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Toumani Diabaté „Djelika“
Toumani Diabaté, einer der besten Kora-Spieler weltweit ist zwar leider 2024 mit nur 58 Jahren verstorben, „Djelika“ aber ist eine schöne Verneigung ob seines Schaffens auf Vinyl... (Foto: C. Dick)

LowBeats Vinyl! Toumani Diabaté „Djelika“

Es ist eine echte Perle aus dem Vinyl-Universum: Das Meisterwerk „Djelika“ des malischen Kora-Virtuosen Toumani Diabaté aus dem Jahr 1995, das nun remastert und erstmals auf Vinyl erscheint. Wir sprechen über Musik aus der Familie der traditionellen westafrikanischen Musiker und Dichter. Instrumente wie Ngoni (eine Art Urahn des Banjos), Balafon (ein Kalebassen-Xylophon) oder die Kora, eine 21-saitige afrikanischen Harfe … Begriffe, die ein exotisch anmutendes Miteinander teasen, die Jahrhunderte alte Traditionen des Landes Mali und das Leben der Menschen dort spiegeln. Dieses wertvolle kulturelle Erbe verkörperte Toumani Diabaté mit seiner unerhört hinreißend virtuosen Spielweise der Kora. Er verstarb 2024 im Alter von 58 Jahren und hinterlässt ein reiches Vermächtnis, das nun mit der Wiederveröffentlichung seines Durchbruchs-Album von 1995 erneut Strahlkraft entfacht.

Joe Boyd, einst Chef von Hannibal Records, nahm den jungen Toumani Diabaté einst unter seine Fittiche und verhalf ihm zu gebührendem Gehör. Zumindest war er früher kein Unbekannter, wie die Liste seiner Teamworks eindrucksvoll belegt und beispielsweise Pink Floyd, R.E.M., Nick Drake oder Richard Thompson aufführt. Schön: Die einstige Co-Produzentin neben Joe Boyd, Lucy Durán, ist ihres Zeichens eine britische Ethno-Musikologin und Radiomoderatorin. Sie schrieb die Linenotes für das Vinyl-Album. Seit 1993 lehrt sie Musik mit Schwerpunkt Afrika und Kuba an der School of Arts der SOAS University of London. Das passt also.

Toumani Diabaté gilt für nicht wenige Kenner als bester Koraspieler seiner Zeit und arbeitete im Laufe seiner Karriere in etlichen Kooperationen – so mit Björk („Volta“), Damon Albarn von Blur („Mali Music“) oder Taj Mahal („Kulanjan“). Seine Vorbilder reichen – kaum zu glauben – von James Brown bis zu den Scorpions, was trotz seiner Verwurzelung Weltoffenheit für andere Stilrichtungen wie Blues, Jazz oder sogar Flamenco zeigt.

Die Musik von Toumani Diabaté „Djelika“

Kommen wir zum Album „Djelika“ mit seinen acht akustischen Kostbarkeiten, die Toumani Diabaté zusammen mit seinen beiden Trio-Kollegen Kélétigui Diabaté (Ella Fitzgerald, Lionel Hampton) am Balafon und Bassekou Kouyaté an der Ngoni – im Team mit den Bassisten Danny Thompson und Javier Colina sowie Dian Diarra und ihrer Kamalengoni, einer moderneren Version der Ngoni. Das Sextett feiert so energetisch Spielfreude und grenzüberschreitende musikalische Kreativität – Roots-Weisen fließen in frische Rhythmus-Muster ein und schlagen auch dank eigenwilliger Spielweisen ihrer Instrumente eine vitale Brücke in die Gegenwart, die auch nach über 30 Jahren noch frisch wirkt.

Bereits der Titeltrack und Opener wärmt schon einmal mit flinkem Saitenspiel und Balafon-Tupfern quirlig auf. Auf „Nankouman Djan“, „Marielle“ oder dem achtminütigem „Kandjoury“ pulsiert und schwingt das Balafon sonnig mit. „Aminata Santoro“ wiederum erinnert an fernöstliche Weisen, während „Tony Vander“ gehaltvolle Jazz-DNA atmet.

Toumani Diabaté „Djelika“
Toumani Diabaté „Djelika“ erscheint bei Chrysalis Records, Proper / Bertus als remasterte 180-Gramm-LP.(Cover: Crysalis)

Das remasterte, plastisch-feindynamisch-„schnelle“ und präzise Klangbild verantwortet Phil Kinrade (Donna Summer, Stewart Copeland, Moby) von den Air Studios, die Beatles-Produzent George Martin einst ins Leben rief. Die Pressung geriet formidabel.

Unterm Strich funkelt diese Wiederveröffentlichung als multipler Glücksgriff – wunderbare Musik, klasse Klang und respektvolles, überarbeitetes Artwork inklusive Track-By-Track-Notes nebst LP-großem Booklet.

Toumani Diabaté
„Djelika“
2026/03
Test-Ergebnis: 4,6
ÜBERRAGEND
Bewertungen
Musik
Klang
Remastering
Pressqualität
Repertoirewert

Gesamt

Das Titelstück des Albums gibt’s hier:

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Autor: Claus Dick

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Musikfachmann seit Jahrzehnten, aber immer auch HiFi-Fan. Er findet zielsicher die best-klingenden Aufnahmen, die besten Remasterings und macht immer gern die Reportagen vor Ort.