„Reichtümer auf der Suche nach einem Ort, zu dem sie gehören, so sind Erinnerungen, so sind Songs“ – so die poetische Subline des Album-Debüts „Scrapbook“ (Sammelalbum) der Folk-/Progrocker Clouds von 1969, das nun wieder formidabel zum Leben erweckt wurde. Mitte-/Ende der 1960er Jahre betraten einige Newcomer wie Joni Mitchell, Frank Zappa, The Doors, die Byrds oder Procol Harum oder The Moody Blues die progressive Folk- und Rockbühne. Einige konnten ihre Felder urbar machen, andere fuhren nur kurzzeitig Ernten ein. Wie Billy Ritchie (Lead Vocals, Bass), Ian Ellis (Vocals, Gitarre, Bass) und Harry Hughes (Schlagzeug) alias The Clouds aus Schottland, die im wilden Süden der Insel kreativ mitmischen wollten. Das Trio wurde damals von Terry Ellis unter die Produktions-Fittiche genommen, seines Zeichens Co-Gründer des umtriebigen Musik-Brands Chrysalis. Unter diesem Dach launcht das Label nun im Rahmen seiner neuen „Red Series“ in Vergessenheit geratene Highlights früherer Dekaden wie aktuell übrigens auch Singer-Songwriter Brian Protheroe. Und so wurde he Clouds „Scrapbook“ unser Vinyl-Tipp der Woche.
Blenden wir zur besseren Einordnung einmal zurück: Mitte der 1960er Jahre spielten Ellis und Hughes unter dem Logo The Premiers mit anderen Bandmates, zu denen sich dann auch Orgel-Mann Ritchie gesellte. Nach Umgruppierungen nannte sich die Truppe 1-2-3 und schaffte es, im legendären Londoner Marquee Club neben künftigen Prog-Rock-Ikonen wie Rick Wakeman und Keith Emerson aufzutreten. 1967 wurden sie von Brian Epsteins Firma NEMS gemanagt und so für die Presse sichtbar.
Terry Ellis nahm die Jungs danach neben seinem Haupt-Act Jethro Tull in seine frisch gegründete Agentur auf – mit dem neuen Bandnamen „Clouds“. Diese ursprünglich Ellis-Wright-Agentur formte sich später zur renommierten Musik-Company Chrysalis. Hier schließt sich der Kreis. Doch trotz bejubelter Auftritte von der Londoner Royal Albert Hall bis zum Fillmore East in New York (!) sowie Lorbeeren vom US-Musikmagazin Billboard und dem britischen Melody Maker verebbte der Erfolg in der damals inflationären Prog-Rock-Szene. Die Band löste sich im Oktober 1971 auf.
Womit wir beim Klasse-Album „Scrapbook“ von 1969 angekommen sind, auf dem Tastenmann Billy Ritchie als Rock-Orgel-Pionier sein Können mutig-energetisch zu Gehör brachte und so dabei half, den Weg für andere wie Keith Emerson (‚Emerson, Lake & Palmer) sowie Rick Wakeman (Yes) oder Jon Lord (Deep Purple) in diesem Tasten-Genre zu ebnen.
Nennen wir es im weitesten Sinne Schotten-Rock, den die Drei schrieben und performten. Die elf Songs beeindrucken durch ihre facettenreichen Arrangements, eingebettet in Folk-, Rock- – und Prog-Rock-DNA nebst Beatles-ähnlichen Einsprengseln wie auf „Grandad“. Zudem schweben psychedelische Sequenzen durch die Notenzeilen („Waiter, There’s Something In My Soup“. Da werden auch Erinnerungen an The Moody Blues oder The Nice wach.

Auch der Klang punktet. Die Red Series von Chrysalis setzt in punkto Tontechnik hohe Ansprüche, Phil Kinrade von Air Mastering in London (gegründet von Sir George Martin/ The Beatles) holte die originalen 1/4-Inch-Produktionsbänder aus dem Archiv und masterte das Album neu. Schön, dass die Klangqualität bereits damals dank Toningenieur Andy Johns, (Led Zeppelin, Rolling Stones) auf hohem Niveau lag. Die Stimmen dringen sehr klar und fein artikuliert aus den Lautsprechern, auch Bassdruck und Raumambiente beeindrucken angesichts des Alters der Aufnahmen. Die Pressung geriet fein, ohne Rumpel- und Knistergeräusche.
Das schottische Presswerk Seabass zeichnet für die Pressung der LPs verantwortlich. Anscheinend ein engagiertes Unternehmen, das dem energieträchtigen Herstellungsprozess mit erneuerbaren Energiequellen kompensiert – rund 40 Prozent der täglichen Energieverbrauchs sollen eigene Solar-und Windanlagen liefern.

Wenn man so will, ist dieses Album ein hinreißender Vintage-Ausflug in die Sixties/Seventies, der durchaus einen kleinen Schatz zu Gehör bringt. Wer noch weiter im (Vinyl-)Archiv von Chrysalis stöbern möchte, schaut dort nach.
Leider gibt’s keinen Videoclip der Clouds aus der Zeit. Dafür aber ein opulent ausgestattetes, 3CD-Werk, das sämtliche drei Alben der Band inklusive 23 unveröffentlichten Songs und ein informatives Booklet vereint: nämlich The Clouds: „Once Upon A Time: The Collection“, ebenfalls bei Chrysalis erschienen.
Bewertungen
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