look up to the skies and see…“!
Video-Clip/ Medley „Bohemian Rhapsody“ (Live Odeon Hammersmith 1975):








